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DIE ABENTEUER DES HOBBITS TODO BRAUNLOCK I

Kapitelübersicht



I. Die Botschaft

II. Neue Unruhen im Königreich

III. Neues aus dem Auenland

IV. Der Traum

V. Geheimniskrämerei

VI. Von der Arbeit auf dem Tabakfeldern

VII. Der neue Bürgermeister

VIII. Bedrückende Neuigkeiten

IX. Tills Geburtstag

X. Bockenburg im Ausnahmezustand

XI. Die Einladung

XII. Die Sorgen des Königs

XIII. Die Abreise nach Bockenburg

XIV. Die Ankunft in Bockenburg

XV. Überfall auf Froschmoorstetten

XVI. Ein Funken Hoffnung

XVII. Das Geschenk

XVIII. Floßfahrt mit Tücken

XIX. Wölfe im Auenland

XX. Tar Esrildurs Zusammenkunft


Kapitel XXI - ... (new)


I. Die Botschaft

Wie lange er schon an diesem Ort verweilte, war ihm mit der Zeit etwas abhanden gekommen. Doch spielte es hier, wo die die Zeit stehen geblieben zu schien, sowieso keine Rolle. Der Ereignisse der übrigen Welt überdrüssig, hatte er sich einst hierher zurückgezogen. Unerkannt lebte er innerhalb dieser kleinen Stammesgemeinschaft im äußersten Osten von Mittelerde. Es war ein kleiner Stamm aus Menschen, die auf kargen Boden lebten und auf einfachste Weise ihren Lebensunterhalt bestritten. Sie wohnten in kreisrunden großen Zelten in bunten Farben. Diese waren aus Tierhäuten gefertigt, daher als sehr robust und wetterfest anzusehen. Ihr Inneres war mit Tierfellen ausgelegt, die vor der nächtlichen Kälte schützen, die hier üblicherweise herrschte. In der Mitte der Siedlung befand sich eine große Feuerstelle, an dem das gefangene Wild gebraten wurde. Zugleich war es auch der Versammlungsort der hiesigen Bewohner. Obwohl sie Ostlinge waren, konnte man sie durchaus als sehr friedfertig und gastfreundlich bezeichnen. Was ihren Sprachschatz anbelangte, war dieser im Vergleich zu anderen Völkern sehr bescheiden und auf seine Verwendung im Alltag ausgelegt. Während die Männer mittels der Jagd für den Lebensunterhalt sorgten, stellten die Frauen des Stammes Alltagsgegenständen aus Holz oder Stein her. Auch auf die Verarbeitung von Stoffen, vornehmlich Tierhäute, verstanden sie sich hervorragend. Sie hielten sich einem Rudel aus Hunden, welche die Männer für die Jagd und als Wachschutz nutzten. Obwohl dieses Gebiet dünn besiedelt war, mussten auch die Einwohner dieser Siedlung auf der Hut sein.

Andererseits verirrten sich nur wenige Fremde an diesen Ort, dazu war er einfach zu abgelegen. Doch der alte Mann hatte ihn auf seiner Reise entdeckt, mit seinen Bewohnern Kontakt aufgenommen und sich mit ihnen angefreundet. Das mochte auch daran liegen, dass man innerhalb der Stammesgemeinschaft dem Alter mit hohem Respekt und Wertschätzung begegnete. Der Anfreundung war rasch das Angebot ihrerseits an ihn gefolgt, bei ihnen zu wohnen. Er hatte dankend angenommen und als Gegenleistung für ihre Gastfreundlichkeit sie im Laufe der Zeit die Heilkunst und Kräuterkunde gelehrt. Dies waren nämlich Fertigkeiten, an denen es den hiesigen Bewohnern mangelte. Bislang waren schon einfachste Krankheiten oder Verletzungen den Menschen hier zum Verhängnis geworden. Durch die Ankunft des Fremden aber verbesserte sich auf Dauer die medizinische Versorgung der Kranken und Verletzten. Er vermittelte ihnen das das Wissen, aus Kräuter oder Pflanzen Heiltränke bzw. Heilpasten herzustellen. Es waren nur einige Fähigkeiten, über die der alte Mann selbst verfügte. Doch setzte er sein enormes Wissen stets mit Bedacht ein und gab nur soviel davon preis, in wie weit es den Menschen hier zur Bewältigung ihres Alltags von Nutzen war. Ihm lag es nämlich fern, die Bewohner zu verwirren oder gar in Misstrauen zu versetzen. Obwohl man ihn auch immer wieder mal über seine Herkunft befragt hatte, hatte er sich stets darüber ausgeschwiegen. Er hielt es nicht für erachtenswert seine wahre Identität ihnen gegenüber preis zugeben. Schließlich gab man es auf und ließ in Ruhe.

Inzwischen war eine schier endlose Zeit vergangen, in der der alte Mann seine alte Heimat, aus der er gekommen war, fast völlig vergessen hatte. Er hatte sich ganz anders an das neue einfache Leben innerhalb der Stammesgemeinschaft gewöhnt und sogar deren Sprache erlernt. Dessen Anführer Min-Turak und er waren gute Freunde geworden. Nichts schien diesen Frieden zunächst zu trüben. Das änderte sich, als eines Nachts im tiefen Schlaf, eine Stimme bei ihm meldete. Diese Stimme kam einem säuselnden Windzug gleich und erschien dem Schläfer irgendwie bekannt. Sie forderte ihn auf das nahe Gebirge aufzusuchen und dort die Ankunft eines Boten zu erwarten. Mehr verriet sie nicht und verstummte so plötzlich, wie sie erschienen war.

Als der alte Mann am nächsten Morgen aufwachte, grübelte er lange nach, woher er die nächtliche Stimme kannte. Dann fiel es ihm plötzlich wie Schuppen vom Gesicht, woher er sie kannte. Sie gehörte einem Wesen dass er aus den Ältesten Tagen dieser Welt her kannte. Es war jenes, das den Wind und die Vögel befehligte und in einem fernen Land lebte. Ein Land, in dem auch der alte Mann gelebt hatte, bevor man ihn in diese Welt entsandt hatte. Plötzlich erahnte er, dass etwas erneut in Bewegung geraten war. Etwas, was seine Rückkehr aus der Einsamkeit erforderte, denn warum sonst hätte ihn wohl die Stimme des Herrn der Winde gerufen.

Etwas widerwillig machte er sich auf den Weg, ohne dass es die übrigen Bewohner bemerkt hätten, hinauf in die nahen Berge des Ephel Dúath. Es war ein schmaler geröllartiger Pfad, der zum nahen Gipfel führte. Links und rechts türmten sich große scharfkantige Felsen aus grauem Basalt auf. Je höher der einsame Wanderer kam, desto mehr nahm der Ostwind an Stärke zu. Vegetation war hier oben kaum noch vorhanden. Nur kleine Gräser und Sträucher trotzten den stets böigen Winden hier oben und wuchsen hier und da am Wegesrand. Es war auch für den alten Mann ein nicht leicht zu bewältigender Aufstieg zum Berg, doch schließlich erreichte er in den frühen Nachmittagsstunden den Gipfel. Es war schon ein lohnenswerter Blick, der sich ihm bot. Er blickte herab auf ein weites Land, das sich inzwischen in seinem Aussehen erstaunlich gewandelt hatte. War es zu anderen Zeiten ausschließlich von schwarzem Lavagestein und trockenem Staub bedeckt gewesen, sind inzwischen üppige kleine Wälder und fruchtbares Ackerland auf den Ebenen von Gorgoroth gediehen. Die stille See des Nurnenmeer war ebenfalls von hier oben aus zu sehen. Hier und da entdeckte er sogar kleine Siedlungen. Nichts mehr war jenen dunklen Schatten geblieben, die einst dieses Land umfangen gehalten hatten.

Ein zufriedenes Lächeln huschte zunächst über das Gesicht des alten Mannes. Dann aber schlich sich wieder Nachdenklichkeit in sein Gesicht. Irgendwas Unheilvolles musste erneut passiert sein, sonst hätte man ihn nicht gerufen. Plötzlich nahm er in der Ferne einen dunklen Punkt am Himmel wahr, der sich rasch auf ihn zu bewegte. Rasch war erkennbar, dass es sich dabei nicht um eine Wolke handelte. Stattdessen erkannte der alte Mann, dass es sich um ein lebendiges Geschöpf handelte, das auf ihn zusteuerte. Es war ein Vogel mit gewaltigen Schwingen, der majestätisch durch die Lüfte glitt. Es war zu seinem Erstaunen ein Adler, der sich dem Berg von Norden her näherte. Dies zerstreute in der Tat noch die letzten Zweifel des alten Mannes, die er gehabt hatte. Dieser Adler musste der Bote sein, von der die nächtliche Stimme gesprochen hatte. Und wer ihn entsandt hatte, war dem Alten nun auch klar.

Schließlich erreichte der Vogel den Berg, zog noch mal ein paar elegante Runden bevor er sich auf dem Gipfel niederließ. Der Adler musterte zunächst sein Gegenüber. Er sah sich einem alten Mann mit eisgrauen Augen und weißem Haar gegenüber, der mit einem vergilbten blauen Mantel bekleidet und auf einem Stab gestützt da stand. Der Alte musterte indes den übergroßen gefiederten Boten. Nachdem sich beide schweigend eine Weile betrachtet haben, begann der Adler zu sprechen. Er berichtete dem alte Mann, was ihm aufgetragen worden. Er berichtete von einem neuen Übel, das in Begriff war, den Eingeweiden der Erde zu entsteigen. Es hatte zudem bereits begonnen, seine unheilvollen Fäden zu spinnen. Dies war für den Alten zunächst nichts Neues. Denn wenn man glaubte, das Böse gerade besiegt zu haben, dann suchte es sich einen anderen Weg zurück in die Welt. Er wurde erst hellhörig, als der Name eines weiteren Bekannten in Verbindung mit dem aufkeimenden Übel fiel.

Es war der Name eines alten Weggefährten, mit dem er gemeinsam gen Osten aufgebrochen war. Später hatten sie sich getrennt und verschiedene Wege beschritten. Den Namen des Gefährten in Verbindung mit den neuerlichen Entwicklungen zu hören, erfüllte ihn mit Trauer und zugleich mit Sorge. Weiter erzählte der Adler ihm, dass man nun auf ihn alle Hoffnungen setzen würde, dem Anderen Einhalt zu gebieten. Diese Vorstellung gegen einen alten Gefährten vorgehen zu müssen, gefiel dem Alten aber zunächst überhaupt nicht. Erinnerungen an eine alte Auseinandersetzung zwischen zwei weiteren Weggefährten aus alten Tagen wurde in ihm geweckt. So fragte er denn auch umgehend nach, ob man nicht einem Anderen diese Aufgabe anvertrauen konnte. Der Adler schüttelte energisch das Haupt und wiederholte die Worte seines Herrn. Für diese Aufgabe kam nur er selbst in Frage. Außerdem erinnerte ihn der Bote daran, dass dies nun die Chance sei, endlich seinen eigentlichen Auftrag zu erfüllen, den er bisher sträflich vernachlässigt hatte. Der Alte sah dies zwar etwas anders, gestand sich aber insgeheim doch ein, dass der Adler Recht hatte. Er selbst hatte damals sein eigenes Wohl über das der Anderen gestellt und hatte sich dem Kampf gegen Sauron entzogen. Vielleicht war es wirklich an der Zeit sein Einsiedlerdasein zu beenden und nun wieder gut zu machen, was er einst versäumt hatte. Schließlich endete der Bote seinen Bericht und verabschiedete sich, nicht aber ohne nochmals eine Ermahnung an den alten Mann auszusprechen, dessen Aufgabe zu erfüllen. Dann stieg der Adler gen Himmel auf und flog davon. Zurück blieb der Alte, der noch ein paar Minuten nachdenklich da stand und in die Ferne blickte. Dann machte er kehrt und ging ebenfalls.

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II. Neue Unruhen im Königreich

Eine neue Epoche in Mittelerde. Es waren einige neue Geschehnisse, über die es zu berichten gilt. Vieles hatte sich inzwischen verändert seit der Niederwerfung von Sauron, dem Dunklen Herrscher. Auf sein Ende und der erfolgreichen Vertreibung seiner verbliebenen Streitkräfte durch die neuen Herrscher des Königreiches der Dúnedain kehrte ein dauerhafter Frieden in die meisten Länder in Mittelerdes ein. Die übrig gebliebenen feindlichen Streitkräfte, unter ihnen Haradrim, Ostlinge und Orks, lösten sich auf und zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Die einst feindlichen Korsaren von Umbar schlossen mit Gondor Frieden und dienten fortan dem neuen König. Unter der Herrschaft der neuen Könige entfaltete sich die Städte der Menschen und ihrer Verbündeten zu neuer Blüte. Jahrhunderte des Friedens folgten und zunächst schien es, als würde das Zeitalter der Menschen ewig währen. Einstige teils menschenleere Länder wie Arnor oder Enedwaith erlebten einen neuen Aufschwung, wurden wieder bevölkert. Neue Städte wie Dun Maroth im Lande Minhiriath entstanden und wurden Heimat der sich ausgebreiteten Völker der Menschen.

Zur Zeit Tar Ameledurs II allerdings zogen erneut dunkle Wolken über Gondor auf. Das Unheil nahm ausgerechnet im nördlichen Teil des Reiches seinen Lauf. Dort hatte Tar Ameledur den Gwaithurim Telpeth zum Statthalter von Dun Maroth, der neuen Haupstadt des Nordens, eingesetzt. Er war einen bekannte Persönlichkeit unter seinen Landsleuten und zudem eine Respektperson. Schien es zunächst als handele Telpeth ganz im Sinne des Königreiches, drangen mit der Zeit merkwürdige Gerüchte bis nach Minas Tirith, die den König mit Sorge erfüllten. Man berichtete von einer seltsamen Bruderschaft, die sich in der Stadt niedergelassen hatte und immer mehr Anhänger unter den Einwohnern fand. Zudem schienen deren Anhänger dunkle Mächte an zu beten und finstere Riten zu pflegen. Wer sich ihnen nicht anschloss wurde den Angaben zufolge verfolgt. Auch der Statthalter geriet offenbar unter den Einfluss dieser mysteriösen Bruderschaft. Dafür sprachen unter Anderem die neuerlichen Gesetze, die er erließ ohne sich vorher die Zustimmung Tar Armeledurs einzuholen. Man berichtete von überhöhten Zwangsabgaben, die Telpeth von der Stadtbevölkerung eintreiben ließ. Auch wurde von unmenschlichen Verhören oder Foltermethoden erzählt, die der Statthalter gegen jene einsetzte, die sich seinen Anordnungen und Steuerabgaben widersetzten. Wofür er das Geld einsetzte war nicht bekannt. Man vermutete allerdings, dass er davon selbst ein kleines Heer aus Männern aufbaute. Da die Lebensmittel zunehmend knapp wurden, drohte eine neue Hungersnot auszubrechen.

Tar Ameledurs Berater drängten den König nun aufgrund dieser Zustände zum sofortigen Eingreifen und dem abtrünnigen Statthalter Einhalt zu gebieten. Wider dem Rat seiner Berater allerdings brach er selbst mit einer beachtlichten Anzahl von Soldaten ( ca. 3000 Mann ) nach Minhiriath auf, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Doch Telpeth hatte inzwischen allerorts Spitzel rekrutiert, die regelmäßig über alles Bericht erstatten, was sich im Reich tat. So erfuhr Telpeth vom Aufbruch des Königs aus Gondor. Er fürchtete Tar Ameledurs Zorn und scharte heimlich eine beachtliche Anzahl von Dunländern und getreuen Gwaithurims um sich. Er beauftragte sie den bewaffneten Zug des Königs zu überfallen. Zum Anführer ernannte er den Dunländer Gwaithril, ein äußerst übler Zeitgenosse. Es war ein ungeheures Vorhaben, doch für Telpeth hing sein persönliches Schicksal davon ab. Während die ca. 1500 Mann des Statthalters dem Zug des Königs entgegen ritten, nahte dieser mit seinen Soldaten aus den Süden. Nahe dem großen Waldgebiet von Dunland trafen beide Seiten schließlich aufeinander und es kam zu einer erbitterten Schlacht. Zunächst schien es, als hätten Telpeths vergleichsweise schlecht ausgerüstete Männer keinen Hauch der Chance gegenüber den gut ausgebildeten Soldaten aus Gondor.

Angesichts der drohenden Niederlage griff Anführer Gwaithril zu einer Verzweiflungstat. Er ließ seine verbliebenen Männer in den nahen Wald flüchten. Tar Ameledur in seinem maßlosen Zorn vergaß jede Achtsamkeit und ließ die Flüchtenden verfolgen. Er selbst ritt an der Spitze der Verfolger. Gwaithril Getreue waren zum Teil auf die Bäume geflüchtet und lauerten dem Feind auf. Doch Gondors Männer wären ihnen immer noch überlegen gewesen, hätten die Aufständischen nicht von unbekannter Seite Hilfe bekommen. Plötzlich, wie von Geistehand geschaffen, umgab Amendeldurs Heer ein Flammenmeer. Die Pferde wurden scheu. Manche ergriffen die Flucht, andere warfen verängstigt ihre Reiter ab. Diese unerwartete Unterstützung nutzte Gwaithril mitsamt seinen Männern und warfen sich von den Bäumen herab auf die Soldaten. Gwaithril selbst stürzte sich auf den König und ein wütender Kampf zwischen beiden entbrannte. Obwohl Ameledur selbst ein hervorragender Soldat war, unterlag er doch dem starken Dunländer und wurde getötet. Doch auch Gwaithril und seine verbliebenen Männer ereilte am Ende doch das gleich Schicksal. Die Nachricht vom gewaltsamen Tod seines Vaters ereilte den in Minas Tirith verbliebenen Thronfolger Esrildur. Sofort entsandte er ein großes Heer nach Minihirath. Statthalter Telpeth floh mit wenigen Getreuen an unbekannten Ort. Als Gondors Streitmacht in Dun Maroth eintraf, fanden sie eine verelendete Stadtbevölkerung vor. Die Anhänger der Bruderschaft waren untergetaucht. Der neue König Tar Esrildur stellte die Ordnung wieder her und schickte Soldaten aus, um den abtrünnigen Telpeth zu finden. Doch die Suche blieb vergebens.

Währen dessen gab ein weiteres Unheil, dass aber zunächst dem neuen König verborgen blieb. Im Süden Mittelerdes tat sich eine neue Macht auf. In Abgeschiedenheit des Landes Khand ließ sich ein ehemals wanderndes Volk der Ostlinge nieder. Sie errichteten eine Bergfestung, die sie entsprechend der geografischen Lage Khanduath nannten. Sie entwickelten sich nach und nach zu einem einflussreichen Volk unter den Südländern. Zunächst lieferten sich die konkurrierenden Völker aus Khandrim und Haradrim erbitterte Kämpfe.

Dies änderte sich erst als in Khanduath ein neuer Stammesführer an die Macht kam. Ein Schurke namens Aghanir el Drakim. Er stammte aus der Sippe des Muriol el Drakim ab. Schon früh hatte er das Reiten und das Führen eines Bogens erlernt. Aufgrund seiner Abstammung trat er nach seiner Volljährigkeit die Nachfolge als neuer Stammesführer der Khandrim an. Er war anders als die Übrigen seiner Landsleute ein machthungriger Mensch. Obwohl die Khandrim eine solche Eigenschaft unter Ihresgleichen an sich nicht wertschätzten, hatten sie Aghanir als ihren neuen Herrn inzwischen anerkannt. Er führte sein Volk mit harter Hand und ließ keinen Widerspruch zu. Von den Königreichen Gondor oder Rohan hatte er bisher nur aus Geschichten der Stammesführer der Haradrim gehört. Er hatte ihren Berichten von deren Kämpfen mit den anderen Völkern aufmerksam gelauscht, Aus den Erzählungen heraus entwickelte er eine tiefe Argwohn gegen die Herren von Gondor und deren Verbündete, die Rohirrim. Für ihn war es keine Frage, dass sie eines Tages ihre Hand nach Khand ausstrecken würden, um es zu besetzen. Zunächst aber wartete er ab und widmete sich dem Ausbau seiner Macht.

Das änderte sich aber als eines Tages ein seltsamer Unbekannter in der Festung auftauchte. Dieser hatte sich als Talarin vorgestellt und Aghanir noch mehr Macht und Ruhm versprochen, falls er dessen Ratschläge befolgen würde. Der Khandrim stimmte zu und bot dem Fremde außerdem an, die Festung zu seinem Zu hause zu machen. Auf Talarins Rat hin war Aghanir zu den anderen Häuptlingen des Landes gereist. Er hatte sie dank seines Geschickes nach zähen Verhandlungen überzeugen können, sich ihm anzuschließen. Allerdings die Korsaren von Umbar konnte er nicht auf seine Seite ziehen. Sie lehnten ab, gehörten sie doch bis jetzt zu den Getreuen Gondors. Zornig kehrte Aghanir nach Khanduath zurück und ließ alle notwendigen Vorbereitungen treffen. Alle kampffähigen Männer wurden eingezogen und mit Waffen ausgerüstet. Schließlich verließ er mit einer stattlichen Heer aus Khandrim die Festung, während der Fremde Talarin dort zurückblieb. Aghanirs Heer marschierte nach Norden und traf auch halben Weg mit der Streitmacht der Haradrim und Söldner zusammen. Gemeinsam machte man sich dann auf zu den Grenzen des Königreiches Gondor auf. So weit zunächst zu den Entwicklungen.

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III. Neues aus dem Auenland

Doch wende ich mich zunächst einen anderen Ort in Mittelerde zu. Es ist übrigens der 27. Tag des Monats März. Meine Geschichte beginnt in dem kleinen verträumten Örtchen Langgrund im Südviertel des Auenlandes. Wer das Auenland nicht kennt, dem sei gesagt, dass es sich dabei um einen kleinen Landstrich inmitten Eriadors handelte. Es lag eingebettet in das Königreich der Dúnedain, war aber aufgrund eines Erlasses des einstigen König von Gondor, Tar Elessar, unabhängig und stand unter Eigenverwaltung der Einwohner. Das Auenland war die Heimat der unscheinbarsten Geschöpfe dieser Welt. Die Angehörigen diese Volkes nannte man die Hobbits. Nicht größer als Zwerge waren sie doch ein flinkes, lebenslustiges und fleißiges Völkchen, das eine große Vorliebe für gutes Essen und selbst gebrautes Bier hegte. Zufrieden damit die Welt des Großen Volkes zu meiden und von dieser gemieden zu werden. Die Hobbits waren noch immer hauptsächlich Bauern und Händler. Sie legten viel Wert auf ihre alt her eingebrachten Traditionen. Dazu gehörten gegenseitige Besuche wann immer die Zeit es zuließ. Ebenso betrieben sie mit Inbrunst Ahnenkunde. Außerdem pflegten sie noch eine große Vorliebe für das Rauchen von Pfeifenkraut. Und eben dieses beliebte und bekannte Kraut wurde vornehmlich im Örtchen Langgrund angebaut.

Zu den hiesigen Tabakbauern in dieser Gegend gehörte der Hobbit Fillibert Braunlock. Er und sein Sohn Todo wohnten unweit ihrer Tabakfelder in einem kleinen Haus am Seitenarm des Brandywein. Seine Frau Tusnelda war vor wenigen Jahren verstorben. Schon seit drei Generationen betrieben die Braunlocks nun den Anbau des beliebten Pfeifenkrauts. Vor langer Zeit hatten die meisten der hiesigen Tabakfelder einmal der reichen Familie der Sackheim- Beutlins gehört, die aber bereits nach zwei Generationen ausgestorben war. Über diese Sippe der Hobbits allerdings wird ungern geredet, da sie für das Unheil mitverantwortlich gewesen war, die das Auenland einst heimgesucht hatte.

Fillibert, das Familienoberhaupt der Braunlocks, verfügte über eine üppige Körperfülle. Er hatte braunes gelocktes Haar und braune Augen. Sein Gesicht war rundlich und sonnengegerbt. Er hatte zudem kräftige Oberarme und eher Pranken als Hände und konnte ordentlich zupacken. Von Natur aus war er ein eher konservativer Mensch und verschloss sich mit Inbrunst jeder Veränderungen oder Neuerungen in den heimischen Gefilden. Er hielt in des streng an den Traditionen der Hobbits fest. Er war ein sehr arbeitsamer Mensch und kannte für sich kaum Freizeit. Er gehörte zwar nicht der geschwätzigste Landsleuten, doch immer für ein gutes Gespräch zu begeistern. Allerdings hielt er sich aus Angelegenheiten anderer Leute heraus. Ansonsten mochte er deftige Kost und pflegte ab und zu im nahen Gasthaus "Zum Schwimmenden Balken" zu verkehren.

Sein einziger Sohn Todo Braunlock kam ganz nach seiner verstorbenen Mutter und hatte viele ihrer Eigenschaften geerbt. Todo war ein 2 Fuß 5 großer Hobbit, der wie seine Eltern aus dem Volk der Harfüße stammt. Er war 36 Jahre alt und von schmächtiger, etwas untersetzter Gestalt. Er hatte zudem dunkelbraunes, gelocktes Haar und dunkle Augen. Wirkte er nach außen zwar oftmals bedeckt, entpuppte er sich beim näheren Kennen lernen doch als eine sehr redselige und humorvolle Persönlichkeit. Auch erschien er Bekannten eher als eine etwas verträumte und nachdenkliche Person. Seine ganze Liebe galt im Übrigen dem kleinen Pony, das die Braunlocks hielten. Es hörte auf den Namen Peonie. Wenn Todo mal nicht auf den Tabakfeldern seines Vaters zu tun hatte, kümmerte er sich liebevoll um die Pflege des kleinen Ponys.

Neben den Braunlocks wohnten Till und Amirilla Tuk sowie ihr Sohn Ferdibrand. Till Tuk und seine Sippe gehörten ursprünglich zu den wohlhabenden Tuks aus Bockland, war aber vor langer Zeit in diese verschlafene Gegend gezogen. Ob es die Ruhe dieser Gegend oder die Flucht vor den eigenen Verwandten war, die ihn dazu bewogen, kann ich euch nicht sagen. Eigentlich bedurfte es aufgrund seines Vermögens keine Ausübung eines Berufes, doch Till Tuk hatte eine Vorliebe für den Bau von Tabakpfeifen entwickelt. Und diese hatte er inzwischen einfach zu seinem Beruf gemacht. Als Pfeifenbauer stellte er vielerlei verschiedene Pfeifen her. Dabei ging ihm sein Sohn regelmäßig zur Hand. Inzwischen hatte es sich zu einem guten Geschäft für die Tuks entwickelte. Tills Tabakpfeifen verkauften sich nicht nur unterhalb der Hobbits sehr gut. Auch außerhalb der Grenzen des Landes wurden seine handgefertigten Stücke sehr geschätzt und gekauft. Dabei kam er auch zwangsläufig mit den Menschen aus Bree oder anderen Orten des nördlichen Königreiches in Kontakt. So wusste er nicht nur viel über deren Bräuche und Lebensart zu erzählen, sondern verfügte auch über neueste Informationen von dort. Er lebte mit seiner Familie dank seines Vermögens in einem gut ausgestatteten Fachwerkhaus unweit des kleinen Anwesens der Braunlocks.

Neben seinem Beruf pflegte er es ebenfalls gern im nahen Gasthaus ein und auszugehen. Hier traf er sich entweder zum netten Schwätzchen mit Landsleuten oder kam in Begleitung seines Nachbarn Fillibert Braunlock zu einem Umtrunk. Er kannte auch viele Lieder, die er nicht nur während seiner Arbeit trällerte. Seine hervorragende Sangeskunst konnte man auch bewundern, wenn er und Fillibert zusammen im kleinen Gastshaus, nach ein paar Bierchen wohlgemerkt, zu einem Duett anstimmten. Es sorgte stets für rege Belustigung unter den anderen Gästen. Till und Fillibert verstanden sich hervorragend und unterstützten sich gegenseitig mit Rat und Tat. Auch Todo und Till Tuks Sohn Ferdibrand waren inzwischen Freunde geworden. Ferdi Tuk war ein Hobbit mit dunkelblonden lockigem Haar und blauen Augen. Er hat ein rundes Gesicht und sehr helle Haut. Entsprechend seiner Abstammung war er eher von tollkühner und abenteuerlustiger Natur. Lustige Streiche oder anderem Unfug war er sehr zugetan. Er pflegte eine sehr lockere Umgangsform und hatte allerlei Sprüche auf Lager, mit der er Freunde oder Bekannte bedachte. Im Umgang mit jungen Hobbitdamen war er hingegen erstaunlich charmant und höflich, was ihm bei ihnen so besondere Sympathie einbrachte.

In Langgrund gab es außerdem einen kleinen neuen Laden. Es war Primula Bolgers kleiner Backladen am Rande des Ortes. Er wurde vor einzige Zeit hier im Ort eröffnet. Zunächst war ihr allgemein mit Misstrauen begegnet worden war. Doch als die ersten Kund von dem herrlichen Gebäck umher ging, das dort zubereitet wurde, wuchs die Begeisterung dafür immer mehr unter uns hier ansässigen Hobbits. Rasch begann daraufhin Primulas Geschäft zu florieren. Zunächst waren es die Jüngsten, die schon früh an standen um an die süßlichen Waren zu gelangen. Ihnen folgten dann zunächst noch zögerlich die Erwachsenen. Doch auch die waren schnell begeistert und die Anzahl derer, die Primulas Laden aufsuchten, wuchs zusehends. Und auch dass es bei ihr guten Tee gab, der frisch aufgebrüht serviert wurde, sprach sich schnell herum. Auch gelegentliche Besucher aus allen Winkeln des Auenlandes waren schnell begeistert. So wuchs Frau Primula Bekanntschaftskreis schnell über die Ortsgrenze hinweg. Auch Todo wurde auf ihren Laden aufmerksam. Neugierig suchte er diesen bei einer Gelegenheit auf, um die erwähnten Köstlichkeiten zu probieren. Seine Besitzerin, eine kleine zierliche Hobbitdame mit schwarzen Locken und Lachfältchen um die Mundwinkel herum, erschien ihm auf Anhieb sympathisch. Die angebotenen Teigwaren und der heiße, würzige Tee schmeckte Todo auf Anhieb. Mit der Zeit entwickelte sie sich zu einem Treffpunkt hier im Ort, in dem man sich früh zu einem Plausch traf und Neuigkeiten austauschte.

Zu den regelmäßigen Gästen des Backladens gehörten auch zwei ältere Hobbits, genannt Grigori Bleecker und Gorbulas Wegner aus dem nahen Steinbüttel. Sie nahmen hier täglich ihren morgendlichen Tee ein und unterhielten sie sich über Stunden über ihre gemeinsame Vorliebe, das Basteln und Tüfteln. Oft aufgesucht wurde der Laden auch von einer alten Dame namens Tigerlilie Stolzfuß. Sie lief etwas gebückt, da ihr der Rücken arge Probleme bereitete. Sie war zwar schon in den Siebzigern, war aber trotz ihrer Beschwerden insgesamt noch gut zu Fuß und machte all mögliche Besorgungen für die Ladenbesitzerin. Außerdem war sie bekannt dafür, ein sehr gutes Händchen für Tiere zu haben. So hatte ihr der hiesige Landbüttel vor kurzen einen kleinen anfangs total verängstigten und ausgehungerten Hund gebracht. Sie hatte ihn sofort bei sich aufgenommen und mit viel Liebe und Zuwendung wieder gesund gepflegt. Soviel erstmal zum Ort und seinen Bewohner, die ihr noch öfters in dieser Geschichte antreffen werdet.

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IV. Der Traum

Der Boden erzitterte leicht unter dem Donnern von unzähligen Pferdehufen. Ein lautes hektisches Stimmengewirr war von überall zu vernehmen. 'Was hatte das alles wohl zu bedeuten?', musste sich das kleine unscheinbare Geschöpf denken, das sich gerade aufrappelte und sich die Müdigkeit aus den Augen rieb. Es sah sich um und glaubte seinen Augen nicht. Was der kleine Mann wahrnahm, ließ ihn an seinem Verstand zweifeln. Er befand sich auf einem gepflasterten Platz. Ringsum befanden sich große Häuser, deren Form und Aussehen ihm fremd und merkwürdig erschienen. Zu seinem Schrecken waren ein Teil der Gebäude in Flammen gesteckt worden. Dichte Flammenmeere züngelten aus zerbrochenen Türen und Fenstern.
"Oh je, wo bin ich hin geraten?", fragte sich der kleine Mann und schüttelte sich. 'Hier schien es aber drunter und drüber zu gehen.', dachte er sich. Er sah große Männer, bewaffnet mit Heugabeln, Sensen oder schmalen Messern, an sich vorbei eilen. Sie schienen keine Notiz von ihm zu nehmen, was ihm als recht erschien. Er vernahm plötzlich dicht neben sich eine dunkle Stimme, die den anderen vorbei eilenden großen Männern etwas zu brüllte.
"Bringt Frauen und Kinder in Sicherheit. Die Männer zum Stadttor. Schnell!" Die Angesprochenen eilten zu den Häusern, wo Frauen mit kleinen Geschöpfen in seiner Größe reglos da standen und weinten dastanden. Ihre verzweifelten Blicke berührten den kleinen Mann und er wünschte sich in diesen Augenblick ihnen helfen zu können. Doch er selbst fühlte sich hilflos und irgendwie deplaziert.

"Hey, was tust du hier, Kleiner? Du hast hier nichts zu suchen. Auf zu den Frauen und Kindern!"
Es war dieselbe Stimme wie zuvor, die ihn nun direkt ansprach. Offenbar hatte man ihn entdeckt. Der kleine Mann drehte sich um, sah hoch und blickte in das bärtige Gesicht eines großen Mannes. Dieser stand vor ihm und blickte ihn ernst an.
"Meint ihr mich, großer Mann?" Die Unbedarftheit, mit welcher der kleine Mann dies erwiderte, schien den Großen etwas zu irritieren. Der große Mann betrachtete den kleinen Mann von Kopf bis Fuß und verzog spöttisch das Gesicht.
"Natürlich dich, wen denn sonst! Hm, anderseits wenn ich mir dich so näher anschaue, erscheinst du mir nicht wie ein hiesiges Kind. Eher als ein absonderliches Geschöpf." Sein kleines Gegenüber war über diese Bemerkung verärgert, streckte seinen Körper durch und stemmte beide Fäuste in die Hüften.
"Was soll das bitte schön heißen!" Der Große musste trotz der brenzligen Situation lachen.
"Na, dann seht euch doch an, Halbling. Nicht größer als ein Kind, doch vom Gesicht her zu alt für ein Solches. Dazu eure übergroßen Ohren und zu allen Überdruss auch noch beharrte Füße." Der Halbling schüttelte ärgerlich beide Fäuste.
"So absonderlich ich euch erscheinen mag, so tut ihr das mir auch. Hm, betrachtet euch doch selbst. Ihr seid nur ein dünnes, langes und bärtiges Elend. Es erscheint mir so, als vernachlässigt ihr eure Körperpflege und bekämt zudem nicht genug zu Essen. Dabei könnte ihr durchaus etwas mehr Körperfülle gebrauchen."
Der Große lachte erneut amüsiert. "Es erfreut mich dass ihr euch so um mich sorgt. Sagt, wie nennt man eure Art?"
Der Halbling lächelte und bemerkte mit stolzer Stimme: "Ich bin ein Hobbit und nenne das Auenland meine Heimat." Der Große runzelte nachdenklich die Stirn.
"Ein Hobbit aus dem Auenland ? Damit kann ich beileibe nichts anfangen, kleiner Mann." Diesmal amüsierte sich der Kleine.
"Nun dann seid ihr zu allem Überdruss auch noch etwas ungebildet, großer Mann. "
Der Mann wollte etwas erwidern, doch die neuerlichen Ereignisse nahmen seine Aufmerksam in Anspruch.

Im selben Augenblick nämlich drangen fremde Männer auf Pferden in den Ort ein. Sie sahen furchterregend aus. Sie trugen schwarze Lederrüstungen und hatten ebensolche Helme auf den Häuptern. In ihren Augen funkelte Mordlust, was unweigerlich zu erkennen war. Ihre dunklen Mäntel derweil flatternden im Wind. Frauen und Kinder drängten sich derweil ängstlich dicht aneinander, während die Männer sich auf die Angreifer warfen. Der kleine Halbling stand indes bewegungslos auf der Stelle, während sich alles um ihn herum in eine Hölle verwandelte.
"Jetzt mein junger Halbling ist es für eine Flucht zu spät. Nimm das und verteidige dich so gut du kannst!"
Der Große warf ihm einen kleinen Dolch zu und eilte hin fort. Der Kleine betrachtete skeptisch den Gegenstand in seiner Hand. Er drehte und wendete ihn. Damit sollte er kämpfen? Ihm war beim Gedanken, sich verteidigen zu müssen, gar nicht wohl zu Mute. Schließlich war er ein Hobbit und hatte keinerlei Erfahrung im Umgang mit solchen Waffen. Dafür waren in seiner Heimat die Männer von der Hobbitwehr zuständig. Weiter konnte er darüber nicht nachdenken, denn einer der berittenen Angreifer hielt auf die zusammengedrängten Frauen und Kinder zu. 'Nun ist Eile geboten.', dachte sich der Hobbit und überwand die eigene Angst. Das Pferd würde die wehrlosen Kinder zerquetschen, wenn er selbst nicht sofort handelte.

Geistesgegenwärtig fiel ihm ein, dass er ein besonderes Talent für den Steinwurf hatte. Warum sollte er hier nicht davon Gebrauch machen? Blitzschnell sah er sich um und entdeckte nahe eines Haus herumliegende faustgroße Steine. Er eilte dorthin, griff nach einigen Steinen und steckte sie ein. Der Reiter hatte schon fast über die hilflosen Menschen erreicht, als der kleine Hobbit zielte und warf. Das Geschoss traf den Angreifer von hinten, der daraufhin schmerzverzerrt aufschrie und rücklings vom Pferd fiel. Der Hobbit huschte zu den dicht aneinander gedrängten Menschen und stellte sich vor sie. Der Angreifer hatte sich inzwischen aufgerappelt und erblickte den Halbling vor sich. Ungläubigkeit war für einen Augenblick in seinen Augen zu lesen, dann schwang er sein Schwert über dem Kopf und stürzte sich auf den Halbling. 'Oh je, jetzt ist es zu Ende.', dachte sich der Hobbit. 'Lebewohl mein geliebtes Auenland!' Er schloss die Augen und erwartete den tödlichen Hieb.

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V. Geheimniskrämerei

Im selben Moment schrak Todo Braunlock aus dem Schlaf auf. Er öffnete die Augen und erwartete sich inmitten eines Schlachtfeldes wieder zu finden. Doch anders als erwartet, fand er sich stattdessen in gewohnter Umgebung wieder. Nämlich in seinem Bett inmitten seines kleinen Schlafzimmers in Braunlocks End. Sichtlich erleichtert ließ er sich zurück sinken. 'Es ist nur ein Traum gewesen.', dachte er zufrieden. Nur ein Traum halt. Er rieb sich die letzte Müdigkeit aus den Augen und verließ gemächlich das Bett. Er suchte seine Kleidung zusammen und zog sich diese über. Dabei erinnerte sich an paar Worte aus dem Traum, die sein Aussehen betrafen. Er trat vor den Spiegel und betrachtete sich. Er betrachtete diese und musste lächelte. 'Pah, was heißt hier absonderlich?', und dachte an die Worte des großen Mannes aus seinem Traum. Ein schmales, von dunkelbraunem lockigem Haar umrahmtes Gesicht mit dunkelbraunen Augen sah ihm aus dem Spiegel entgegen. Er hatte an seinem Aussehen nichts aus zu setzen und war sehr zufrieden. Zwar hatte er in der Tat etwas lange Ohren, doch waren diese für einen Hobbit sehr nützlich. Statt sich weiter den Kopf über seinen nächtlichen Traum zu zerbrechen, verließ er das Zimmer und nahm den Weg ins Esszimmer.

Dort fand er eine vertraute Person am Tisch sitzend vor, die ihn sofort bemerkte und aufblickte. Es war sein Vater Fillibert Braunlock, der ihn streng ansah.
"Du kommst recht spät, mein Junge!" Todo grinste schelmisch.
"Was heißt spät? Es ist doch noch nicht mal Mittag, oder?" Er setzte sich neben seinen Vater an den Tisch, der soeben zu einer Rüge ansetzten wollte, doch es dann unterließ. Schließlich kannte er seinen Jungen. Dieser war zwar von Natur ein unverbesserlicher Langschläfer, doch sonst ganz fleißig und hilfsbereit. Während beide ihr Frühstück vertilgten, klopfte es plötzlich an der Tür. Todo horchte auf.
"Wer wird das wohl sein, Vater?" Fillibert runzelte die Stirn.
"Na das wird wohl jemand sein, der es mit unsren Bräuchen nicht all zu ernst nimmt. Und zwar dass man einen Hobbit während der Einnahme seines Frühstück nicht stört." Fillibert musste über die eigene Bemerkung lachen. Es klopfte erneut, diesmal aber ungeduldiger.
"Na geh schon, mein Junge, und lass den Besucher ein."
Todo stand auf, ging zur Tür und öffnete. Eine bekannte Person stand da und lächelte ihm zu. Todo setzte eine entrüstete Miene auf.
"Na sieh an, das hätte ich ahnen müssen. Wer hat nichts Besseres zur tun, als uns bei der Morgenmahlzeit zu stören? Wer anders als der werte Herrn Ferdibrand Tuk." Sein Gegenüber grinste verlegen.
"Guten Morgen, lieber Todo. Ich störe nur ungern beim Frühstück, aber komme in wichtiger Angelegenheit."
Todo hob die Augenbrauen. "So so, in wichtiger Angelegenheit sagst du. Da bin ich aber mal gespannt. Nun tritt ein oder willst du hier Bäume schlagen?" Ferdi ließ sich nicht zweimal bitten und schob sich an Todo vorbei durch die Eingangstür. Todo schloss die Tür und folgte Ferdi in den Essraum. Als sein Vater den Besucher eintreten sah, schüttelte er unwillig den Kopf. Ferdi setzte ein Lächeln auf.
"Guten Morgen, Meister Braunlock!" Fillibert brummelte etwas vor sich hin, winkte Ferdiaber an den Tisch.
"Na, junger Herr Tuk, schon auf den Beine? Wunderbar! Wenigstens einer der zeitig aufsteht, während Andere sich ewig noch in ihrem Bett herum lümmeln." Der gerade eintretende Todo hatte diese Bemerkung zwar vernommen, doch ignorierte sie einfach.
"Nun, Jungs, auf an den Tisch. Es ist noch genügend für euch kleine Strolche da!" Sie setzte ihr Frühstück nun zu Dritt fort. Nach Beendigung des Mahls räumte man gemeinsam das Geschirr auf und wusch ab. Nach getaner Arbeit zog sich Fillibert seinen Mantel an.
"Todo! Ich wird mich dann schon auf den Weg zu den Tabakfeldern mache. Du weißt, die Ernte steht an und wir haben viel zu tun. Also trödele nicht solange rum, hörst du?"

Nach diesen Abschiedsworten verließ Fillibert das Haus und ließ die beiden jungen Hobbits alleine zurück. Todo wandte sich an Fredi.

"Na, dann mal raus mit der Sprache, Ferdi! Worum geht es bei der wichtigen Angelegenheit, die du anfangs erwähntest." Sie hockten sich dazu an den Tisch.
"Wie du weißt feiert Vater in wenigen Monaten seinen 60. Geburtstag."
Todo tippte sich an die Stirn."Stimmt, das hatte ich vergessen. Und?"
"Ich hab mir überlegt, ihm zu diesem Anlass eine besondere Freude zu machen."

Todo wurde neugierig. "Das klingt gut. Und was hast du dir dazu überlegt?"
"Na ja, ich hab mir überlegt, eine kleine Feier zu organisieren."
, antwortete Fredi. Todo hob überrascht die Augenbrauen.
"Eine Feier? Das würde deinen Vater bestimmt sehr freuen, denk ich. Aber hast du dir auch überlegt wie das von Statten gehen soll, Ferdi?" Dieser grinste Todo daraufhin etwas schelmisch an. Todo erahnte, dass Ferdi etwas im Schilde führte. So war er denn auch nicht überrascht, als dieser mit der Sprache raus rückte.
"Na, alleine schaffe ich das wohl nicht. Und da hab ich an dich gedacht." Todo grinste.
"Ach so ist das. Hätte ich mir doch denken können!", erwiderte Todo prompt. Ferdi grinste.
"Und? Würdest du mir helfen, dass Fest zu organisieren? Würde bestimmt auch recht lustig werden."

Todo ließ sich einen Moment Zeit mit der Antwort. Schließlich musste er darüber nachdenken, denn er dachte gleichzeitig auch an die anstehenden Arbeiten auf den Tabakfeldern. Sein Vater würde es sicher nicht gern sehen, wenn Todo diese wichtigen Arbeiten vernachlässigen würde. Andererseits, vielleicht würde dieser doch eine kleine Ausnahme machen, wenn er wüsste, dass es sich um die Vorbereitungen für ein Fest für seinen Nachbarn handelte. Zumindest wäre es ein Versuch wert, wollte Todo seinen Freund Ferdi nicht in Stich lassen. Ferdi, der Todos nachdenklichen Gesichtsausdruck sah, rutschte etwas ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her.
"Nun, was ist Todo? Wirst du mir helfen?", fragte Ferdi schließlich ungeduldig.
Todo nickte bedächtig.
"Also gut. Ich werde dir dabei helfen." Über Ferdis Gesicht huschte ein erleichtertes Lächeln.
"Allerdings muss ich mit meinem Vater darüber sprechen. Daran geht kein Weg dran vorbei." Ferdi nickte.
"Okay, tue das. In jedem Fall bin ich dir sehr dankbar dafür. Damit hast du es etwas gut bei mit." Todo rutschte vom Stuhl.
"Jetzt muss ich aber los, sonst gibt es Ärger, Ferdi." Beide schnappten sich ihre Mäntel und verließen gemeinsam das Haus.

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VI. Von der Arbeit auf dem Tabakfeldern

Fillibert Braunlock begab sich zu seinen Tabakfeldern, die außerhalb des Ortes lagen. Sie waren sein ganzer Stolz, sicherten sie doch den Lebensunterhalt für seine Familie. Während er die Felder ablief und die Tabakpflanzen gründlich inspizierte, sah er hier und dort neues Unkraut wuchern. Es war nicht gut und musste entfernt werden, damit die Pflanzen keinen Schaden nahmen. Die Aufzucht der Tabakpflanzen bedurfte viel Aufmerksamkeit und Fürsorge. Nur etwas Nachlässigkeit konnte den Wuchs der Pflanzen beeinträchtigen. Jedes Jahr vor Beginn des Winters begann er damit die Stecklinge auf dem vor gearbeiteten Feldern aus zu sähen. Die Pflanzen benötigen dann mehrere Monate zum Erreichen der vollen Reife. Während dieser Zeit wurde jede Pflanze einzeln in Augenschein genommen. Fillibert und sein Sohn entfernten während dieser Zeit regelmäßig Keime und Seitentriebe und schützt sie durch Jäten von Unkraut vor Überwucherung. Nachdem Fillibert seinen Rundgang beendete, suchte er mit seinen Blicken die Umgebung ab. "Wo steckte bloß der Junge?", murmelte Fillibert ungeduldig vor sich hin? Dann endlich sah er seinen Sohn am Rande der Felder auftauchen. Todo winkte und lief seinem Vater entgegen.
"Hallo Vater, da bin ich!" Fillibert sah ihn ungeduldig an.
"Na, das wurde auch Zeit, Junge! Was habt ihr, junge Hobbits, eigentlich soviel zu bereden gehabt?" Todo vermied es darauf eine Antwort zu geben, machte stattdessen eine gespielt gelangweilte Miene.
"Och, eigentlich nichts Besonderes. Halt dies und jenes." Fillibert schüttelte verständnislos den Kopf.
"Na, dann behalte deine Geheimnisse halt dich, junger Mann. Allerdings solltest du mit solchen Dingen nicht all zu viel Zeit verplempern. Wir haben Wichtigeres zu tun. Immerhin ist der Tabakanbau unser tägliches Brot. Und da du mal all das hier erben wirst, solltest du bis dahin dein zukünftiges Handwerk beherrschen lernen."

Todo war die Bedeutung dieser Worte bewusst. Ein wenig schämte er sich auch dafür, dass er anderen Dingen oft mehr Zeit widmete, als sich seiner eigentlichen Verantwortung bewusst zu werden. Anderseits konnte er halt nicht anders, da es ihm halt im Blut lag. Die Bedrücktheit seines Sohnes bemerkend, schlug Fillibert wieder versöhnlichere Töne an. Er deutete mit seiner Hand auf die ringsum liegenden Felder.
"Wie du siehst, sind unsre Tabakpflanzen prächtig gewachsen. Ich glaub, dieses Jahr werden wir eine gute Ernte haben. Allerdings ist das Unkraut rund um die Pflanzen ebenso prächtig gediehen. Was heißen soll, dass wir das Zeug heute wieder aus rupfen müssen, damit es keinen Schaden anrichtet. Also machen wir uns ans Werk. Du fängst am Besten dort drüben an, Junge!"

Er drückte Todo eine Gartenhacke und einen großen Eimer in die Hand. Gemeinsam machten sie sich dann an die Arbeit. Todo lief zum Rand des Feldes und begann mit dem Ausrupfen des Unkrautes. Die mühselige Tätigkeit brachte Todo mit der Zeit ins Schwitzen. Doch wie man so schön sagte, gab es ohne den Fleiß keinen Preis. Also überwand er den eigenen Schweinehund und bemühte sich, so weit wie möglich voran zu kommen. Und in der Tat, bis zum Mittag hatte er eine ordentliche Fläche von jeglichem Unkraut befreit, was ihn stolz machte. Zur Mittagszeit machten sie eine Pause und es gab endlich die wohl verdiente Brotzeit. Gereicht wurden Kürbisbrot, ein großer Wurstkringel, Käsehäppchen und Malzbier dazu. Beide Hobbits ließen es sich schmecken. Fillibert ließ den Blick über die Felder schweifen.
"Hm, muss sagen, dass wir doch schon ein ganzes Stückchen voran- gekommen sind, Junge! Meinst du nicht auch?" Die Freude war aus Filliberts Stimme deutlich heraus zu hören. Todo nickte ihm kauend zu.
"Also wenn wir so weiter machen, werden wir heute das Gröbste erledigen können. Also Junge weiter so."

Nach der Mahlzeit machten sich beide wieder an Werk. Auch der Nachmittag verging wie im Flug. Als sie am frühen Abend die Arbeit beendeten, hatten sie wie geplant den groben Teil des Unkrautes von den Feldern entfernt. Müde machten sich beide auf den Weg nach Hause und ließen den arbeitsamen Tag ruhig und gemütlich ausklingen.

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VII. Der neue Bürgermeister

Am 28. Tag des Monats Juni, also den Tagen des Lithe, machten sich die Braunlocks gemeinsam mit den Tuks und anderen Ortsbewohner auf Einladung des scheidenden Bürgermeisters vom Auenland zu einer besondere Reise auf. Solche Unternehmung mochte Todo natürlich besonders, da es ein willkommener Anlass war, mal dem Alltagsleben zu entfliehen. Ziel der Reise war Michelbinge, der Hauptort vom Auenland. Hier fand der alljährliche Allmarkt statt, eine der wichtigsten Veranstaltungen des Landes. Zu diesem Anlass reisten aus allen Teilen des Auenlandes Händler, Spielleute und bekannte Persönlichkeiten an. Es war ein großes Fest für Groß und Klein. Dieses Jahr stand außerdem ein besonderes Ereignis auf dem offiziellen Programm, das nur alle sieben Jahre stattfand. Dann wurde nämlich der neue Bürgermeister von Michelbinge gewählt. Dazu ist zu bemerken, dass es einer der wenigen Ämter ist, die im Auenland ausgeübt wurden. Seine wesentlichen Aufgaben bestehen darin bei Festgelagen die Begrüßungsworte zu sprechen. Außerdem war er als Postmeister und Erster Landbüttel verantwortlich für den Kurier und den Wachdienst an den Grenzen. Mehr hatte er eigentlich nicht zu tun. Am frühen Morgen machte man sich gemeinsam auf den Weg. Es war eine 2-Tagesfahrt, die man mit dem Wagen von Langgrund nach Michelbinge zurücklegen musste.

Als am späten Vormittag des zweiten Tages der Ort in Sicht kam, war es für die Älteren ein gewohnter Anblick. Anders für die zwei jungen Hobbits auf den Wagen. Diese kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus als sie Michelbingens augenscheinliche Gebäude erblickten. Und dieses war in der Tat für Hobbitverhältnisse recht imposant anzusehen, muss man sagen. Dieses Gebäude war ein Groß- Smial, also eine riesige Wohnhöhle in unsrer Sprache. Der Groß- Smial war in den Kamm der Weißen Höhen hinein gegraben und erstreckte sich über mehrere Stockwerke. Er verfügte über zig Eingänge und hatte unzählige kleine runde Fenster. Auf die Frage der Jungen nach seiner Bedeutung erfuhren sie, dass es sich um die Residenz des Bürgermeisters von Michelbinge handelte. Zugleich war es auch bedeutendes Handelszentrum des Auenlandes. Hier befanden sich auch sämtliche Verwaltungseinrichtungen wie das Postamt oder die Landbüttelbüros. Ebenfalls befand sich hier auch das Auenland- Museum. Zu den berühmtesten Bürgermeistern hatten übrigens Will Weißfuß, auch als "Weißer Mehlkloß" bekannt und Samweis Gamdschie aus Hobbingen gehört. Als die beiden Familien mit ihren Wägen den Ortseingang passierten, war schon viel los auf den Straßen des Ortes. Gerade an diesem Tag hatten die Festlichkeiten begonnen.

Die Besucher ließen ihre Wägen etwas abseits stehen und setzten ihren Weg durch den Ort zu Fuß fort. Nicht nur die Älteren staunten, auch Todo und Ferdi waren ganz hingerissen von den angebotenen Waren. Die Straßen waren festlich geschmückt und gesäumt von Ständen der zu gereisten Händler. Spielleute gaben ihr Bestes und unterhielten die vielen Gäste mit ihren Darbietungen und ihrer Musik. Scharen von Hobbits drängten sich durch die schmalen Straßen. Man sah sich die vielfältigen Waren an und probierte hier und da neue Köstlichkeiten, die angeboten wurden. Während sich die Braunlocks und Tuks durch die Scharen Richtung Stadthaus zwängten, traf man hier und da alte Bekannte. Man blieb stehen und wechselte einige Worte miteinander. Während die Älteren einen Plausch hielten, machten Todo und Ferdi einen kleinen Rundgang. Sie besahen sich neugierig die einzelnen Stände. Ferdi entdeckte einen Stand, der ihm besonders ins Auge stach. Zu seiner Entzückung wurden hier allerlei Dolche zum Verkauf angeboten. Er zog Todo mit dorthin und besah sich mit leuchtenden Augen die kleinen Waffen.
"Sieh mal Todo! Sind das nicht schöne Dolche?" Todo konnte zwar Ferdis Begeisterung nicht teilen, aber spielte trotzdem mit und nickte.
"Darf ich mal Einen in die Hand nehmen?" Der Händler nickte.
"Aber aufpassen, junger Herr Hobbit! Die sind scharf und können üble Verletzungen verursachen."
Ferdi nahm einen schön verzierten Doch in die Hand und betrachtete dessen Verzierungen. Todo sah seinen Freund daraufhin mit Unverständnis an.
"Ferdi! Du weißt unsre Eltern würden das überhaupt nicht gern sehen."Ferdi ignorierte diese Ermahnung, grinste Todo stattdessen etwas mitleidig an.
"Hab dich nicht so, Todo! Du kennst mich doch. Außerdem müssen es die Alten ja nicht erfahren, oder?"
Todo schüttelte den Kopf. In der Tat kannte er Ferdibrand allzu gut, um zu wissen, dass in dessen Adern das Blut der Tuks floss. Und diese waren eben abenteuerlustig und kämpferischer veranlagt als die übrigen Bewohner des Auenlandes. Während Ferdi mit dem Dolch in der Hand spielte, blickte er verschwörerisch an.
"Na, Todo, juckt es dich nicht auch beim Anblick dieser Waffe? Ob sie schon in Schlachten getragen worden sind, was meinst du?"
Todo zuckte mit den Schultern. "Kann ich nicht sagen, Ferdi. Allerdings, ehrlich gesagt, interessiert es mich auch nicht sonderlich. Ich mag zwar auch Abenteuergeschichten, aber möchte weder an Kriegen noch Schlachten teilzunehmen. Das mag Eigenart des Großen Volkes sein, aber nicht für Hobbits wie uns. Wir sind zu großen Heldentaten nicht geeignet, was meine persönliche Meinung dazu ist." Ferdi blickte während dieser Worte Todo enttäuscht an, aber sah schließlich ein, dass seine Abenteuerlust nicht ansteckend war. So legte er den Dolch zurück und beide gingen weiter.

Da entdeckte Todo einen Stand, der wiederum seine ganze Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Es war ein Stand mit allerlei Büchern. Er trat heran und besah sich die Bücher. Teilweise waren sie in gutem Zustand, manche aber auch leicht zerlesen. Während er sich die Literatur besah, stach ihm plötzlich der Titel eines Buches besonders ins Auge. Es trug die Aufschrift "Die Chronik von Gondor" Todo nahm es und drehte es in seinen Händen. Ferdi, der gerade hinzugekommen war, sah seinem Freund über die Schulter und las die Aufschrift des Buches ebenfalls. Er tippte Todo auf die Schulter, sodass sich dieser zu ihm umdrehte. Ferdi grinste amüsiert.
"Sieh an, sieh an! Der ehrenwerte Herr Braunlock junior hat zwar nichts mit Abenteuern am Hut, hängt aber doch seine Nase in die Bücher über ferne Länder. Nicht zu fassen." Todo fühlte sich ein wenig ertappt, hatte aber zu gleich ein Begründung zur Hand.
"Da ist aber doch noch ein feiner Unterschied, werter Ferdi? Du spielst mit Dolchen herum und träumst von Schlachten. Ich hingegen vertiefe nur mein Wissen um andere Kulturen dieser Welt. Ist was ganz anderes." Ferdi musste über diese merkwürdige Erklärung schmunzeln. Da vernahmen die beiden Freunde die Stimmen ihrer Eltern die nach ihnen riefen. Todo legte das Buch wehmütig zurück und folgte Ferdi.

Gemeinsam setzte man seinen Weg in Richtung Michelbinger Stadthalle. Als sie dort endlich ankamen, hatte sich inzwischen ein große Schar Hobbits zusammen gefunden, um der Wahl des Bürgermeisters bei zu wohnen. Wahl ist allerdings nicht in dem Sinne gemeint, dass man nun unter mehreren Kandidaten seine Wahl trifft und abstimmt. Das Amt selbst wird in der Regel an eine verdiente Persönlichkeit unter den Auenlandbewohnern vergeben. Darüber befand der Auenlandrat in einer vorherigen Sitzung und wählte den Bürgermeister. Am heutigen Tag stellte sich der neue Bürgermeister seinen Landsleuten vor. Und als erste Amtshandlung würde er sein erstes Festbankett eröffnen. Während alle Blicke auf die Bühne gerichtet waren, trat gerade der neue Bürgermeister, gefolgt von den Mitgliedern des Rates, auf die Bühne. Ein zahlloses Klatschen der Menge entbrannte. Man hatte zwar damit gerechnet, doch ganz sicher war es nicht gewesen. So war denn die Freude unter den Hobbits umso größer, als es amtlich bekannt gegeben wurde. Willigar Stolzfuß aus Froschmoorstetten war nun das Amt des neuen Bürgermeisters übertragen worden. Der neue Bürgermeister war ein wenig gerührt, angesichts der allgemeinen Freude über seine Wahl. Trotz seiner Aufregung kam er nicht um hin eine erste Rede zu halten. Die Menge aus Hobbits verstummte und lauschte den Worten ihres neuen Bürgermeisters.
"Meine lieben Landsleute! Zunächst möchte ich kundtun, wie geehrt ich mich fühle, dieses neue Amt antreten zu können."

Die nun folgende Rede dauerte nahezu eine halbe Stunde, was die anwesenden Hobbits Todo und Ferdi etwas ermüden fanden. Zumal ihnen inzwischen der Magen knurrte und sie den Beginn des Festbanketts sehnlich herbei wünschten. Dann endlich beendete Willigar Stolzfuß seine Rede und die Schar aus Hobbits strömte zum nahe liegenden Festplatz, wo das Festbankett stattfinden würde. Es wurde in der Tat ein wunderbares Fest, an das man sich noch lange erinnern würde.

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VIII. Bedrückende Neuigkeiten

Der neue Bürgermeister Willigar Stolzfuß hatte sich sein Amt zunächst ruhiger und beschaulicher vorgestellt. Eben so wie es seine Vorgänger in den letzten Jahren gewohnt waren. Doch es war leider anders gekommen. Schlechte Neuigkeiten waren von den Grenzen des Auenlandes zu ihm durchgedrungen und hatten ihn zu Maßnahmen veranlasst. Zuerst hatte er es nur für Geschwätz von Wichtigtuern unter seinen Landsleuten gehalten. Doch als auch die Landbüttel ihm gegenüber von ungewöhnlichen Vorgängen an den Grenzen berichtet haben, ergriff auch ihn selbst zusehends Unruhe. Zunächst waren es nur fremde Männer aus dem Großen Volk gewesen, welche verstärkt an den Grenzen gesichtet worden waren. Diese schienen aber ungefährlich, waren zudem unbewaffnet und hatten anscheinend den Auftrag, Erkundungen ein zu ziehen. Da das Auenland und die Menschen des umgebenen Königreiches enge Freundschaft pflegten, maß man diesen Vorgängen zuerst keine besondere Bedeutung zu. Trotzdem hatte man die Landbüttel angewiesen, verstärkt wachsam zu sein. Nach einiger Zeit aber waren plötzlich bewaffnete Männer aufgetaucht und hatten die Grenzer an verschiedenen Orten belästigt, vereinzelt sogar bedroht. Daher hatte man die Grenzer verstärkt, um die Fremden fernzuhalten. Schließlich kam es zu allem Überdruss neuerdings zu Brandstiftungen, die man den Fremden zu schrieb.

Zu allem Glück war bisher kein Hobbit verletzt oder gar getötet worden. So blieb Willi Stolzfuß nichts anderes übrig als den Auenlandrat in seine Residenz nach Michelbinge einzuberufen. Die offiziellen Vertreter der vier Viertel sowie einer Vertreter aus dem nahen Bockland hatten sich zusammengefunden, um über die neuerlichen Entwicklungen zu beraten. Man zeigte sich besorgt, zumal sich auch hochrangiger Besuch im Auenland ankündigt hatte. Ob die Vorfälle mit diesem Besuch in Zusammenhang standen, vermochte keiner der Anwesenden zu sagen. Während sich die Vertreter des Auenlandes über weitere Maßnahmen noch uneins waren, schlug der Gast aus Bockland wie gewohnt deutlichere Töne an. Er forderte ein härteres Vorgehen gegen die Brandstifter, was nichts anderes hieß, als mit Waffengewalt gegen diese vorzugehen. Man war ja diese Einstellung von den Tuks aus dem Bockland gegenüber Eindringlingen gewohnt. Andererseits hatten die Herren von Bockland so schon zu früheren Zeiten ihr Land vor Feinden erfolgreich verteidigt. Jedoch waren die anderen Vertreter einschließlich des Bürgermeisters noch gegen ein solches Vorgehen. Sie wollten ein neuerliches Blutvergießen unter ihren Landsleuten um jeden Preis verhindern und setzten daher ihre Hoffnung auf den angekündigten Besuch. So ging man denn wieder ohne eine Entscheidung auseinander.

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IX. Tills Geburtstag

Schon die ganzen letzten Tage waren Todo und Ferdi damit beschäftigt gewesen, die Vorbereitungen für die eigens organisierte Feier durchzuführen. So ein Anlass musste nämlich gut durchdacht und vorbereitet sein.

Zuerst hatten sie einen geeigneten Platz für die Feier organisiert. Dazu hatten sie eine große Wiese im benachbarten Ort Steinbüttel auserwählt. Die Person um die es sich drehte, sollte nämlich davon nichts mitbekommen. Nach Anfrage beim Wirt vom nahen Gasthaus stellte dieser ihnen die benötigten Tische und Bänke freundlicher Weise zur Verfügung. Es sollte keine große Feier werden, doch wusste man nie wer alles kam. Im Auenland waren solche Anlässe sehr beliebt, um miteinander zu feiern. Als nächstes waren die beiden jungen Männer damit beschäftigt gewesen, genug Speis und Trank zu organisieren. Glücklicherweise fanden sich aber ausreichend Nachbarn, welche die erforderliche Nahrungsmittel und Getränke zur Verfügung stellten. Dazu gehörte abermals Primula Bolger, die den Jungs allerlei Rohteige zur Verfügung stellte. Olgas Bolger, der Mühlenbesitzer, überließ ihnen die Eier und den Honig. Grigori Blecker, der ältere Hobbit aus dem Backladen, organisierte die Dekoration wie Fähnchen, Banner etc. Er stellte sie übrigens überwiegend selbst her.

Ein weiteres Problem war das Herbeischaffen der erforderlichen Menge von Fleisch, das benötigt wurde. Schließlich galt es eine Menge hungriger Mäuler zu versorgen. Todo wandte sich an den ortsansässigen Metzgermeister Milo Straffgürtel. Der ältere Herr hatte sich sofort hilfsbereit erklärt, das benötigte Fleisch zu besorgen. Todo bezahlte dieses mit einem Teil vom Gewinn aus der vergangenen Ernte. Blieben zu guter Letzt die Getränke. Hierfür sprang abermals der Wirt vom nahen Gasthaus ein. Allerdings nur unter der Bedingungen, dass die Jungs gelegentlich bei ihm aushelfen würden, falls erforderlich. Als alle diese Vorbereitungen getroffen worden waren, galt es nun die Speisen zu zubereiten.

Dieses oblag den beiden jungen Männern alleine. Während Ferdi mit Essenszubereitungen nicht viel am Hut hatte, bewies Todo hierbei sein Können. Er hatte eine große Vorliebe für die Zubereitung von Speisen, viel mehr als die harte Arbeit auf dem Feld seines Onkels. Zunächst machten sich die Beiden an die Backwaren. Ferdi knetete und rollte zwar artig den vorgefertigten Teig, doch stand ihm dabei das Unbehagen ins Gesicht geschrieben. Todo quittierte dies mit einem amüsierten Lächeln. Er selbst formte dann den Teig und bestrich die fertigen Rohlinge mit Honig und Butter. Bevor es in den Backofen ging, wurden noch Nüsse etc. darüber gestreut. Danach folgte die Zubereitung von Kürbisbrot und Kürbissuppe. Beide hatten ordentlich zu tun, bei der Menge die gebraucht wurde. Bei der Zubereitung des Kaninchenbratens und den Schweinefilets half ihnen Ferdis Mutter Amirilla Tuk. Hinzu musste sie die Beiden abhalten, zu viel zu naschen. Um sich zudem die Arbeit erträglich zu machen, erzählte man sich zwischendurch allerlei Witze. Abends nach getaner Arbeit begutachteten beide Hobbits ihr Werk und waren zufrieden. Sie waren überzeugt, dass die morgige Feier bestimmt gelingen würde. Müde kehrte Todo nach Hause zurück.

Der neue Tag begann wie die Übrigen. Früh morgens an diesem Tag trafen sich Todo und Ferdi nochmals um letzte Absprachen zu treffen. Während Todo dann Richtung Festplatz aufbrach, kehrte Ferdi nach Hause zurück. Till Tuk saß schon am Frühstückstisch als Ferdi das Esszimmer betrat. Er umarmte und gratulierte seinem Vater erstmal zum Geburtstag sowie es sich gehörte. Dieser war sichtlich gerührt.
"Wie aufmerksam von dir, mein Junge!" Ferdi hüpfte auf den Hocker, nahm sich etwas Brot und Schinken und goss sich dazu etwas Brombeersaft ein. Till sah sich derweil suchend um.
"Sag mal Ferdi, wo ist deine Mutter eigentlich?" Mit dieser Frage hatte Ferdi nahezu gerechnet.
"Nun ja, sie ist im Ort unterwegs, um paar Erledigungen zu machen." Er hoffte, dass ihm sein Vater diese Erklärung abnehmen würde.
"Hm, so früh?" Till runzelte zwar die Stirn, doch fragte er nicht weiter nach, was Ferdi ganz lieb war. Während er selbst das Schinkenbrot verputzte, sah er seinen Vater immerzu an. Er wirkte wie immer, so gar nicht in Feierlaune. Ferdi lächelte über dieses merkwürdige Verhalten. Immerzu rutschte er auf seinem Sitz herum. Der ältere Herr bemerkte dies.
"Sag mal Ferdi, ist irgendetwas los oder warum bist du plötzlich so unruhig?" Ferdi machte eine Unschuldsmiene.
"Nein, wieso?" Sein Gegenüber runzelte nachdenklich die Stirn.
"Du wirkst irgendwie heute etwas nervös und unruhig, Junge." Ferdi schüttelte das Haupt.
"Also ich bin überhaupt nicht unruhig. Mir geht es gut." Till Tuk zeigte sich nach dieser Äußerung zwar nicht beruhigt, unterließ aber eine weitere Äußerung. Nach Beendigung des Mahls zündete er sich eine Pfeife mit Altem Tobi an.

"Sag Vater, was wollen wir denn heute machen?" Till blies etwas Rauch aus dem Mund.
"Nun ja, ich habe noch eine Menge Arbeit zu tätigen." Ferdi sah ihn etwas zerknirscht an.
"Aber heute ist doch dein Geburtstag, Vater!" Die Empörung war unüberhörbar. Till schwieg einen Moment. Er dachte über Ferdis berechtigten Einwand nach.
"Wenn ich recht darüber nachdenke. Du hast Recht, mein Junge. Wenigstens an seinem Geburtstag sollte man mal die Arbeit ruhen lassen." Ferdis Miene hellte sich sichtbar auf. "Und was schlägst du vor, junger Mann?" Der Junge begann zu grinsen.
"Wie wäre es wenn wir nach Langfurchen fahren?" Till sah ihn darauf hin verwundert an.
"Nach Langfurchen? Hm, und was sollen wir dort?" Ferdi hatte inzwischen ebenfalls sein Mahl beendet und hüpfte vom Hocker.
"Lass dich einfach überraschen, Vater!" Till blickte zwar zunächst etwas skeptisch drein, nickte schließlich aber zustimmend.
"Ich weiß zwar immer noch nicht was du vorhast, Junge. Aber in Ordnung, fahren wir halt." Ferdi lächelte zufrieden und lief hinaus.

Wenig später folgte ihm sein Vater aus dem Haus. Er bespannte den kleinen Wagen, der Till sonst als Transportmittel diente, mit ihrem Pony. Dann konnte es losgehen. Während sie durch Langgrund fuhren, fiel beiden auf, dass es wie ausgestorben wirkte. Während Ferdi den Grund erahnte, schien sein Onkel sehr verwundert. Keine Hobbitseele war auf den Wegen unterwegs. Als sie die Mühle von Olgo Bolger passierten, stand diese anders als sonst still. Till Tuk äußerte Unverständnis, doch Ferdi vermied es zu antworten. Nachdem sie den Ort hinter sich gelassen hatten, fuhren sie über einen schmalen Feldweg Richtung Weißfurchen. Alsbald kam bereits der Ortseingang in Sichtweite.

Plötzlich vernahmen beide Musik aus dem Ort kommend. Als sie den Ortseingang passierten, vernahmen sie zudem lautes Stimmengewirr. Als sie den Wagen Richtung Ortsmitte lenkten, konnten sie auch den Ursprung des Lärms wahrnehmen. In der Nähe saß eine große Gruppe von Hobbits auf Holzbänken um Tische. Sie lachten und grölten. Über ihren Köpfen waren an Leinen unzähligen bunten Fähnchen gespannt. Ferdi sah aus den Augenwinkeln heraus den erstaunten Gesichtsausdruck seines Vaters. Dieser schien außerdem leicht verwirrt, wusste er doch nichts von einem Fest, das heute hier stattfinden sollte. Als die Menge den nahenden Wagen bemerkte, verstummte plötzlich das Gelächter. Alles blickte den Ankömmlingen entgegen. Schließlich stoppte Till das Gefährt. Ferdi hüpfte vom Sitz, dann folgte ihm sein Vater. Ferdi zog ihn Richtung der wartenden Hobbits. Plötzlich erhoben sich die Hobbits von ihren Bänken und stimmten zu einem Lied an. Einem Geburtstagslied, das Ferdis Vater galt. Till stand da und war sprachlos. Abwechselnd sah er die singende Menge und seinen Sohn an. Dieser grinste derweil über beide Ohren. Till konnte irgendwann seine Freudentränen nicht länger zurückhalten. Er war sichtbar gerührt über diesen Empfang und diese Ehre, die ihm hier zuteil wurde. Erneut verstummten die Gäste und eine bekannte Persönlichkeit erhob sich von ihrem Platz. Es war der Bürgermeister Willigar Stolzfuß, der in Tills Richtung blickte.
"Im Namen aller Versammelten hier, werter Till Tuk, wünsche ich dir alles Gute zu deinem 60. Geburtstag!"

Nach einer kleinen Rede, die Till pflichtbewusst vor den Gästen hielt, ging man endlich zur eigentlichen Feierlichkeit über. Todo und Till ließen es sich nehmen auch noch die vielen Gäste zu bewirten. Ferdis Mutter half ihnen dabei. Nach dem festlichen Mahl ging man zu Musik und Tanz über. Todo hielt sich dabei etwas zurück, da solch Dinge nicht so seine Sache waren. Dafür sah er den anderen Landsleuten freudig dabei zu. Auch Till ließ sich es sich nehmen seine Frau zum Tanz aufzufordern. Ebenso hatte Ferdi genügend Auswahl unter den jungen Damen, die auf einen Tanz mit ihm hofften. Es wurde eine wunderschöne Geburtstagsfeier, die bis spät in die Nacht andauerte. Erst als alle erschöpft und müde war, machte man sich wieder auf den Heimweg.

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X. Bockenburg im Ausnahmezustand

Bockenburg. Mittelpunkt des Bocklandes und Wohnsitz der angesehenen Familie der Brandybocks. Diese Sippe der Hobbits war eine sehr alte und angesehene Familie im Auenland. Über ungezählte Jahrhunderte begleiteten deren Angehörigen die wichtigsten Ämter des Auenlandes. Zu dessen berühmtesten Vertretern zählte zweifellos Meriadoc Brandybock, einstiger Ratsherr vom Gondor und Schildknappe während der Ringkriege im 3. Zeitalter. Ihnen gehörte auch das Brandyweinschloß, welches die größte Bibliothek im Auenland beherbergte.

Seit Wochen nun befand sich der Ort ungewohnter Betriebsamkeit, denn ein besonderes Ereignis stand bevor. Ein Ereignis, das es hier schon lange Zeit nicht mehr gegeben hat und die Bewohner nicht nur in Bockenburg in helle Aufregung versetzt hat. Eine hohe Persönlichkeit hatte sich mit ihrem Besuch angekündigt.
Seit Tagen waren die Einwohner damit beschäftigt, noch notwendige Veränderungen oder Instandsetzungen an Häusern und Straßen durchzuführen. Schließlich wollten sich die Bürger des Ortes dem hohen Besucher nur von ihrer besten Seite präsentieren. So wurden Hauswände frisch gestrichen und Wege von überwucherndem Unkraut befreit bzw. gereinigt.

Je näher der Tag rückte desto nervöser wurde insbesondere Merimac Brandybock, der jetzige Herr des Bocklandes. Persönlich überwachte er die Arbeiten an wichtigsten Plätzen des Ortes. Er war an sich schon eine sehr sorgfältige und penible Persönlichkeit, doch in diesen Tagen mehr als üblich. Stetig hat er etwas zu beanstanden und strapazierte somit die Nerven derer, die an der Herrichtung des Festes beteiligt waren. Anderseits war seine Nervosität all zu verständlich, oblag ihm als dem Organisator doch die Hautverantwortung für einen reibungslosen Ablauf der Vorbereitungen. Noch penibler überwachte er die Vorbereitungen für das geplante Festbankett zu Ehren des hohen Besuchs. Immer wieder ging er die Liste der Speisen durch, die serviert werden sollten. Auch bei Anlieferung der benötigten Lebensmittel durch die Händler aus dem ganzen Auenland war er zugegen und überzeugte sich stets selbst, ob auch nichts fehlte. Ebenfalls überwachte er die Herrichtung des Festplatzes für das geplante Ereignis. Hier und da packte er auch selbst an, falls erforderlich.

Wie er hatte auch Willigar Stolzfuß, Bürgermeister von Michelbinge, in diesen Tagen viel zu tun. Er mochte solche Hektik überhaupt nicht. Trotz der unangenehmen Entwicklungen an den Grenzen musste er kühlen Kopf bewahren. Nichts sollte den Empfang des Königs von Gondor trüben. Als oberster Postmeister war es seine Aufgabe die Einladungen zu schreiben und sich um die zeitnahe Zustellung zu kümmern. Die Namensliste hatte ihm der Herr vom Bockland ausgehändigt. An alle notierten Persönlichkeiten im Auenland verschickte er Einladungen. Seine Postkuriere hatten allerhand zu tun und opferten manch freie Stunde, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen.

Mehrmals war Willigar Stolzfuß die Namensliste der Hobbits durch gegangen, die zum Empfang geladen wurden. Schließlich verzieh man es ihm nie, wenn er auch nur einen vergaß. Die einzuladenden Personen bzw. Familien waren ihm alle bekannt. Während des Abgleiches der Einladungen mit den Namen auf der Liste fiel ihm der Namen einer ihm bekannten Person ein, die nicht darauf stand. Nicht etwa, dass diese vergessen worden war. Die Person stand schlicht nicht auf der Liste, da sie nicht zu den namhaften Bewohnern des Landes gehörte. Willigar Stolzfuß persönlich aber war da anderer Ansicht. Diese Person war ein guter Freund von ihm, der ihm selbst auch bereits öfter einen Gefallen getan hatte. Nun hielt es Willigar für an der Zeit, diesem Freund ein Freude zu machen. Er hoffte nur, dass es Merimac Brandybock nicht zu Ohren kam. Der konnte sehr mürrisch werden, wenn er übergangen wurde. In diesem Fall aber ließ es Willigar darauf ankommen, da es ihm die Sache wert war. Ein Moment später huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Kurzerhand nahm er einen Stift und ergänzte die Liste durch einen weiteren Namen. "Es wird bestimmt eine schöne Überraschung für die Beiden, da bin ich sicher", sagte er sich leise und griff nach einer weiteren Einladungskarte.

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XI. Die Einladung

An diesem späten Vormittag saß Todo Braunlock im kleinen Garten vor dem Haus und ließ sich die Sonne auf die Nase scheinen. Plötzlich sah er einen Boten, den Weg hinauf kommen. Er blieb vor dem Gartentor stehen und winkte dem Jungen zu.
"Einen guten Morgen, junger Herr Todo! Ist dein Vater daheim? Ich habe nämlich einen Brief für ihn." Der Junge nickte und stand auf.
"Ja, natürlich. Warte bitte, ich hole ihn!" Todo lief ins Haus und rief nach seinem Vater. Dieser kam gerade aus dem Vorratskeller. Er hörte die Stimme seines Sohnes und eilte herbei.
"Was ist mein Junge?"
"Vater! Ein Bote ist vor dem Haus und hat einen Brief für dich." Fillibert lief nach draußen und Todo folgte ihm. Draußen erwartete sie der ungeduldige Bote.
"Einen schönen Tag, Meister Braunlock! Ich habe einen Brief für euch." Der Bote übergab Fillibert den Brief, der anschließend interessiert den Umschlag betrachtete. Er hob verwundert die Augenbrauen.
"Hm, ein Brief vom Bürgermeister in Michelbinge. Was er wohl von uns will?" Der Bote zuckte mit den Schultern.
"Kann ich euch nicht sagen. Muss leider weiter, die Zeit drängt."

Er verabschiedete sich und zog weiter. Fillibert und Todo gingen aufgeregt ins Haus. In der Wohnstube setzten sich beide an den Tisch. Fillibert holte zunächst seine Pfeife und etwas Langgrundblatt aus der Weste. Dann zündete er sich diese an. Todo rutschte derweil ganz unruhig auf seinem Stuhl herum.
"Jetzt mach es aber nicht so spannend, Vater. Mach doch endlich den Brief auf und les vor, was darin steht!"
Fillibert folgte der Bitte und öffnete den Umschlag. Er zog das Stück Papier heraus und begann zu lesen. Todo beobachtete seinen Vater dabei. So bemerkte er wie sich nach und nach Erstaunen in dessen Gesicht breit machte. Hin und wieder schüttelte sein Onkel ungläubig den Kopf dabei. Als Fillibert den Brief durchgelesen hatte, legte er den Brief bedächtig auf den Tisch. Dann sah er Todo an, der wiederum fast vor Neugier verging.
"Nun Vater was schreibt der Herr Bürgermeister. Rück endlich mit der Sprache heraus, ich platze fast vor Neugier!"
'Fillibert macht es verdammt spannend.', dachte sich Todo ungeduldig. Fillibert ließ sich noch einen Moment Zeit bevor er antwortete. Dann lächelte er plötzlich freudig seinem Sohn zu.
"Nun mein Junge, du wirst es kaum glauben aber es ist eine Einladung." Todo horchte auf.
"Woa! Eine Einladung, wozu?"
"Eine Einladung zu einem außergewöhnlichen Ereignis, welches in Bockenburg stattfinden wird."
, erwiderte Fillibert fröhlich. Die nächsten Worte sagte er mit einer sichtlichen Freude in der Stimme. "Der König aus Gondor kommt ins Auenland. Und wir sind zum Empfang eingeladen."

Dem Jungen verschlug es die Sprache, angesichts dieser unerwarteten Neuigkeit. Fillibert war es während des Lesens nicht viel anders ergangen. Mit so etwas hatte er nimmer im Leben gerechnet. Er war bisher immer überzeugt gewesen, dass nur angesehene Persönlichkeiten des Auenlandes an solchen Ereignissen teilnehmen konnten. Da er aber selbst nicht zu diesem Personenkreis zählte, hatte ihn diese Einladung sehr überrascht. Gründe für die Einladungen hatte der Bürgermeister im Brief zwar nicht genannt, aber in diesem Moment war es den Beiden gleichgültig. Aus dem Brief ging hervor, dass dieser Besuch in wenigen Tagen in Bockenburg stattfand. So hatten sie glücklicherweise noch etwas Zeit, um die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Auch war es ein längerer Weg nach Bockland, den sie vor sich hatten.

So machte sich Fillibert an die Arbeit und bat Todo es nicht an die große Glocke zu hängen. Fillibert wollte nämlich nicht Mittelpunkt von Gesprächen im Ort sein. Es gab hier zwar keine Neider, die er fürchtete. Doch Aufsehen zu erregen war auch nicht seine Sache. Er war eben sehr bescheiden und genügsam. Während Fillibert sich an die Vorbereitungen machte, lief Todo umgehend zu Ferdi Tuk hinüber und erzählte diesem von der Einladung. Aus dem Tonfall seiner Stimme waren der Stolz und die Freude zu entnehmen, die er mit der Einladung verband. Ferdi zeigte sich zwar ebenfalls überrascht, doch regierte er weder eifersüchtig noch neidisch. Er freute sich stattdessen für seinen Freund. Er bat Todo ihm etwas von den Speisen auf dem Fest mitzubringen und später ausführlich zu berichten. Todo versprach ihm das gern. Die gleichzeitig anwesenden Eltern Till und Amirilla brachten ebenfalls ihre Freude über diese frohe Neuigkeit zum Ausdruck. Der alte Till Tuk ermahnte Todo jedoch gleichzeitig sich von seiner besten Seite zu zeigen und seinem Onkel keine Schande zu machen. Sie versprachen Todo darüber Stillschweigen zu bewahren. Doch anders als erhofft, verbreitete sich die Neuigkeit sehr bald wie ein Lauffeuer im ganzen Ort. Plötzlich sorgten die Braunlocks für zahlreichen Gesprächsstoff im Ort. Das kam auch Fillibert zu Ohren, dem das alles andere als recht war.

Als er sich am nächsten Tag zum ortsansässigen Schneider aufmachte, um für seinen Jungen einen Festanzug zu besorgen, trafen ihn überall neugierige Gesichter. An jeder Ecke wurde er auf die Einladung hin angesprochen. Zwar mochte er die neugierigen Fragen nicht, die man ihm stellte. Trotzdem ließ er diese Fragen zu und beantwortete die brav, um seine Landsleute nicht zu verärgern. Dafür ließ er es am Abend nicht aus, seinen Neffen Todo für dessen vorlaute Geschwätzigkeit zu tadeln. Der war angesichts des unerwarteten Tadels plötzlich ganz kleinlaut und reumütig. Doch alsbald entspannte sich die Atmosphäre wieder. Fillibert holte Todos maß- gefertigte Festtagskleidung aus der Truhe und präsentierte sie dem Jungen. Todo bekam leuchtende Augen und wollte sie sofort anprobieren. Fillibert ließ ihn gewähren und überreichte dem Jungen die Kleidung. Todo schlüpfte hinein und betrachtete sich anschließend im Spiegel. Die Kleidung saß perfekt. In ihr wirkte er wie fast wie ein kleiner Edelmann. Todo konnte es kaum erwarten, auf die Reise zu gehen.

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XII. Die Sorgen des König

Zur selben Zeit im fernem Königreich Gondor. Begeben wir uns in seine Hauptstadt Minas Tirith, die Stadt der Könige. Ehemals war sie auch unter dem Namen Minas Arnor bekannt gewesen. Diese prachtvolle über 4000 Jahre alte Stadt lag unweit des großen Fluss Anduin. Hinter ihr erhoben sich die Ausläufer der Ered Nimrais, auch die Weißen Gebirge genannt. Die Stadt war in Form eines Berges erbaut und hatte eine fast kreisrunde Form. Ihr Inneres bestand aus sieben Festungsringen, an deren höchsten Punkt sich der "Weiße Turm Ecthelions" befand. Auf ihm, tausend Fuß über dem Brunnenplatz im Innenhof der Zitadelle, wehte das Weiße Banner des Königreiches. Zu Fuße der Stadt lagen die inzwischen wieder fruchtbaren Ebenen des Pelennors, einstiger Schauplatz der Schlacht um Minas Tirith. Zur jetzigen Zeit war es König Tar Esrildur, der über das Reich der Dúnedain herrschte. Während er selbst noch in der Zitadelle, dem Sitz der Könige verweilte, hatten sich auf dem Vorplatz am großen massiven Stadttor aus Mithril bereits eine größere Gruppe Reiter mitsamt Gefolge versammelt. Sie würden den König und seinen Sohn auf deren Reise begleiten und ihm zugleich sicheres Geleit geben. Zwar herrschte allerorts Frieden, doch vor unerwarteten Hinterhalten musste man auch in solchen Zeiten auf der Hut sein. Ebenfalls hatten sich viele Stadtbewohner versammelt um ihren König zu verabschieden.

Während dessen wurden dem König von seinem Statthalter Talith gerade die Festtagsrüstung gebracht, wie sie einst sein Ahne Tar Elessar schon getragen hatte. Esrildur ließ sich beim Anlegen helfen. Als Talith seinen König in dieser prachtvollen Rüstung gekleidet sah, trat er unwillkürlich einen Schritt zurück und neigte ehrfürchtig das Haupt vor seinem Herrn. Dies entlockte dem König ein leichtes Lächeln.
"Aber mein werter Statthalter Talith! Warum verbeugt ihr Euch vor einem alten Mann?" Talith blickte auf.
"Aber mein Herr! Was redet Ihr da? Ihr und alt? Ihr seid unser König und Nachkomme der edlen Dúnedain! Sicher habt Ihr noch viele Jahre vor Euch." Esrildur seufzte.
"Ich danke Euch für diese aufmunternden Worte, aber ich denke inzwischen anders." Talith wollte widersprechen, doch Esrildur winkte nur ab. "Nein, genug der Schmeichelei, mein junger Statthalter! Ich spüre die zunehmende Müdigkeit, die von meinem Körper Besitz ergreift. Mag ich auch ein Nachkomme des edlen Geschlechts sein, so ist doch meine Lebenszeit nicht mehr dieselbe wie die meiner fernen Vorfahren. Die Zeiten haben sich gewandelt, Talith. Das wisst ihr."

Dem vermochte der Statthalter zunächst nichts zu entgegen, da sein König letztendlich die Wahrheit aussprach. In der Tat unterschied sich die Lebenszeit der neueren Könige kaum noch von der ihrer Untertanen. Geblieben war ihnen dennoch das Wissen um die Heilkunst. Mit diesem vererbten Wissen konnten sie die eigene Lebenszeit immerhin noch etwas verlängern. Es war das Einzige, was den Nachkommen der Dúnedain geblieben ist. Doch keine Heilkunst vermochte Esrildurs inneren Schmerz zu lindern, den er durch den frühen Verlust seines Vaters Armeledurs erlitten hatte. Zudem hatte dessen Tod Esrildur, früher als gewünscht, die Bürde des Amtes auferlegt. Zu jung hatte er die Verantwortung für sein Land übernehmen müssen, was an seinen Kräften gezerrt hatte. So war Esrildur anders als seine Vorfahren innerlich vorzeitig gealtert, auch wenn man es ihm äußerlich nicht ansah. Nach einem Moment des Schweigens ergriff Esrildur erneut das Wort.

"Lange Zeit habe ich mein Volk regiert, doch nun bin alt und müde geworden. Zudem spüre ich ein großes Unheil, das sich um unser Reich aufbaut. Ein Unheil, dessen Bekämpfung nicht mehr in meinen Händen liegen wird. Ein Jüngerer muss diese Aufgabe übernehmen." Talith zeigte sich erschreckt über diese Worte seines Herrn, denn aus ihnen war Resignation und Verzweiflung deutlich heraus zuhören. Das war nicht mehr der einstig stolze Regent, den er so sehr bewundert hatte. Er suchte nach Worten des Trostes doch konnte er sie in diesen Augenblicken nicht finden. So ließ er den König ungehindert weiter fortfahren. "Wie gesagt, die Tage meiner Regentschaft neigen sich mehr und mehr dem Ende zu und daher wäre es für meinen Sohn Esrilmir endlich an der Zeit sich auf seinen kommende Rolle als zukünftiger König dieses Landes vorzubereiten. Stattdessen aber hält er sich immer noch unter seinen Soldaten in Osgiliath auf und scheint deren Gegenwart der Meinigen vorzuziehen." Talith wusste abermals nichts zu entgegnen, denn der König sprach abermals die Wahrheit aus. In der Tat sah man den Thronfolger kaum in der Stadt und dieser entzog sich jeglichen Pflichten eines Erben des Thrones von Gondor. Esrilmir war ein eigenwilliger und streitbarer Mann, der seine Selbstbestätigung lieber in Kämpfen und Schlachten als durch Pflichterfüllung am Hofe seines Vaters suchte. Talith versuchte den König milde zu stimmen.
"Mein König, Euer Sohn wird sich sicher schon seiner eigentlichen Aufgabe als zukünftiger Herrscher besinnen und heimkehren. Ihr solltet Vertrauen in ihn haben, Herr!" Der König seufzte erneut. Zweifel an diesen Worten blieben zwar, aber er unterließ es, weitere Worte darüber zu verlieren.
"Ist alles für unsre Reise vorbereitet, Statthalter Talith?" Talith nickte.
"Ja, mein König, es ist alles für Eure Reise ins Land der Halblinge vorbereitet."

Tar Esrildur lächelte bei Erwähnung dieses Volkes aus dem Auenland. Wie auch schon seine Vorfahren war er ein großer Freund dieses kleinen Volkes. Wie seine Väter zuvor hatte er ihre Verdienste um Gondor und für die Freiheit aller freien Völker Mittelerdes nicht vergessen. Lange schon war er nicht mehr dorthin gereist, doch war es ihm ein großes Anliegen dies nochmals während seiner Regentschaft zu tun.

"Nun denn, dann lasst uns aufbrechen." Gefolgt von Talith verließ der König den Thronsaal und begab sich auf den Vorplatz der Zitadelle. Dort stand bereits sein weißes Ross bereit, das den Namen Silberfell trug. Tar Esrildur liebte sein Pferd, das ihn doch schon auf vielen Reisen treu zur Seite gestanden hatte. Der König setzte auf und ritt die Stadt hinab. Die Stadtbewohner, die dabei seines Weges kamen, wichen zur Seite und verneigten sich ehrfürchtig. Sieben Stadtringe mussten Esrildur und seine Leibgarde umrunden, bevor sie auf den Vorplatz vorm Stadttor gelangte. Den großen Vorplatz zierte eine große Reiterstatue auf einem Sockel. Die wartende Menge der Menschen auf dem Platz begrüßte euphorisch und lautstark ihren König. Ebenso erwartete eine große Schar von berittenen Soldaten ihren König. Esrildur sah sich um und vermisste noch eine Person. Missmutig verzog er das Gesicht.
"Wo ist mein Sohn Esrilmir?", entfuhr es ihm ärgerlich. Die angesprochenen Soldaten hoben achselzuckend die Schultern. In diesem Moment öffnete sich das mächtige Stadttor und ein einsamer Reiter kam herein geprescht. Es war Esrilmir, des Königs Sohn. In gebürtigen Abstand zu seinem Vater stoppte er sein Pferd.
"Entschuldigt mein Vater. Da bin ich! Ich wurde leider aufhalten." Diesen Satz kannte Esrildur von seinem Sohn allzu gut. Dennoch ließ es der König unterbleiben, Esrilmir in aller Öffentlichkeit zu maßregeln. Stattdessen gab er den Befehl zum Aufbruch. Begleitet von einem Blumenregen und den tosenden Jubelrufen der Stadtbewohner, setzte sich der Reiterzug des Königs in Bewegung.

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XIII. Die Abreise nach Bockenburg

An diesem Morgen der Abreise hatte Hobbit Todo vor lauter Aufregung beim Frühstück kaum einen Bissen hinunter bekommen. Er konnte es kaum erwarten, dass es endlich los ging. Sein Vater hatte noch den notwendigen Proviant auf dem Pferdewagen verstaut. Todo half ihm dabei. Während Fillibert das Pferd vor den Wagen spannte, nahm Todo schon mal auf dem Führersitz Platz. Als Fillibert mit der Arbeit fertig war, bestieg er ebenfalls den Wagen. Todo machte Platz und Fillibert nahm die Zügel in die Hand.
"Auf geht's, mein Junge! Auf nach Bockenburg!" Das Gefährt setzte sich in Bewegung. Als sie das Haus ihrer Nachbarn passierten, ging gerade dessen runde Tür auf und die Tuks erschienen darin.
"Guten Morgen Fillibert, alter Junge!", rief Till Tuk fröhlich aus.
"Dir auch einen guten Morgen, Till!", grüßte Fillibert zurück.
"Wünsch euch beiden eine gute Reise! Und wir erwarten euren Bericht!", rief Till ihnen zu.
"Aber natürlich. Till! Werden wir machen!", entgegnete ihm Fillibert fröhlich.

Dann setzte sich der Wagen wieder in Bewegung. Amirilla und Ferdi winkten ihnen zum Abschied noch mal zu. Fillibert lenkte das Gefährt Richtung Ortsausgang. Soeben erschien auch die Morgensonne am Horizont. Es schien ein schöner milder Tag zu werden, ideal für ein Reise. Das erste Ziel ihrer Reise war das Örtchen Felsmulde. Um nach Bockland zu gelangen mussten sie dann die Große Oststraße nehmen. Wenn nichts dazwischen kam, würden sie in zwei Tagen Bockenburg erreichen. Während die zwei Hobbits mit dem Gefährt entlang der immergrüne Landschaft des Auenlands fuhren, gingen Todo allerlei Gedanken durch den Kopf. Insbesondere mit diesem König aus dem fernen Lande beschäftigte er sich. Bisher hatte er nur jenes gehört, was er Bekannten oder Freunden hatte entlocken hatte können. 'Vielleicht wusste ja Fillibert etwas mehr?', dachte sich Todo und erkundigte sich umgehend bei ihm. Fillibert war die Neugierde seines Sohnes nur allzu verständlich. Er selbst hatte sich zwar nicht allzu sehr mit den Angelegenheiten des Großen Volkes beschäftigt, doch hatte er als Junge ein wenig von seinem eigenen Vater über die Menschen und ihre Herkunft erfahren.

"Nun, mein Junge, ich kann dir nur soviel verraten, was mir mein Vater über die Könige und dessen Land erzählt hat. Das Königreich des Königs ist um ein Vielfaches größer als unser Auenland. Es besteht aus dem nördlichen Teil, dass die Länder Eriador und Arnor umfasst. Die Hauptstadt des Nordens ist Dun Maroth, die im ersten Jahrtausend dieses Zeitalters gegründet worden war. Ich war zwar noch nie da, hörte aber, dass es eine große und wunderschöne Stadt sein soll. Der südliche Teil des Reiches umfasst Gondor und Süd Ithilien. Die Hauptstadt dieses Teils ist Minas Tirith, die Stadt der Könige. Dort residiert der jetzige König. Eine Beschreibung dieser Stadt findest du übrigens in den Aufzeichnungen des Herrn Peregrin Tuk, Ratsherr von Minas Tirith, der im ersten Jahrtausend gelebt hat. Das Königreich, mein Junge, ist viele Jahrtausende alt und wird von Nachkommen der Dúnedain, regiert. Die ursprüngliche Heimat dieses Volkes soll sich inmitten des Meeres befunden haben. Dieses Seereich hieß Númenor und deren Bewohner sollen große Seefahrer gewesen sein."

Filliberts Gesicht war während der Erwähnung des Begriffes Meer etwas blass geworden. Aber auch seinem Sohn Todo erging es da nicht anders. Es lag wohl daran, dass die Hobbits von Natur aus das Meer über alles fürchtete. Erst recht, wenn sie sich vorstellten, sich auf einem schaukeligen Schiff inmitten der See zu befinden. Fillibert schüttelte sich unwillkürlich. Dann vertrieb er die unwohligen Gedanken und setzte stattdessen seine Ausführungen fort.
"Was Númenor anbelangt, ist dieses Land vor langer Zeit im Ozean versunken. Die Überlebenden der Katastrophe gründeten hier in Mittelerde die Königreiche Arnor und Gondor. Während das Nördliche Königreich von Feinden der Menschen alsbald zerstört wurde, kam es um das Südliche Königreich am Ende des 3. Zeitalters zu einem fürchterlichen Krieg zwischen den Menschen des Reiches und den Völkern im Dienste des Dunklen Herrschers Sauron aus Mordor." Filliberts Gesichtsausdruck verdüsterte sich, während er weiter sprach. "Es war auch eine schreckliche dunkle Zeit für uns alle, von der mein Vater mir berichtet hat." Todo stellte eine Zwischenfrage.
"Wieso für uns, Vater?" Daraufhin erzählte Fillibert ihm vom üblen Hobbit Lotho Sackheim-Beutlin und dessen Willkürherrschaft über das Auenland. Ebenso vom Auftauchen von Scharker, der eigentlich Saruman hieß und den Horden von üblen Gaunern aus dem Großen Volk, die ihre Heimat terrorisiert hatten.

Todo hörte den Ausführungen von den angerichteten Zerstörungen im Auenland zu. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass es solche üble Geschöpfe in dieser Welt gab. Schon gar nicht welche, die ein ganzes Volk terrorisierten. Dann kam Fillibert wieder auf den Krieg um das Königreich von Gondor zu sprechen.
"Aber dieser Sauron und seine Diener haben es doch nicht geschafft, oder?", unterbrach ihn Todo zwischendurch. Fillibert schüttelte energisch den Kopf.
"Nein, natürlich hat er das nicht, Junge. Unter der Führung eines großen Mannes aus dem Volk der Dúnedain namens Aragorn, dem späteren König Tar Elessar, konnte dieser dunkle Herrscher bezwungen werden. Seit der Zeit des Tar Elessar, dem berühmten König des wiedervereinigten Königreiches besteht eine enge Verbundenheit zwischen unsren Völkern. Das ist unsren berühmten Persönlichkeiten, den Auenländern Frodo Beutlin, Sam Gamdschie, Perrigrin Tuk und Meriadoc Brandybock zu verdanken. Aber diese Geschichte kennst du bestimmt schon, mein Junge." Todo nickte. "Übrigens findest du auch viele dieser Berichte und Erzählungen aus jener Zeit in der großen Bibliothek vom Brandyweinschloss in Bockenburg. Sollten wir etwas Zeit haben, zeige ich es dir gern, mein Junge."

In den nächsten Stunden hingen beide schweigend ihren eigenen Gedanken nach, während die Straße vor ihnen hin fort glitt. Ab zu begegneten den Beiden auf ihrer Fahrt andere Landsleute, die ebenfalls zwischen Langgrund und Felsmulde unterwegs waren. Zumeist waren es bekannte Händler oder Bauer, denen beide freundlich zu winkten. Sie passierten kleine Höfe und weiträumige Felder, auf denen Getreide oder Gemüse angebaut wurde. Hin und wieder waren Landsleute auf den Feldern zugegen und arbeiteten. Landwirtschaft war eben noch immer sehr im Auenland verbreitet, woran sich auch in den letzten Jahrhunderten kaum etwas verändert hatte. Auf den Feldern wurde neben Getreide viele Arten von Kohl oder Salaten angebaut. Kohl war nämlich eines der Hauptnahrungsmittel der Hobbits und durfte zu keiner Hauptmahlzeit fehlen. Manch Landsmann blickte zeitweilig neugierig zu den beiden Reisenden hinüber und man grüßte einander. Nach Stunden hatten sie eine gute Strecke zurückgelegt und machten am späten Nachmittag eine Rast nahe dem Ort Felsmulde. Während Fillibert etwas Wegzerrung aus dem Gefährt holte, kümmerte sich Todo um sein Pony Peonie. Todo liebte das kleine Pony und sorgte sich in jeder freien Minute um das Tier. Er holte eine große Holzschale aus dem Wagen, füllte sie mit Wasser und stellte sie vor Peonie auf den Boden. Das kleine Pony wieherte dankbar und senkte den Kopf um aus der Schale zu trinken. Während dessen streichelte Todo sein dichtes braunes Fell.
"Trink meine kleine Peonie! Wir haben noch einen weiten Weg vor uns."

Im selben Moment rief sein Vater nach ihm. Todo ließ Peonie alleine und gesellte sich zu seinem Vater. Fillibert überreichte Todo einen Kringel Fleischwurst, dazu Brot und etwas Obst. Es war auch von Nöten, denn Todo hatte inzwischen einen hungrigen Magen. Beide saßen nun da, aßen etwas und tranken frisches Quellwasser dazu. Während beide schweigend aßen, tauchten in Todos Kopf die Bilder des fernen Landes auf, von dem Fillibert ihm erzählt hatte. Wie es wohl aussehen mochte, dieses Königreich Gondor? Wie seine Bewohner wohl aussahen und wie sie waren? Fillibert entging Todos Nachdenklichkeit nicht.
"Na, mein Junge, worüber denkst du nach?" Todo berichtete ihm daraufhin von seinen Gedankengängen. Fillibert lächelte zuerst, wurde dann aber wieder ernst."Nun, das Große Volk aus Gondor ist von einem ganz anderen Schlag als wir Hobbits, mein Junge. Ich weiß nicht welche Vorstellung du von ihnen hast, aber Folgendes lass dir dazu auch sagen. Es gibt nicht nur die uns wohlgesinnten Gondorianer oder Rohirrim. Daneben gibt es auch Angehörige des Großen Volkes, die keineswegs Gutes im Sinne haben. Denk nur an jene, die unsre Heimat besetzt hatten. Auch gibt es jene, die ausschließlich nach Ruhm und Macht streben. Um dieser Dinge willen fochten sie in der Vergangenheit zahlreichen Kämpfe und Schlachten untereinander aus. Nicht wenige kämpften damals an der Seite des Dunklen Herrschers Sauron. Aber keine Sorge, Junge! Unsre Grenzen werden gut beschützt."

Sie beendeten ihre Unterhaltung und hingen jeder für sich ihren Gedanken nach. Todos Blick schweifte gedankenverloren gen Himmel. Er betrachtete die langsam dahin ziehenden Wolken am Horizont. Im selben Moment erhob sich wild flatternd ein Schwarm Vögel aus den nahen Bäumen. Die kleinen Geschöpfe stiegen in den Himmel auf und flogen gen Horizont. Wohin sie wohl ziehen würden? Sicherlich hinweg über ferne Ländern, von den Todo bisher keine genaue Vorstellung hatte. Doch allein die Vorstellung diese Mal irgendwann besuchen zu können, versetzte ihn in Verzückung.
"Hm, wie gern würde ich mal dieses Land Gondor besuchen." Obwohl er dies nur leise zu sich selbst gesagt hatte, musste diese Äußerung sein Vater gehört haben. Dieser blickte ihn missbilligend an, als habe Todo etwas Unanständiges von sich gegeben.
"Was redest du da für einen Unsinn, Junge? Hobbits wie du und ich gehören nicht an jene ferne Orte. Es ist eine gefährliche Welt da draußen, auch wenn jetzt Frieden allerorts herrscht." Und ergänzend fügte er hinzu:"Es ist nicht gut für einen Hobbit an so etwas zu denken, geschweige denn zu wollen. Also schlag dir das gefälligst aus dem Kopf, mein Junge."
Dies war wohl zugleich das Signal zum Aufbruch, denn Fillibert erhob sich, packte die übrig gebliebenen Speisen ein und ging zurück zum Wagen. Todo folgte ihm und nahm wieder auf dem Fahrhaus Platz. Wenig später bestieg sein Onkel ebenfalls das Gefährt und die Reise konnte weitergehen.

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XIV. Die Ankunft in Bockenburg

Als an diesem bedeutsamen Tag Fillibert und Todo Braunlock am frühen Vormittag ankamen, herrschte bereits reges Treiben im Ort. Die Straßen und Wege waren bereits geschmückt. Zwischen den Häusern waren unzählige Banner und Fahnen an Leinen gespannt. An den Straßenrändern waren überall bunten Blumenkästen aufgestellt. Aus den Fenstern der Häuser hingen bemalte Tücher, verziert mit einem weißen Baum. Neugierig befragte Todo seinen Vater nach der Bedeutung dieser Symbole. Fillibert erklärte ihm daraufhin, dass es sich um den Weißen Baum Gondors handelte. Der Baum der Königs in Minas Tirith. Todo war ganz ergriffen von all den neuen Eindrücken, die sich ihm in diesem für ihn fremden Ort boten. Man spürte die Aufregung, die angesichts des bevorstehenden Ereignisses von Bockenburg Besitz ergriffen hatte. Fillibert Braunlock lenkte das Gefährt durch die farbenprächtigen Straßen hinauf zum Brandyweinschloß, dem Amtssitz des Herrn vom Auenland. Gerade als beide herabstiegen, öffneten sich die Tür des Gebäudes und zwei Personen erschienen im Eingangsbereich. Einen der beiden Herren kannte Todo bereits. Es war der Bürgermeisters Willigar Stolzfuß, der sich noch im Gespräch mit dem zweiten Herrn befand. Dieser zweite Herr war Todo nicht bekannt. Willigar unterbrach das Gespräch, als er ihre Ankunft bemerkt hatte. Er ging auf sei zu und begrüßte die Ankömmlinge.
"Herzlich willkommen in Bockenburg, mein guter Fillibert! Schön, dass ihr meiner Einladung hierher gefolgt seid." Beide Herren begrüßten sich per herzlichen Händedruck. Dann wies Willigar auf den Herrn neben sich. "Darf ich Dir vorstellen, Fillibert. Dies ist Herr Merimac Brandybock, Herr vom Bockland!" Abermals wurden Hände geschüttelt. Dann bemerkte der Bürgermeister den kleinen Mann neben Fillibert, der unbeweglich an der Seite seines Vaters stand.
"Entschuldigung, aber ich hätte ja fast den jungen Mann neben dir vergessen zu begrüßen." Willigar reichte anschließend auch Todo freundschaftlich die Hand. "Hallo junger Herr Todo! Schön, dass du mitgekommen bist. Ich bin sicher, es wird auch dir hier gefallen." Todo war etwas verlegen, nickte aber bejahend. Willigar Stolzfuß lächelte dem Jungen zu. "Nur keine falsche Scheu. Es ist zwar sicher alles neu hier für dich, aber es wird dir gefallen. Ganz bestimmt."

Während der Bürgermeister ein paar Worte mit den Jungen wechselte, holte Fillibert seine Pfeife hervor und stopfte sie mit etwas Tabak. Willigar beendete seinen kleinen Plausch mit dem Jungen und wandte sich wieder dessen Onkel zu.
"Hattet ihr eine gute Reise hierher?" Fillibert zündete sich die Pfeife an.
"Ja, wir können nicht klagen. War zwar eine ordentliche Strecke hier her, aber es hat sich gelohnt." Er zog wieder an der Pfeife und zauberte Rauchkringel in die Luft. Merimac Brandybock bewegte derweil schnuppernd die Nase.
"Hm, verzeiht mir meine Neugier, Herr Fillibert, aber euer Kraut riecht hervorragend. Scheint von guter Qualität zu sein." Fillibert lächelte stolz.
"Das ist Alter Tobi, Herr Brandybock. Kann ich etwas davon anbieten?" Merimac Brandybock ließ sich nicht zweimal bitten.
"Hm, wenn ihr mich so fragt. Natürlich gerne, wenn es euch nichts ausmacht." Todos Vater holte nochmals seinen Krautbeutel hervor und reichte ihn dem Thain. Dieser nahm sich etwas heraus und gab ihn dankend zurück. Während auch Merimac Brandybock sich eine Pfeife anzündete, fiel Fillibert jene Frage ein, die er dem Bürgermeister unbedingt stellen musste. Eine Frage, die ihn die ganze Reise schon beschäftigt hatte und die er nun unbedingt loswerden wollte.
"Entschuldige meine Neugierde, Willi, aber ich muss dich unbedingt etwas fragen. Die liegt mir schon lange im Magen." Willi lächelte ihm ermutigend zu.
"Nur zu, Fillibert. Raus mit der Sprache!" Fillibert zögerte einen Moment.
"Versteh meine Frage nicht falsch, aber wie kommen gerade ich und mein Junge zu einer solchen Ehre, eingeladen worden zu sein?"
Willigar errötete und musste schlucken. Mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet. Unsicher sah abwechselnd Fillibert und den Herrn von Bockland an. Dieser runzelte zunächst erstaunt die Stirn und sah dann den Bürgermeister fragend an. Willigar suchte nach einer geeigneten Ausrede, welche ihm Merimac überraschend abnahm.
"Wohl, weil ihr beide auf der Gästeliste standet, die ich selbst angefertigt habe. Genügt euch das als Antwort, Herr Fillibert?" Dabei sah er den noch nach Worte ringenden Bürgermeister amüsiert an. Fillibert genügte in der Tat diese Antwort.
"Und nun, meine beiden Herren, lassen wir euch allein. Willigar und ich haben noch etwas zu besprechen. Seht euch ruhig erstmal in Ruhe um. Ich wünsch euch einen unvergesslichen Tag hier. Bis später!"
Man verabschiedete sich von voneinander und trennte sich zunächst. Fillibert und seine Neffe nutzten die nächsten Stunden um sich die festlich geschmückte Stadt anzusehen.

Am frühen Nachmittag war es soweit. Beide Hobbits waren gerade auf den Straßen unterwegs, als plötzlich der helle Klang mehrere Trompeten aus der Ferne an ihren Ohren drang. In den nächsten Minuten füllten sich ringsum die Straßen des Ortes mit einer großen Menge Halblinge. Auch in den höher gelegen Fenster der Häuser erschienen zahlreiche Gesichter und beobachteten das Geschehen von oben herab. Wie die Hobbits am Straßenrand hielten auch sie kleine Blumensträuße oder Fähnchen. Fillibert und sein Sohn gesellten sich umgehend zu den übrigen Hobbits am Straßenrand. Es gelang ihnen noch einen vorderen Platz dicht an der Straße zu ergattern, von dem sie eine gute Sicht auf das Geschehen hatten. Zu ihnen stellte sich wenig später auch wieder der Bürgermeister. Merimac Brandybock war diesmal allerdings nicht bei ihm. Todo war ganz aufregt und blickte erwartungsvoll den Reiterzug entgegen. Erneut ertönten die Trompeten, diesmal aber viel lauter.
Der Bürgermeister beugte sich zu ihm herab und flüsterte ihm zu: "Das mein Junge sind die silbernen Trompeten Gondors. Haben sie nicht einen wundersamen Klang?" Todo nickte.
"Ja, sie klingen wunderschön.", erwiderte er entzückt.

Dann endlich erschien der Reiterzug. Todo bekam glänzende Augen angesichts des ungewohnten Anblickes. Eine Gruppe Reiter, in silbernen Rüstungen und dunklen Mäntel gehüllt, führte den Zug an. Ihre Häupter zierten silberne Helme, die im Sonnenlicht funkelten. Der junge Hobbit hatte in seinem bisherigen Leben noch keine Angehörigen des Großen Volkes zu Gesicht bekommen. Umso erstaunter war er, wie er sie erstmals erblickte. Es waren wirklich große Männer mit schmalen Gesichtern und stolzem Blick. Sie ritten auf ihren großen Pferden gemächlich an der jubelnden Menge vorbei. Mit beiden Händen hielten sie silberne Trompeten und spielten darauf. Auch Todos Vater war sichtlich hingerissen über diesem Anblick, was sein Gesichtsausdruck verriet. Den Reitern folgte eine Gruppe Männer, die verschiedene Musikinstrumente wie Geigen, Bratschen oder Flöten in den Händen hielten und wunderschön musizierten. Dabei ging ein erster Regen aus Blumen über die Ankömmlinge herab, gefolgt von jubelnden Zurufen. Es folgte eine weitere Gruppe Reiter, welche den weißen Banner Gondors mit sich führten. Die im Wind flatternden Banner waren fürwahr imposant anzusehen.

Nach der Gruppe folgten zwei große Männer auf weißen Schimmeln, die nebeneinander ritten. Von ihrer äußeren Erscheinung nach hoben sie sich von der vorherigen Gruppe ab, denn sie trugen keine Rüstungen. Der Mann zur Rechten trug dunkelbraunes leicht ergrautes schulterlanges Haar. Auf dem Haupt trug er einen hohen weißen Helm, mit zwei perlenbesetzten silbernen Flügeln, die den Schwingen eines Seevogels glichen. Todo staunte nicht schlecht bei diesem Anblick. Gekleidet war er in ein schwarzes, mit Silber umgürtetes Panzerhemd, und darüber einen weißen Umhang. Sein Gesichtsausdruck wirkte etwas müde aber in seinen Augen lag Güte und Weisheit. Plötzlich wurde die Aufmerksamkeit der Mannes auf ein kleines Hobbitmädchen gelenkt, das sich aus der Menge löste und auf ihn zu lief. Sie hielt einen Blumenstrauß in den Händen und hielt ihn dem Reiter entgegen. Dieser stoppte für einen Moment sein Ross und nahm den Strauß entgegen. Er blickte das Kind an und lächelte ihm zu. Dann setzte er seinen Weg fort. Der zweite Mann, der neben ihm ritt, war deutlich jünger. Dieser trug gelocktes hellbraunes Haar und einen schmalen Silberreif auf dem Haupt. Er trug ein blauschwarzes Festgewand, in dessen Oberteil ein weißer Baum eingenäht war. Er hatte blaugraue Augen und sein stolzer Gesichtsausdruck demonstrierte mannhafte jugendliche Stärke und Selbstbewusstsein.

Erneut vernahm er die Stimme des Bürgermeisters an seinem Ohr.
"Dies, mein Junge, sind König Tar Esrildur und sein Sohn Esrilmir aus Gondor." Todo hielt die Luft an.
"Das ist der König?" Willigar Stolzfuß nickte. In diesem Moment passierten die zwei Männer die drei Hobbits. Der jüngere Mann, also Esrilmir, senkte plötzlich sein Haupt und blickte flüchtig herab. So trafen sich Todos und Esrilmirs Blicke. Todo errötete leicht, was den Sohn des Königs zu einem breiten Lächeln veranlasste. Dann wandte sich Esrilmir aber wieder ab und ritt weiter. Eine weitere Reiterkolonne folgte noch, gefolgt von einer kleinen Gruppe Hobbitkinder. Dann war der Zug vorbei. Nach und nach wurde es etwas ruhiger unter den Hobbits und man konnte wieder sein eigenes Wort verstehen. Während Todo erstmal das Erlebte geistig verarbeiten musste, wandte sich Willi Gardner seinem Vater zu.
"Nun, Fillibert. Wie hat es dir gefallen?" Fillibert Braunlock lächelte.
"Einfach beeindruckend, kann ich nur sagen, Willi. Einfach beeindruckend."
Der Bürgermeister freute sich sichtlich über diese Aussage. Seine unverhoffte Einladung hatte ganz ihren Zweck erfüllt.
"Vielen, vielen Dank für diese Einladung, Willi. Ich sag das sicherlich auch im Namen meines Sohnes. Ich glaub, ihr habt vor allen Dingen ihm das schönste Geschenk seines Lebens gemacht." Todo sagte nichts, nickte aber zur Bestätigung. "Tut mir leid, Willi, aber es wird wohl Zeit für uns aufzubrechen. Wir haben noch eine lange Reise vor uns." Der Bürgermeister sah sie vergnügt an.
"Und was werdet ihr jetzt noch tun, Fillibert?", fragte Willigar neugierig. "Na, wir werden wohl noch bis morgen früh in Bockenburg bleiben, dann treten wir wieder die Heimreise an.", erwiderte Fillibert.
"Na, dann wünsche ich euch noch einen schönen Tag in dieser Stadt!", sagte Willigar und verabschiedete sich von ihnen.

Fillibert und Todo suchten nach einem amüsanten Tag am frühen Abend ein nah gelegenes Gasthaus auf, um dort die folgende Nacht zu verbringen. Allerdings nicht ohne eine kräftige Mahlzeit einzunehmen. Als sie das kleine Gasthaus betraten, war dieses schon üppig gefüllt. Etliche Hobbits hatten es sich an den Tischen und an der Theke bequem gemacht. Sie saßen vor ihren Bierkrügen und hatten als Gesprächsstoff nur ein Thema: Der Besuch des Königs. An einem Tisch, an denen zwei ältere Hobbits miteinander saßen, fanden Fillibert und Todo noch freie Stühle. Die älteren Herren nickten beiden freundlich zu, während diese Platz nahmen. Einer der beiden älteren Hobbits sprach sie an.
"Ihr seid fremd hier, meine Herren, oder?" Fillibert nickte.
"Ja, mein Sohn und ich kommen aus Langgrund im Auenland." Der ältere Herr lächelte.
"Aha, aus Langgrund kommt ihr beide. Hört, hört! Das ist doch das kleine Örtchen, das für seinen Tabakkrautanbau bekannt ist, nicht?" Fillibert lächelte zurück.
"Das stimmt, meine Herren! Ich selbst baue es nämlich ebenfalls an." Sein Gegenüber hob beeindruckt die Augenbrauen.
"Oh, dann müsst ihr ja alles über das berühmte Kraut wissen, oder?" Fillibert Braunlock nickte stolz.
"Das kann man wohl sagen." Der ältere Herr nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Bierkrug. Derweil hatte auch der Wirt die Ankunft der neuen Gäste bemerkt und eilte zum Tisch. Auf seine Nachfrage hin, bestellte Fillibert für sich und seinen Sohn einen Kaninchenbraten mit Kartoffeln. Außerdem orderte er für seinen Sohn einen Saft und für sich selbst ein Krug Bier. Mit der Bestellung eilte der Wirt davon. Fillibert wandte sich wieder an seine Tischnachbarn.
"Oh, mir fällt ein. Wir haben uns noch nicht vorgestellt. Ich bin Fillibert Braunlock und dies ist mein Sohn Todo." Seine Gegenüber lächelte.
"Nun ich bin Falco Boffin und dies mein Bruder Rufus. Wir sind reisende Händler und kommen von Turmbergen." Inzwischen brachte der Wirt die bestellten Getränke. Todo hatten großen Durst und nahm einen kräftigen Schluck Saft, während sein Vater den Bierkrug nahm und mit den beiden Hobbits anstieß. Nun mischte sich Rufus Boffin in das Gespräch ein.
"Sagt, Fillibert, seid ihr etwa beruflich hier?" Fillibert schüttelte den Kopf.
"Wohl kaum, meine Herren! Ich bin mit meinem Sohn auf Einladung des Bürgermeisters von Michelbinge hierher gekommen." Rufus Boffin staunte nicht schlecht.
"Dann seit ihr also wegen des Besuch des König hier." Fillibert nickte zustimmend. Rufus wandte sich an Todo.
"Und mein Junge, wie hat es dir gefallen? Immerhin erlebt man so was nicht alle Tage, oder?" Todo grinste über beide Ohren.
"Ja, es war einfach einzigartig. Diese großen Männer in ihren blitzenden Rüstungen. Und vor allen Dingen einmal den große König von Gondor erblicken zu können, das war aufregend. Diesen Tag werde ich sicher so schnell nicht vergessen."

Soeben brachte der Wirt das Essen und der hungrige Todo widmete sich ganz seiner Mahlzeit. Auch Fillibert machte es ihm nach. Während sie aßen, schwieg man. Als die Hobbits ihre Mahlzeit beendeten hatten, nahm Falco das Gespräch wieder auf.
"Und was habt ihr Beiden nun vor?" Fillibert ließ sich einen Moment Zeit und zündete sich erstmal eine Pfeife an.
"Nun, wir beide werden morgen früh wieder abreisen." Rufus machte einen etwas traurigen Gesichtsausdruck.
"Oh, ihr wollt wirklich schon abreisen? Finde ich schade, denn Bockenburg hat noch soviel Sehenswertes zu bieten." Hobbit Fillibert lachte amüsiert.
"Das glaub ich gern, aber die anstehende Tabakernte erledigt sich nicht von selbst."
"Na, da kann man wohl nichts machen, Aber wünschen euch eine gute Heimreise und alles Gute!"
, erwiderte Falco Boffin.
Inzwischen war es Abend geworden und es wurde Zeit sich Schlafen zu legen. Man verabschiedete sich schließlich freundschaftlich voneinander und trennte sich.

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XV. Überfall auf Froschmoorstetten

Am nächsten Morgen nach einem guten Frühstück begaben sich Vater und Sohn zu ihrem Gefährt. Fillibert spannte das Pony vor das Gefährt und beide nahmen wieder auf dem Führerhaus Platz. Der Wagen setzte sich in Bewegung und rollte in Richtung Stadtausgang. Doch als sie in die Hauptstraße einbogen, hielt Fillibert plötzlich an. Und das tat er aus gutem Grunde. Vor ihnen auf der Hauptstrasse nahte der königliche Zug mitsamt Gefolge, der ebenfalls Richtung Gondor aufbrach. Auch jetzt hatten sich viele Stadtbewohner eingefunden, um den königlichen Besuch zu verabschieden. Zur großen Überraschung der beiden Hobbits stoppte plötzlich der Zug. Zu aller Verwunderung löste sich ein Reiter aus der Menge und näherte sich ihrem Wagen. Zum Erstaunen der Beiden war der Reiter der König höchstpersönlich, der auf sie zu ritt. Er stoppte auf gebührendem Abstand sein Pferd und sah sie an. Fillibert und Todo wollten sich ehrfürchtig verneigen, doch der König gebot ihnen mit einer Geste dies zu unterlassen. Die versammelten Hobbits des Ortes sahen ebenfalls verwundert der Szene zu. In die Stille hinein erklang plötzlich die helle Stimme des Königs von Gondor.
"Nein, meine Herren Hobbits. Wie schon mein großer Ahnherr Elessar einst diesen Brauch gepflegt hatte, so tue auch ich es in Gedenken an die ruhmreichen Taten eures Volkes für die Freiheit unseren beiden Länder. Ihr Hobbits verneigt euch vor niemanden. Ich bin es, der sich vor euch verneigen muss. Das war schon immer so und dies wird auch so bleiben!". Als Bestätigung seiner Worte neigte er leicht sein Haupt. Es erschien dem jungen Todo für einen Augenblick so als würde die Zeit stillstehen. Weder er noch sein Vater wussten in diesen Moment wie ihnen geschah. Wie versteinert saßen sie da auf ihrem Fahrhaus und glaubten zu träumen. Doch dies war kein Traum. Tar Esrildur hob die Hand. "Und nun, meine Herren Hobbits! Euch gebührt die Ehre vor uns her zu fahren. Meine Wünsche und die meines Volkes mögen euch auf eurer Heimreise begleiten. Lebt wohl!" Nach diesen Worten machte er kehrt und reihte sich wieder in seine Gefolge ein.
Fillibert ergriff zögernd die Zügel und das Gefährt rollte auf die Hauptstraße. Hinter ihnen setzte sich nun auch wieder der königliche Zug in Bewegung. Die eben noch stumme Menge aus Hobbits am Straßenrand brach in Jubel und Begeisterungsrufe aus. Nicht nur über die Kolonne des Königs ergossen sich tausende von Blumen, sondern auch über Fillibert und Todo, die vorne weg fuhren. Diese Augenblicke empfand Todo noch bewegender als den gestrigen Tag. Dieses Erlebnis würden ihn sicher sein weiteres Leben auf Schritt und Tritt begleiten. Als sie den Ortsausgang schließlich erreichten, stand am Straßenrand eine ihnen bekannte Person und winkte ihnen freudig zu. Es war Bürgermeister Willigar Stolzfuß, der ihnen winkte. Todo winkte lachend zurück. Im Hintergrund erschallte zum Abschied noch einmal der Klang der silbernen Trompeten. Dann trennten sich die Wege und Fillibert lenkte das Gefährt auf die Große Oststraße Richtung Heimat.

Während der nächsten Stunden schwiegen Vater und Sohn. Beide waren noch immer mit den vergangenen Tagen beschäftigt. Als es dämmerte erreichten sie den Ortsrand von Froschmoorstetten. Zu beider Verwunderung traten mehrere Hobbits auf die Straße und versperrten ihnen zunächst den Weg. An der Feder der Hüte, welche diese trugen, erkannte Fillibert, dass es sich um Landbüttel handelte. Er stoppte widerwillig den Wagen und sah die Hobbits fragend an. Die Landbüttel traten näher und musterten beide aufmerksam. Als sie erkannten, dass es sich ebenfalls um Landsleute handelte, wich die Strenge in ihren Gesichtern ein wenig. Trotzdem machten sie keine Anstalten die Straße frei zu geben. Fillibert wurde langsam ärgerlich.
"Was ist hier los, Leute? Warum versperrt ihr Landsleuten wie uns den Weg, wenn man fragen darf?" Einer der Landbüttel trat vor.
"Das hat seinen guten Grund. Zunächst mussten wir uns erstmal vergewissern, dass ihr wirklich Hobbits seid." Fillibert sah sie daraufhin ungeduldig an.
"Und nun da ihr euch davon überzeugt habt, können wir dann jetzt weiterfahren?" Das Gesicht des Landbüttels umwölkte sich.
"Das halte ich in der augenblicklichen Situation für unklug." Fillibert verstand nicht ganz und wurde ungehalten.
"Was soll das bitte schön heißen? Was soll diese Geheimniskrämerei, Leute?" Der Landbüttel runzelte die Stirn.
"Na, wisst ihr das denn nicht?" Fillibert hob achselzuckend die Schulter.
"Was sollten wir denn wissen, meine Herren?". Dieser senkte daraufhin verschwörerisch die Stimme.
"Nun, in der letzten Nacht wurden von Unbekannte etliche Verwüstungen in dieser Gegend angerichtet. Wer sie sind, weiß man nicht genau. Doch den Fußspuren zu Folge muss es sich um Angehörige des Großen Volkes handeln."

Fillibert und sein Sohn blickten den Landbüttel erstaunt an. Insbesondere Fillibert, der sich an längst vergangene dunkle Zeiten entsann, von denen sein Vater ihm wiederum berichtete hatte: Die Besetzung des Auenlandes durch Scharker und seine Halunken. Doch so recht vorstellen konnten es sich beide nicht, dass es sich um Menschen handeln könnte. Vor Stunden hatte man ihnen noch erzählt, dass beide Völker miteinander eng verbunden waren. Anderseits warum sollten ihre Landsleute die Unwahrheit sprechen. Fillibert wandte sich an den Landbüttel.

"Und was sollen wir jetzt tun?" Der Landbüttel wies mit der Hand in den Ort.
"Es wird besser sein, dass ihr heute nicht weiterreist, sondern im Ort Unterschlupf sucht. Momentan ist es zu gefährlich in der Dunkelheit zu reisen, solange wir die Urheber des Übels nicht gefasst haben. Setzt eure Reise besser am morgigen Tag fort, dann ist es sichere." Fillibert beschloss den Ratschlag der Landbüttel zu befolgen, wobei es ihm insbesondere um das Wohl seines Sohnes ging. Fillibert lenkte das Gefährt in den Ort hinein. Sie fanden ein kleines Gasthaus. Obwohl dieses über keine Fremdenzimmer verfügte, machte der Besitzer in ihrem Fall eine Ausnahme. Nach einem kleinen abendlichen Mahl gingen beide Hobbits schlafen.

Mitten in der Nacht wurde Todo unsanft wachgerüttelt. Als er die Augen öffnete, sah er den Vater über sich gebeugt. Dessen Gesichtsdruck war ganz verändert. Sonst ruhig und gutmütig war dieser nun von Nervosität und Furcht gezeichnet. Da de junge Mann noch nicht ganz wach war, begriff er zunächst noch nicht was los war. Warum weckte man ihn zu dieser nächtlichen Stunde? Das war schon recht ungewöhnlich. Der Junge rieb sich die Müdigkeit aus den Augen und blickte Fillibert fragend an.
"Schnell, Junge. Zieh dich an!", wurde er aufgefordert. Todo war zunächst verwirrt, tat aber was man ihm sagte. Er quälte sich aus dem Bett und zog sich an. Die Müdigkeit steckte ihm noch in den Knochen, während er dies tat. Derweil war Brunlock senior ohne ein weiteres Wort aus dem Raum geeilt und in die Gaststube entschwunden. Sein Sohn folgte ihm wenig später hinterher. Erstaunt beobachtete er seinen Vater dabei, wie dieser hektisch das Gepäck zusammen kramte. Angesichts der Hast, mit der er dies tat, wurde dem jungen Hobbit mulmig zumute. Die Nervosität seines alten Herrn schien ansteckend zu sein. Was hatte dieser vor? Was war bloß los? Diese Fragen brannten Todo auf der Seele und er verlieh seinen Unmut Ausdruck. Daraufhin unterbrach Fillibert für einen Augenblick sein Tun und sah Todo mit gequältem Gesichtsausdruck an.
"Tut mir sehr Leid, Junge, dass ich dich so unsanft wecken musste. Aber es ist etwas Fürchterliches im Gange. Wir haben nicht viel Zeit und müssen uns beeilen!" Ohne ein weiteres Wort der Erklärung stopfte er so eben noch die übrigen Sachen in den großen Rucksack. Im selben Moment wurde die Ortsglocke geläutet. Beide schraken auf. Warum wurde die Glocke geläutet, ging es dem Jungen zugleich durch den Kopf. Soviel wie ihm bekannt war, wurde sie nur bei Gefahr geläutet. Plötzlich begann es ihm zu dämmern. Er dachte an die Worte der Landsleute am gestrigen Abend. Sie hatten von Überfällen gesprochen. Erneut wurde die Glocke geläutet. Im nächsten Moment vernahmen die beiden Stimmengewirr vor der Tür. Gleichzeitig pochte es laut gegen die Haustür. Fillibert eilte umgehend zur Tür und öffnete. Zu Todos Überraschung stand dort ein Landbüttel vom gestrigen Abend, bewaffnet mit Knüppel. Dieser Umstand verunsicherte den Jungen noch mehr.
"Schnell raus hier! Ihr seid hier nicht mehr sicher. Verlasst so schnell wie möglich den Ort. " Nun begriff Todo, dass hier etwas Fürchterliches in Gange war. Ein Blick hinaus sagte mehr als alle Worte. Er sah überall wild umher laufende Landsmänner, aber auch Frauen und Kinder. Die an ihnen vorbei eilenden Männer waren mit Bögen oder Schwertern bewaffnet. Laute Rufe oder scharf klingende Befehle waren von überall her zu vernehmen. Bewaffnete Männer überall um sie herum konnte nur eines bedeuten: Ein Überfall!

Der Junge bekam es ein wenig mit der Angst zu tun und schmiegte sich eng an die Seite seines Vaters. Dieser bemerkte dies und legte als Beruhigung seinen Arm um Todos Schulter.
"Keine Angst, mein Junge! Ich bin ja bei dir. Und unsre tapfere Hobbit- Wehr wird dieses Gesindel schon vertreiben, denn es ist ja nicht das erste Mal." Todo dachte wieder an die Erzählungen von der Besetzung seiner Heimat sah. Dennoch hakte er unruhig nach.
"Vor welchen Gesindel?", fragte er mit zitternden Stimme. Ein Schrei beantwortete stattdessen Todos Frage. Er blickte erschrocken hinaus und sah zwischen den Häusern große Männer auftauchen. Diese trugen dunkle Lederrüstungen und waren mit blitzenden Klingen bewaffnet. Er konnte die Mordlust in ihren Gesichtern lesen. Mit einem teuflischen Gelächter trieben sie einige verängstigte Hobbits vor sich her. Der Junge erschrak angesichts solcher Bosheit.. Dann folgte ein befehlsartiger Ruf von rechts an sein Ohr. Todo sah wie eine Gruppe bewaffneter Hobbits heran eilte und umgehend in Stellung ging. Sie richteten ihre gespannten Bögen auf die Eindringlinge und beantworteten den Angriff mit einer Salve von Pfeilen.
"Flieht oder versteckt euch, Hobbits. Schnell!", rief ihnen ein Landsmann aus den Reihen der Hobbit-Wehr zu. Während der Kampf zwischen den ungleichen Gegnern voll entbrannte, zog Fillibert seinen Sohn schnell aus der unmittelbaren Gefahrenzonen. Inzwischen aber tauchten die großen wild aussehenden Männer aus allen Richtungen auf und versperrten den Hobbits so den Fluchtweg. Braunlock senior hatte große Angst, vielmehr um sein Kind als um sich selbst. Die bewaffneten Hobbits taten derweil alles um die Eindringlinge zurück zu drängen. Ihr Kommandeur beabsichtigte die Eindringlinge von Frauen und Kindern wegzulocken. Er hoffte den Gegner durch eine geschickte Schlachttaktik ins nahe Moor zu locken. Dabei verließ er sich auf die mangelnden Ortskenntnisse der Strolche. Während dessen hatten die Braunlocks ganz andere Probleme. Fillibert sah sich verzweifelt nach einer möglichen Fluchtmöglichkeit um. Da fiel ihm plötzlich ihr Wagen ein. Vielleicht konnte es ihnen auf diese Weise gelingen zu entkommen. Er zog Todo mit sich zu seinem, neben dem kleinen Gasthaus stehenden Wagen. Hastig begann er damit dem Pony das Geschirr an zu legen, während im übrigen Ort wildes Schlachtgetümmel herrschte. Trotz seiner Nervosität schaffte er es das Gefährt startklar zu machen.
"Auf den Wagen, Junge!", rief er seinem Sohn gehetzt zu. Todo sprang hastig auf Fahrhaus und kauerte sich ängstlich zusammen. Fillibert folgte und ergriff eilig die Zügel.

Sie lenkten eilig das Gefährt Richtung Ortsausgang. Ihre Blicke erfassten das neuere Kampfgeschehen. In stockte der Atem. Die fremden Schurken hatten die ersten Häuser des Ortes in Brand gesetzt. Fassungslos beobachteten sie den selbstlosen Einsatz ihrer Landsleute um die Fremden zu überwältigen. Mit großer Trauer sahen sie nicht nur tote Leiber der Menschen auf der Straße liegen. Es waren auch Männer ihres eigenen Volkes die hier und da am Straßenrand lagen und sich nicht mehr rührten. Die Beiden wandten sich betroffen ab und Fillibert hielt das Pony zur Eile an. Die kleine Peonie gab ihr Bestes. Sie waren zu sehr mit dem Geschehen um sie herum beschäftigt gewesen, sodass sie den Angreifer nicht bemerkt hatten, der auf ihren Wagen zu hechtete und versuchte aufzuspringen. Todo schrie laut auf, sodass die Aufmerksamkeit der Männer von der fernen Hobbit- Wehr auf das Geschehen gelenkt wurde. Blitzschnell griffen sie ein und brachten den Strolch mit ein paar Pfeilen zu Fall.
"Verdammt, verschwindet hier, Leute!", brüllten sie den Braunlocks von Weiten zu. Zunächst blieben beide auf ihrer weiteren Flucht unbehelligt. Der Kampflärm flachte etwas ab, je weiter sie sich vom Zentrum entfernten. Dann aber plötzlich tauchte aus dem Dunkel erneut einer der Angreifer auf und sprang mit gezückter Klinge auf das rollende Gefährt. Diesmal war keiner ihrer bewaffneten Landsleute in der Nähe, der hätte eingreifen können. Der wilde Angreifer schlug mit seinem Schwert zu und hätte den Jungen beinah erwischt, wenn nicht sein Vater geistesgegenwärtig den Wagen abrupt gestoppt hätte. Damit hatte der Angreifer nicht gerechnet, denn er verlor das Gleichgewicht und fiel vom Wagen. Fillibert reagierte sofort, packte Todo am Arm und zerrte ihn vom Fahrerhaus herab. Derweil rappelte sich der Andere wieder auf und verfolgte sie. Hobbits waren zwar gut zu Fuß, aber niemals schnell genug, um einen solchen Berserker zu entkommen. So sah Fillibert nur noch einen Ausweg um sein Kind vor dem sicheren Tod zu bewahren. Der große Mann näherte sich siegesgewiss mit erhobener Klinge den beiden Hobbits. Geistesgegenwärtig stieß Fillibert seinen Sohn von sich weg.
"Lauf weg Junge!" Todo wollte zunächst nicht glauben, was sein alter Herr von ihm verlangte. Daher zögerte Todo zuerst der Aufforderung Folge zu leisten. Sein Innerstes sträubte sich dagegen, den geliebten Menschen in Stich zu lassen. Der Strolch kam nun gefährlich nah, holte mit seiner Klinge bereits zum tödlichen Schlag aus. Fillibert regierte in Anbetracht der akuten Gefahr ungewohnt grob. "Verdammt, Junge! Hau endlich ab! Sorge dich nicht um deinen alten Herrn, ich komm alleine klar. Verschwinde und bring dich in Sicherheit, mein Junge!" Er tat dies mit zorniger Stimme und hatte doch Tränen in den Augen: Es traf seinen Jungen in Mark und Bein. Widerwillig tat Todo schließlich das, was ihm sein Vater befohlen hatte. Todo nahm die Beine in die Hand und rannte weg, ohne sich noch einmal umzudrehen. Was weiter geschah, sah er nicht mehr.

Der junge Hobbit rannte zurück ins Dorfinneren und blieb auf dem Platz neben der Ortsglocke stehen. Er ließ den Blick um her schweifen. Mit Erleichterung stellte er fest, dass die fremden Strolche auf dem Rückzug waren. Zurück blieb ein übel zugerichtete Siedlung. Verloren da stehend beobachtete er seine Landsleute dabei, wie sie eilends Wasser herbei schafften um die Brände zu löschen. Er selbst glaubte sich im Mittelpunkt eines Alptraumes zu befinden. Plötzlich erinnerte er sich an jenen nächtlichen Traum, den er einst gehabt hatte. Das jetzige Szenario und die Bilder aus dem damaligen Traum glichen sich auf erschreckende Weise. Ob es eine Vorahnung gewesen war? Er wusste nicht wie lange er so stand, als ein Landbüttel auf ihn zu eilte. Dieser packte ihn und zog ihn weg. Todo wurde zu einer abseits gelegenen Scheune gebracht und aufgefordert, sich dort zu verstecken. Während der Landbüttel zurückeilte, kauerte sich Todo hin. Zusammengesunken saß er da und verfiel in Schluchzen. Es waren noch einige schlimme und bange Stunden, welche die Bewohner des Ortes durchleben mussten. Schließlich gelang es der Hobbit-Wehr die Angreifer entgültig aus dem Ort zu vertreiben. Nachdem die anderen Landsleute sie Brände weitgehend gelöscht hatten, zogen sie sich in ihre noch intakte Häusern zurück. Es war im Morgengrauen, als gespenstige Ruhe einkehrte Als alles wieder sicher erschien, ertönte ein Horn. Die Türen der Häuser öffneten sich und zunächst vorsichtig betraten die Hobbits wieder die Straßen.

In der Scheune hockend, vernahm auch der junge Hobbit das Signal. Er verließ zögerlich sein Versteck und kehrte zum nächtlichen Ort des Geschehens zurück. Die anderen Einwohner des Ortes standen derweil regungslos und mit gebeugten Häuptern vor den Türen ihrer Häuser. Todo begann sofort nach seinem alten Herrn zu suchen. Er fürchtete irgendwo den toten Körper seines Vaters vor zu finden. Doch obwohl er jeden Winkel absuchte, konnte er diesen nicht finden.

Am nächsten Morgen trafen die Tuks aus Langgrund ein, die informiert worden waren. Sie nahmen sich des erschöpften Hobbits an und brachten ihn später auf sicheren Weg zurück nach Hause.

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XVI. Ein Funken Hoffnung

Es war eine seltsam anmutende Gruppe, die sich durch die stille Nacht bewegte. Vorne an marschierten ein Dutzend große bewaffnete Männer. Dahinter folgten sechs kleine Hobbits, die mehr stolperten als liefen. Das lag an den Fußfesseln, die man ihnen angelegt hatte. Hinter ihnen liefen noch ein paar weitere bewaffnete Männer. Diesen bereitete es offenbar ein großes Vergnügen, die Kleinen vor sich her zu schubsen. Mancher unter den Hobbits stolperte dabei auch mal über die eigenen Füße und fiel die Länge hin. Das veranlasste dann die großen Männer ihn mit Hieben oder Tritten zu drangsalieren, bis dieser wieder auf die Beine kam. Dennoch ertrugen die Halblinge erstaunlich ruhig die Misshandlung, die ihnen so zugefügt wurde. Dieser Marsch dauerte zwar Stunden, doch zum Erstaunen der großen Männer zeigten aber die gefangenen Hobbits kaum Anzeichen von Ermüdung. Das lag wohl daran, dass Hobbits bis zu 50 Meilen täglich zu Fuß zurücklegen konnten, ohne schlapp zu machen. Nicht desto trotz war es kein Marsch, den die Halblinge genossen. Zu tief saß noch der Schreck über den unerwarteten Überfall auf ihren Ort, der sie aus heiterem Himmel erwischt hatte. Den Wenigsten unter ihnen war inzwischen bewusst, was eigentlich geschehen war. Einige waren noch im Tiefschlaf gewesen, andere hatten noch bei einer Pfeife am Kamin gesessen, als die großen Fremden in ihre Häuser eingedrungen waren. Man hatte sie aus ihrem gewohnten Alltag herausgerissen und zudem verschleppt. Alle waren perplex gewesen, da sie bisher der Annahme gewesen waren, dass sich solch ein Ungemach wie einst niemals wiederholen konnte. Sie hatten lange auf den Schutz durch die Menschen des Königreichs vertraut. Die Annahme des kleinen Volkes in Frieden mit den Menschen leben zu können, war nun für die kleine Gruppe aus Hobbits dahin. Zudem gingen die Strolche recht unsanft mit den Angehörigen des Kleinen Volkes um, was diese sicher ihr Leben lang nicht vergessen würden.

Nachdem die Truppe ein paar Stunden lang mit unbekanntem Ziel marschiert war, kam der Zug plötzlich zum Stehen. Der Anlass dafür war eine Gruppe Reiter, die sich ihnen näherten. Es waren ein Dutzend bewaffneter Männer in dunklen Rüstungen und schwarzen Helmen. Den gefangenen Hobbits wurde bei diesem Anblick noch unwohler zumute. Nicht wenige stellten sich in diesem Augenblick die bange Frage, ob sie ihr Zuhause jemals wieder sehen würden. Angesicht ihrer momentanen Lage war das mehr als fraglich. Ein Versuch zur Flucht schied aufgrund ihrer Fesselung derzeit aus. Selbst wenn diese nicht vorhanden gewesen wäre, hätte sicher ein solcher Versuch ihren Tod bedeutet. Auch wenn Hobbits die Fähigkeit eines lautlosen Gang verfügten, waren selbst diese Eigenschaften augenblicklich nicht von großem Nutzen. Ihre Entführer hielten sie ununterbrochen im Auge und hätten sie sofort wieder ergriffen. So blieb den Halblinge nichts anderes übrig als sich der derzeitigen Situation zu fügen und das Beste daraus zu machen.

Die Reiter auf ihren Pferden kamen einige Meter vor ihnen zum Stehen. Dann löste sich ein Mann aus der Gruppe und ritt näher. Dicht vor der Gruppe aus Hobbits und Menschen stoppte er sein Ross. Einer der Männer löste sich aus dem Zug und schritt auf den Reiter zu. Die Hobbits tippten darauf, dass es sich dabei um den Anführer handeln musste. Während der Anführer sich leicht vor dem Reiter verneigte, musterte dieser zunächst schweigend die seltsame Gesellschaft. Dann blickte er zum Anführer der Gruppe herab, wobei von seinem Gesicht nicht viel zu erkennen. Dafür war umso deutlicher sein dunkles und raues Lachen zu vernehmen, das seine Worte voraus eilte.
"Ich sehe, du hast Beute gemacht, Dalios! Wie ich feststelle, handelt es sich dabei offenbar weder um Gold noch um Silber. Stattdessen bringst du mir ein Häufchen Halblinge. Na ja besser wenig als gar nichts." Der Spott, der dabei mit schwang, war unüberhörbar. Dalios zuckte mit Achseln.
"Tja, Gold oder Juwelen wäre mir auch lieber gewesen als dieser Sack voll Hobbits.", erwiderte Dalios grimmig. "Hättet ihr uns beauftragt die Minen von Gwyor Kaazar zu überfallen, wäre die Ausbeute sicher ergiebiger gewesen." Bei den erwähnten Minen von Gwyor Kaazar handelte es sich übrigens um das Königreich der Zwerge in den Eisenbergen. Der Reiter betrachtete erneut die Reihe der Strolche.
"Lächerlich. Das glaubst wohl nur du, Dalios. Übrigens, ich vermisse einige deiner Männer. Sag bloß, die sind im Kampf gefallen? Wenn du schon nicht mal mit einer Meute Halblinge fertig wirst, wie willst du dann mit den Zwergen in den Eisenbergen fertig werden?!", spöttelte der Reiter. Diese Bemerkung erwischte Dalios eiskalt und er musste schlucken. Dass ihn sein Herr vor versammelter Mannschaft so demütigte, erzürnte ihn innerlich. Am Liebsten hätte er sich auf diesen gestürzt, aber das hätte sicher seinen sofortigen Untergang bedeutet. Also verbarg er seinen Zorn herunter und machte gute Miene zum bösen Spiel..
"Tut mir leid Herr, dass ich euch nichts Wertvolleres beischaffen konnte.", erwiderte er scheinbar demütig. Der Reiter wurde daraufhin in seiner Wortwahl versöhnlicher.
"Nicht unbedingt, Dalios. Mein Herr wiederum wird sich sicher über diese Ausbeute freuen." Daraufhin blickte Dalios den Reiter erleichtert an.
"Ja, wird er das?", hakte er erstaunt nach. Der Reiter nickte.
"Ja, das wird er. Soviel ich weiß gelten das Auenland und seine Bewohner seinem besonderen Interesse. Warum, weiß ich nicht. Ich persönlich würde sie den Wölfen zum Fraß vorwerfen. Mehr sind sie inm meinen Augen nicht wert. " Während dieser Worte sah er die Gruppe aus Halblinge auf eine Weise an, die diese frösteln ließ.
"Und was geschieht nun, Herr?", fragte Dalios ungeduldig. Er hatte nämlich keine Lust hier Wurzeln zu schlagen. Er und seine Männer hatten nicht nur Hunger und Durst sondern waren auch müde geworden. Sie brauchten eine Rast.
Als hätte der Anführer der Reiter seine Gedanken erraten, meinte dieser: "Diese Nacht werden wir nicht weiter reiten. Ich und meine Männer haben in der Nähe eine verborgene Höhle entdeckt. Dort werden wir Rast machen." Nicht nur Dalios Männer waren über diese Worte erleichtert. Auch der Gruppe Hobbits erschien es trotz ihrer misslichen Lage nach dieser fürchterlichen Nacht eine Wohltat endlich etwas Ruhe finden zu können. Auf das Zeichen des Anführers setzte sich die Truppe dann in Bewegung.

Während sie ihren Weg fortsetzten, tat sich am dunklen Himmel etwas. Zunächst bemerkte noch keiner den dunklen Schatten, der hoch oben über ihnen kreiste. Dieser hatte die Gruppe bereits aus einem verborgenen Versteck heraus beobachtet. Nun hatte dieser es verlassen, um ihnen zu folgen. Die Männer waren ganz in Gedanken an ein fettes Mahl, das sie erstmal abhalten würden, wenn sie den Rastplatz erreichten. Derweil näherte sich der fliegende Schatten am Himmel dem Boden. Es war einer der Reiter, die ihn zuerst bemerkte und Alarm schlug. Abrupt stoppte man die Pferde und alles richtete seinen Blick gen Himmel. Die Männer auf ihren Tieren machten umgehend ihre Bögen schussbereit und warteten nur noch auf ein Signal ihres Anführers. Dieser zögerte aber, da dieses Geschöpf sich noch außer Reichweite der Pfeile befand.

Auch die Hobbits hatten das große Geschöpf am Himmel entdeckt. Anders als die großen Männer beschlich sie aber kein unwohliges Gefühl dabei. Stattdessen keimte ein kleiner Funken Hoffnung in ihren Herzen auf. Warum, das wussten sie nicht ganz so genau. Neugierig beobachteten sie das Geschöpf, das unbeirrt seine Bahnen am nächtlichen Himmel flog. Aufgrund ihrer guten Augen glaubten sie in dem Wesen einen Adler erkennen zu können. Von diesen Geschöpfen fanden sich wundersame Erzählungen in den Geschichtsbüchern des Auenlandes. Jedes Kind in der Heimat kannte das legendäre "Rote Buch der Westmark". Darin wurde von den Taten dieser Geschöpfe erzählt, die nicht nur an berühmten Schlachten teilgenommen hatten. Jahrhunderte hatte man sie nicht mehr in Mittelerde gesichtet, sie bereits als ausgestorben erklärt. So war es nunmehr eine große Überraschung für die Hobbits einen Solchen erblicken zu können. Natürlich betrachteten die Strolche anders als die Hobbits das Geschöpf ausschließlich als potenzielles Beutetier.

Der Adler schwebte näher. Warum er das tat, war nicht zu ergründen. Dennoch geriet er so in die Schussweite der Bögen. Der Anführer gab sofort das Signal und plötzlich sirrten Dutzende von Pfeile durch die Luft. Im nächsten Moment stoppte das Tier seinen Flug, taumelte und setzte zum Sturzflug an. Dalios und seine Männer johlten vor Vergnügen, glaubten sie doch das Vieh getroffen zu haben. Die Gruppe Hobbits verfolgte derweil entsetzt das Geschehen, denn für sie und ihr Volk waren die Natur und ihre Geschöpfe heilig. Daher erfüllte sie augenblicklich Zorn über diese Menschen und ihr Verbrechen. Je tiefer das Geschöpf sank, desto überraschter war man über die wahre Größe des Tieres. Er war viel größer als ein gewöhnlicher Vogel. Manch einem Mann unter der Truppe wurde angesichts dieser Ausmaße des Vogels etwas bange ums Herz. Um nicht erschlagen zu werden, öffneten die Reiter ihre Reihe und postierten sich in einem notwendigen Sicherheitsabstand um die mögliche Absturzstelle. Mit einem so großen Tier hatte eben keiner gerechnet. Nicht desto trotz wuchs die Freude unter den Strolchen über den gemachten Fang. Das würde mit Sicherheit ein festliches Mahl werden.

Da geschah aber etwas, womit keine gerechnet hatte. Wenige Meter über den Köpfen der Männer stoppte der große Adler plötzlich seinen Sturzflug. Hatte man ihn für erlegt geglaubt, wurden die Zuschauer nun eines Besseren belehrt. Der Adler breitete unerwartet seine gewaltigen Schwingen aus und rauschte mit seinem großen Körper über die Köpfe der Reiter hinweg. Der dabei entstehende Windstoß war so gewaltig, daß einige Männer auf ihren Pferden das Gleichgewicht verloren und hinab fielen. Der Adler machte kehrt und stieß erneut angriffsbereit herab. Plötzlich packte er mit seinen mächtigen Krallen einen Reiter und hob ihn vom Pferd. Der Adler samt dem Bündel Mensch hob gen Himmel ab. Während Darios und sein Herr damit beschäftigt waren, Ordnung in der Truppe wieder her zustellen, beobachteten die Hobbits derweil gebannt den Flug des Vogels und seine zappelnde Beute. Inbrünstig hofften sie auch, es mögen weitere geflügelte Retter erscheinen und sie aus ihrer Lage befreien. Leider blieb dieser Wunsch aber unerfüllt. Mitten in der Luft öffnete der Adler unerwartet seine Krallen und ließ das Bündel Mensch gen Boden fallen. Dieser stieß einen gellenden Schrei aus, der erst erstarb, als auf den Boden aufprallte und tot liegen blieb. Außer sich vor Zorn feuerten die Männer eine weitere Salve Pfeile ab, die aber ohne Wirkung blieb. Der große Adler schwebte von dannen und war bald nicht mehr zu sehen.

Stille kehrte ein. Darios Männer eilten zu dem Toten, um ihn aufzuheben. Der Anführer der Reiter aber gebot dem Vorhaben mit einer herrischen Geste Einhalt.
"Lasst ihn liegen. Wir können uns nicht mit Toten beladen!" Die Männer wollten zwar zuerst protestieren, doch unterließen es auf Darios Wink. Sein Herr war dafür bekannt, dass er keinen Widerspruch duldete. Es sei denn, ein Mann hatte Lust das Schicksal des toten Mannes zu teilen. Nachdem die letzte Aufregung sich gelegt hatte, setzte die Truppe ihren Weg fort.

Schließlich erreichten sie den Ort ihrer geplanten Rast. In der Tat war es eine Höhle, der man von Außen ihre Ausmaße nicht ansah. Die Reiter stiegen ab und führten ihre Pferde in die Höhle. Dort angekommen, entzündete man ein Dutzend Fackeln, die im Boden befestigt wurden. Während die Hobbits in einer Ecke zusammen gepfercht wurden, machten sich Darios Männer derweil daran, genügend Holz für das Feuer aufzutreiben. Später entzündete man in dem Versteck ein Feuer und versammelte sich darum. Für das bevorstehende Mahl hatte man Kaninchen und Hasen erlegt. Natürlich waren sie für die hungrigen Männer keinen Ersatz für den Adler, den sie jetzt lieber am Spieß gebraten hätten. Da ihnen aber dieser Happen durch die Lappen gegangen war, mussten sie eben mit dem vorhandenen mageren Fleisch Vorlieb nehmen. Zu ihrem Trost hatten sie aber genügend Schnaps dabei, mit dem sie ihren augenblicklichen Frust hinunter spülen konnten.

Während die Männer sich wenig später dem kargen Mahl zuwandten, hockten die armen Hobbits gefesselt in der Ecke. Ihnen knurrte der Magen nicht minder, doch die großen Männer machten keine Anstalten, ihnen etwas von ihrem Mahl zu überlassen. Das war mit Sicherheit das Schlimmste, was man den kleinen Geschöpfen antun konnte. So kauerten die Hobbits dicht an dicht am Boden und ließen erschöpft die Köpfe hängen. Den Menschen blieb dies nicht unbemerkt. Statt aber das Leid der Kleinen zu mildern und Erbarmen zu zeigen, amüsierten sie sich nur diebisch darüber. Dass Menschen so grausam sein konnten, hätte sich keiner der anwesenden Halblinge in seinen kühnsten Träumen vorgestellt. So blieb den kleinen Hobbits nichts Anderes übrig, als da zu hocken und den Menschen zu zuschauen. In ihren kleinen Gesichtern war Abscheu und Zorn gegenüber diesen Menschen zu lesen. Sollten sie jemals hier lebend herauskommen, würden sie es wieder tunlichst meiden. Eben so, wie es Hobbits zu früheren Zeiten getan hatten.

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XVII. Das Geschenk

Zwei Tage nach jenem Überfall. Noch immer waren die Spuren des vergangenen Überfalls noch überall sichtbar. Viele hatten zwar wieder ihr normales Tagesgeschäft aufgenommen, doch fiel es den Meisten noch schwer an etwas Anderes zu denken als an jenen Vorfall. Nicht, dass die Hobbits nicht schon in der Vergangenheit solche Erfahrungen gemacht hatten. Die Geschichte von der "Schlacht von Wasserau" war den Auenländern wohl bekannt und wurde in den Gaststätten bis heute immer wieder erzählt. Der neue Überfall aber war heimtückisch und plötzlich erfolgt. Man hatte die fremden Soldaten des Großen Volkes zwar gesehen, wusste aber nicht wer sie entsandt hatte. Aus dem Königreich der Dunedain kamen sie bestimmt nicht, denn dieser war wie ihre Vorfahren seit eh her Freunde des Kleinen Volkes. Trotz aller Nachforschungen hatte der Auenländische Rat bisher nichts Näheres herausfinden können. Als Konsequenz des Vorfalls wurden die Grenzpatrouillen sehr verstärkt und die Hobbit- Wehr in permanente Bereitschaft versetzt. Auch hatte Willigar Stolzfuß einen Boten nach Minas Tirith entsandt um den König zu informieren.

Alle diese Maßnahmen kamen aber für jene zu spät, die bei dem Überfall ums Leben gekommen waren. Die äußeren Schäden in Froschmoorstätten wurden rasch behoben, doch der tiefe Schmerz der Hinterbliebenen ließ sich nicht mildern.

Zu ihnen gehörte Todo Braunlock, dessen Vater ja verschollen war. Seit zwei Tagen saß er nun allein in elternlichen Haus. Während dieser Zeit hatte er nicht viel gegessen und wenig Schlaf gefunden. Er sah blass aus. Zwar war sein Freund Ferdi öfters mal erschienen, um ihn aufzumuntern, doch gelungen war es ihm kaum. Todo bewegte sich in diesen stillen Stunden durch die Räume wie ein Fremder, betrachtete dabei lange die Gegenstände und Möbel; insbesondere den kleinen Sessel nahe des Kamins, denn dort hatte sein Vater all abendlich gesessen und Pfeife geraucht. Nun aber blieb er leer. Obwohl er schon seit Geburt hier lebte, erschien ihm alles in diesen Stunden fremd und anders als sonst. Irgendwie leerer als sonst, obwohl alles Gewohnte noch vorhanden war. Es lag wohl an seiner Trauer, dass er es als Solches empfand. Unruhig ging er auf und ab, war ganz in Gedanken an Vergangenes versunken.

Es wurde Abend und Todo entzündete ein Feuer im Kamin. Er bereitete sich einen Tee zu und hockte sich vor das Feuer. Er starrte in die lodernden Flammen des Feuers. Langsam aber allmählich kehrte trotz aller Trauer die Einsicht in ihm zurück, dass das Leben weitergehen würde. Todo besann sich dessen, dass er ein Hobbit war. Und als solcher war eigentlich Frohsinn und Freude seine Natur. Außerdem war gerade diese eigentlich das Vorbild für das Denken eines Hobbits. Dinge vergingen und Neues erwuchs. So war der Lauf des Lebens. Es lag nun an ihm, was er aus der Situation machte. Sein Vater hatte dies alles hier von mühsamer Hand aufgebaut und geliebt. Es lag ihm sicher am Herzen, dass der Sohn sein Erbe bewahren und erhalten würde. Dessen besann sich der junge Mann, als sein Blick durch den Wohnraum streifte. So entschied er sich das Beste aus dieser Situation zu machen und seine ganze Kraft der Erhaltung seines Zuhauses und der zugehörigen Tabakfelder zu widmen. Mit diesem kleinen Schimmer von neuer Hoffnung ging er später zu Bett.

Als er am nächsten Tag erwachte, war die Trauer ein wenig verflogen und die Kraft war zurückkehrte. Als Erstes bereitete er sich ein ordentliches Frühstück zu, denn ohne was Ordentliches im Magen konnte er die anstehende Arbeit wohl kaum bewältigen. Und wie ein Hungertuch wollte er auch nicht herum laufen, das machte in der Nachbarschaft kein gutes Bild. Nachdem er gefrühstückt hatte, entschied sich Todo seinen Nachbarn, den Tuks, einen Besuch abzustatten. Als er an die Haustür klopfte, öffnete kurze Zeit später Ferdis Mutter Amirilla. Freude huschte über ihr Gesicht, als sie ihn erblickte.
"Einen wunderschönen guten Tag, junger Mann!" Todo grüßte zurück und erkundigte nach seinem Freund. Amirilla machte einen bedauernden Gesichtsausdruck und schüttelte den Kopf. "Tut mir leid, junger Mann, aber unser Junge ist unterwegs." Etwas enttäuscht wollte er sich wieder zum Gehen umdrehen, als ihn Amirilla davon abhielt. "Sag, mein Junge, willst du nicht doch einen Moment mit hinein kommen. Ich hab gerade ein paar Käsehäppchen zubereitet. Und frisch aufgebrühten Tee gibt es auch. Willst du nicht davon probieren? Ich würde mich darüber sehr freuen."

Er bekam ein wenig glänzende Augen als er dies vernahm und ließ sich nicht zweimal bitten. Er trat ein, gefolgt von Frau Amirilla, die zuvor die Haustür schloss. Sie führte ihn in das Wohnzimmer, wo zu seiner Überraschung Till Tuk in einem Sessel saß und Pfeife rauchte. Als er Todo eintreten sah, blickte er etwas überrascht auf.
"Sieh an, Herr Nachbars Sohn! Was verschafft uns die Ehre deines Besuches?" Todo erklärte daraufhin den ursprünglichen Grund seines Besuches. Und dass Frau Amrilla ihn wiederum zu Häppchen und Tee eingeladen habe. Till Tuk lächelte wissend und wies auf einen weiteren leeren Sessel. "Eine gute Idee, mein Junge. Meine Frau macht nämlich die besten Käsehäppchen weit und breit. Aber nimm doch bitte erstmal Platz, Nachbar!". Der junge Hobbit folgte gern der Aufforderung und ließ sich in den bequemen Sessel nieder. Soeben erschien die Hausherrin mit einem großem Tablett und einer dampfenden Teekanne. Diese stellte sie auf einen kleinen Tisch zwischen den beiden Männern. Dann eilte sie noch mal in die Küche und kam mit zwei Teetassen zurück.
"Na denn wünsche ich euch beiden einen guten Appetit! Ich hab leider noch in der Küche zutun." Sie ließ die Beiden alleine. Die Männer bedienten sich an den Häppchen und gossen sich dazu einen heißen Tee ein. Todo probierte und war sofort angetan. In der Tat schmeckte es vorzüglich. Auch der angebotene Tee war ebenfalls hervorragend. Dem Jungen war an zu merken, wie gut es ihm schmeckte.
"Bediene dich ruhig, Junge! Es ist genügend da. Wenn du fertig bist, möchte ich dir gern etwas zeigen. Vorausgesetzt du willst nicht schon wieder gehen." Till sah ihn fragend an.
"Nein, warum? Ich hab eh nichts Besonderes vor." Sein Gegenüber quittiertes dies mit einer zufriedenen Lächeln. Doch zunächst ließ er den jungen Mann auf essen. Nach dem Mahl erhob er sich und forderte dem Besucher auf ihm zu folgen.

Gemeinsam verließen sie die Wohnstube und gingen in den Anbau hinter dem Haus. Hier war der Junge noch nie gewesen. Kaum trat er über die Schwelle des fremden Raumes, musste er auch schon erstaunt inne halten. Vor und über sich sah er unzählige Regale voll von eigens gefertigten Tabakpfeifen. Sie waren ordentlich neben einander aufgereiht und eine schöner als die Andere. Tuk senior stellte sich neben dem jungen Mann und nahm dessen Erstaunen entzückt zur Kenntnis. Er ließ dem Jungen zunächst Zeit sich die Vielfalt an Pfeifen anzusehen. Dieser schritt langsam von Regal zu Regal und besah sich voller Bewunderung die kleinen Gegenstände. Nach einer Weile wandte er sich fragend an Till Tuk.
"Habt ihr die alle selbst gefertigt?" Till nickte zur Bestätigung. "Oh Mann, die sind wunderschön. Was anderes kann ich dazu nicht sagen. Aber sag mir, wie stellt man eigentlich eine solche Pfeife her? Steckt bestimmt eine Menge Arbeit drin, nicht?" Till nahm eine Pfeife aus dem Regal und drehte sie andächtig in den Händen.
"Ja, da steckt eine Menge Arbeit drin. Allerdings betrachte ich es nicht als Solches. Vielmehr ist es eine große Vorliebe von mir, die ich mit viel Sorgfalt und Liebe betreibe. Nun, du möchtest sicher gern wissen, wie man sie herstellt. Dann werde ich es versuchen dir mal kurz zu erklären. Für den Bau einer solchen Tabakpfeife verwende ich nur sehr stabile Holzsorten, denn es muss nämlich hart und hitzebeständig sein. Natürlich mach ich mir zunächst eine genaue Vorstellung davon, wie die Pfeife einmal aussehen soll. Diese Vorstellung bringe ich dann zu Papier. Dann geht es ans Werk. Zuerst schneide ich zunächst aus dem ausgesuchten Holz lange kleine Blöcke, die als Rohlinge für die Pfeife dienen. Als Nächstes bohre ich anschließend kleine Löcher für die Brennkammern und das Zugloch. Danach schneide ich die grobe Form der Pfeife zu. Dazu verwende ich auch die Dreh- oder Drechselbank, die du vor dir siehst. Dabei kann ich zugleich, falls vorhanden die ersten Schönheitsfehler erkennen. Eventuelle Risse oder Sand und Steineinschlüsse im Holz schleif ich dann sofort weg. Andere Stellen sind auch mal nicht so einfach zu entfernen. Die muss ich halt dann ausbessern. Zum Schluss erfolgen dann noch Farbgebung und Lackarbeiten. So das wäre es in Kürze über die Herstellung einer Pfeife, Junge."

Braunlock junior hatte die Ausführungen seines Nachbars aufmerksam und interessiert verfolgt. Er würde zwar noch gern mehr erfahren, aber es wurde langsam Zeit, dass er sich wieder auf den Weg nach Hause machte. Der Hausherr bemerkte dies, hielt den jungen Mann aber noch einen Moment vom Fortgehen ab.
"Bevor du gehst, junger Mann, möchte ich dir aber noch etwas geben." Todo blickte den älteren Mann verwundert an.
"Du willst mir etwas geben?" Till nickte und wies mit den Händen auf die Menge von Tabakpfeifen.
"Such dir eine aus, egal welche. Sie soll dir gehören." Der Junge war über dieses Angebot überrascht. Das Angebot war ernst gemeint. So ging er die Regale mit den Pfeifen ab. Wie gesagt, eine war schöner als die Andere. Zunächst konnte sich der Junge gar nicht so echt entscheiden. Dann aber fiel sein Blick auf eine Pfeife, die ihm besonders ins Auge stach. Es war eine braune Pfeife mit schönen Verzierungen. Er deutete auf sie und Tuk senior nickte. "Dann nimm sie dir, Junge! Wie gesagt, sie soll nun die deine sein." Der Nachbarjunge folgte der Aufforderungen und nahm die Pfeife in die Hand. Er wollte etwas fragen, doch der ältere Hobbit winkte freundlich ab. Er bedankte sich und verabschiedete sich anschließend von Till, wobei er nicht vergaß noch mal bei seiner Frau Amrilla in der Küche vorbei zu sehen. Danach machte er auf den Weg nach Hause.

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XVIII. Ein Floßfahrt mit Tücken

Zwei Tage später. Todo war gerade mit der Pflege seines Ponys Peonie beschäftigt, als unverhofft sein verschollener Freund bei ihm auftauchte.
"Guten Morgen, Nachbar! Wie geht es dir?" Dies sagte er mit solch ungewohnter Heiterkeit in der Stimme, die jegliche trübe Stimmung umgehend verfliegen ließ.
"Auch dir eine schönen Morgen, Herr Tuk! Wenn du da bist, geht es mir um ein Vielfaches besser.", erwiderte der junge Hausherr lächelnd. Sein Kumpel fühlte sich ein wenig geschmeichelt. Er hockte sich auf einen Baumstamm und beobachtete interessiert sein Gegenüber dabei, wie dieser Peonies Fell sorgfältig ausbürstete.
"Hm, so fleißig am frühen Tag?" Todo hielt einen Moment inne und blickte seinen Freund amüsiert an.
"Was man von dir wohl nicht sagen kann, Herr Nachbar. Sag mal, wo hast du eigentlich die letzten Tage gesteckt? Ich hab nach dir gesucht, aber du warst wie vom Erdboden verschluckt." Ferdi setzte daraufhin eine veilsagende Miene auf.
"Tja, sicher. Ich hatte viel zu tun."
"Darf man denn fragen, was?", entgegnete Todo neugierig.
"Natürlich darfst du das.", erwiderte der Gefährte fröhlich.
"Ich habe mir etwas gebaut. Du wirst staunen, Todo." Der Andere unterbrach seine Tätigkeit und war ganz Ohr.
"Na dann raus mit der Sprache, Herr Nachbar! Was hast du denn da Tolles gewerkelt?" Tuk junior liebte es seine Bekannten auf die Folter zu spannen und ließ sich etwas Zeit mit der Antwort.
"Du wirst es nicht glauben aber ich habe ein Floß gebaut." Sein Freund sah ihn ungläubig an.
"Ein Floß?" Ferdi nickte stolz.
"Ja, ein Floß. Und es ist sogar für eine Fahrt auf einem Fluss geeignet, ob du es glaubst oder nicht." Todo spielte mit der Haarbürste in seinen Händen.
"Hast du das ganz alleine fertig gebracht?" , erkundigte sich sein Kumpel beeindruckt.
"Ähm, nicht ganz alleine muss ich gestehen.", erwiderte Ferdi verlegen. "Du kennst doch sicher unsren alten Grigori Blecker, den Tüftler und hervorragenden Handwerker im Ort. Er ist mir dabei etwas zur Hand gegangen." Todo hätte es auch schon arg verwundert, wenn sein Freund das Floß ganz alleine angefertigt hätte. Ein Solches zu bauen war nämlich nicht einfach und erforderte schon enorm handwerkliches Geschick.
"Und was hast du damit vor, Nachbar?", hakte Todo nicht minder neugierig nach.
"Nun ich habe vor eine Floßfahrt zu machen. Und zwar zusammen mit dir. Wäre doch eine schöne Sache in solchen trüben Tagen, oder?"

Der Angesprochene glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Er und eine Flussfahrt? Schon der Gedanke an fließendes Wasser machte ihn schwindelig. Nie und nimmer würde man ihn auf so ein schaukelndes Etwas bringen. Ihm war das Unwohlsein dem Gesichtsausdruck nach anzusehen. Dies entging auch seinem Freund nicht, der daraufhin schief guckte.
"Was siehst du mich so komisch an?", fragte Todo irritiert.
"Na ja, weil es schon merkwürdig finde. Da will man dir eine Freude machen und du reagierst mit Ablehnung. Außerdem frag ich mich was du eigentlich bist. Ein Mann oder eine Memme?", erwiderte Ferdi ärgerlich. Diese Worte waren offenbar zuviel. Sein Freund sah ihn erst zornig an, dann wandte er sich schweigend ab.
Todo widmete sich wieder dem Bürsten seines Ponys und ignorierte den Gast Es folgte ein Moment des eisigen Schweigens. Dieses Schweigen gefiel Ferdi aber überhaupt nicht und prompt schlug er wieder versöhnlichere Worte an. "Hey, Kumpel! Was ist los? Habe ich dich beleidigt? Wenn ja tut es mir leid, was ich dir eben an den Kopf geworfen habe! Also verzeih mir bitte!" Todo war zwar noch immer etwas beleidigt, aber die sanfte Stimme und der treuherzige Blick seines Freundes ließen schnell den Zorn verrauchen.

Schließlich legte er die Bürste weg und hockte sich neben seinen Gefährten hin. Erst starrte Todo einen Moment zu Boden, dann hob er den Kopf und blickte Ferdi eine Weile etwas deprimiert an.
"Vielleicht hast du Recht, Ferdi. Vielleicht bin ich wirklich ein Memme. Ich bin halt kein Tuk wie du. Zwar wäre ich gern auch mutiger, glaub mir. Aber es liegt nun mal nicht in meiner Natur. Und was ist das Leben überhaupt noch wert, wenn man etwas sehr Wichtiges verloren hat." Das klang verdammt nach Selbstmitleid, fand der junge Tuk, sprach es aber nicht aus. Es war etwas was er als Solches nicht weder akzeptieren noch teilen konnte.
"Das ist doch Unsinn, Todo! Mut oder Tapferkeit ist keine Frage der Natur oder Abstammung. Manchen wird diese Eigenschaft halt angeboren und in Manchem muss sie erst reifen. Doch deswegen muss dies doch kein Nachteil sein, oder? Und ich glaube, dass mehr Mut in dir steckt als du selbst erahnst. Ja, du hast etwas sehr Wichtiges verloren, das stimmt. Aber deshalb ist das Leben noch lange nicht sinnlos, glaub mir. Aber vielleicht hilft es dir, wenn du deiner Trauer mal freien Lauf zu lassen. Und es ist sicher keine Schande mal seine Gefühle zu zeigen. Das erklärte mir zumindest meine Vater mal vor langer Zeit, auch wenn Tuks sind ." Bei diesen Worten sah Ferdi seinen Gefährten aufmunternd an, dessen Augen sich plötzlich mit Tränen füllten. Das berührte ihn in diesem Moment so sehr, so dass er seinen Freund in die Arme zu nehmen. Im selben Moment entlud sich all der Schmerz, den Todo nun schon seit Tagen in seinem Herzen mit sich schleppte, in einen ungebremsten Weinkrampf. Ferdi strich ihm daraufhin tröstend durch das braune Haar und schwieg berührt

Es dauerte eine kleine Weile bis Todo sich beruhigte. Dann legte Ferdi seine Handflächen um den Kopf seines Freundes, und drückte diesen an den seinen, sodass sich beider Stirn berührten.
"Und? Fühlst du dich jetzt nicht besser?", fragte er. Todo nickte und wischte sich die Feuchtigkeit aus den Augen. "Na, siehst du. Jetzt sieht die Welt schon ganz anders aus. Du bist nicht allein, glaub mir. Ob du es mir glaubst oder nicht, du bist mir so lieb und teuer, als wärst du ein Bruder. Auch wenn manchmal der Tuk mit mir durchgeht. Ich werde immer an deiner Seite sein, ob in guten oder schlechten Tagen. Das verspreche ich dir. Es werden bessere Tage kommen, glaub mir." Ferdi verdrehte die Augen und grinste plötzlich.
"Oh Gott! Jetzt rede ich schon wie mein alter Herr!" Diese merkwürdige Äußerung veranlasste Todo in ein erlösenden Gelächter auszubrechen. Auch Peonie wieherte, als hätte sie jedes Wort der beiden verstanden. Ein Strahlen huschte über Ferdis Gesicht. "Siehst du, das klingt doch viel besser.", sagte Ferdi und erhob sich. "Also Junge. Lass uns eine Floßfahrt machen!"

Sein Gegenüber stimmte zu und stand ebenfalls auf. Gemeinsam machten sie dann den Wagen bereit. Während Todo seinem Pony Peonie das Geschirr anlegte, nahm sein Kumpel bereits oben auf dem Führerhaus Platz. Wenig später folgte er hinter her und nahm die Zügel in die Hand
"Sag mal. Kannst du damit überhaupt schon umgehen?", fragte Ferdi etwas misstrauisch.
"Natürlich, Nachbar! Das hat mir schließlich mein Vater beigebracht. Hehe, so unbeholfen wie du vielleicht denkst, bin auch nicht." Augenblicklich setzte sich das Gefährt in Bewegung.

Ferdi hatte gesagt, dass sich das Floß noch bei Grigori Blecker in Obhut befand. Also fuhren sie zunächst zum Haus des Handwerkers. Dieser hatte ihr Kommen schon bemerkt und kam soeben aus dem Haus, als sie abstiegen.
"Guten Tag ihr Beiden! Lasst mich raten. Ihr wollt sicher das Floß abholen." Todo und Ferdi nickten. "Na, wie ich mir gedacht habe. Dann folgt mir mal zu meinem Schuppen. Dort befindet es sich." Die beiden jungen Männer folgten Grigori zu seinem Schuppen. Als sie ihn betraten erblickte Todo erstmals das erwähnte Seegefährt und war schon ein wenig beeindruckt. Es war aus dicken Holzstämmen gefertigt und bot Platz für zwei bis drei Personen. Zwar war das mulmige Gefühl angesichts der bevorstehenden Floßfahrt nicht gänzlich aus ihm gewichen, doch andererseits verspürte er schon eine gewisse Lust auf das unbekannte Abenteuer zu Wasser.
"Wo wollt ihr es denn ausprobieren, junge Männer?", fragte Grigori neugierig nach.
"Wir wollen damit zum Brandywein.", erwiderte der junge Tuk. Der ältere Hobbit runzelte skeptisch die Stirn.
"Hm, seid ihr das sicher? Ich will euch zwar den Spaß nicht madig machen, aber der Fluss ist an machen Stellen doch recht tückisch. Dort gibt es mitunter starke Strömungen." Diese Bemerkung wiederum machte Todo erneut misstrauisch. Ferdi, der dies bemerkte, suchte Todos neue Zweifel schnell zu zerstreuen.
"Keine Angst. Ich kenne mich schon aus. Wird schon schief gehen!" Grigori wog nachdenklich den Kopf.
"Na ich hoffe, dass du recht hast, Junge."

Anschließend ging es daran, das Gefährt auf den nahen Wagen zu hieven. Dies war kein einfaches Unterfangen, denn es war recht sperrig und nicht minder schwer. Zu dritt aber schafften es die Hobbits, das Floß auf den hinteren Teil des Wagens zu heben. Nach getaner Arbeit nahmen Todo und Ferdi wieder auf dem Gefährt Platz. Sie baten Grigori, sie zu begleiten um das Boot später wieder herab heben zu können. Er nahm auf dem hinteren Teil des Wagens Platz und gemeinsam machte man sich auf zum nahen Fluss. Unterwegs im Ort trafen sie Wagen manch verwunderte Blicke von Landsleuten, doch die jungen Männer ignorierten diese einfach. Die Beiden machten etwas abseits des Ortes am Flussufer Halt. Zu Dritt hoben sie das Floß herab und brachten es zum Ufer. Hier befestigten sie es zunächst mit einem Strick, damit es nicht davon getragen wurde. Ferdi holte noch die große Holzlatte vom Wagen, womit er das Gefährt über das Wasser lenken würde. Grigori Blecker begleitete die jungen Hobbits noch zum Ufer. Die beiden Freunde bestiegen das Boot .
"Na denn viel Glück Euch beiden. Und viel Spaß." Mit diesen Worten verabschiedete man sich voneinander. Während Grigori sich heimwärts machte, löste Ferdi die Verankerung und die Flussfahrt konnte beginnen.

"Keine Sorge, Todo! Glaub mir, eine Flussfahrt, die macht einen Riesenspaß." Todo hoffte nur, dass Ferdi Recht behielt. Ferdi stieß die Holzlatte stetig ins Wasser, sodass das Floß in Bewegung kam. Zunächst schwebte das Gefährt ruhig durch das ruhige Wasser. Während sie dahin fuhren, erzählten sich die beiden Freunde lustige kleine Geschichte. Darüber vergaßen sie beinah ihre Umgebung und das Wasser im Auge zu behalten. So bemerkten sie kaum, dass das Floß immer weiter nach Westen Richtung Brandywein abdriftete. Je näher es dem Hauptfluss kam, desto mehr nahm die Strömung zu. Zu allem Überfluss zogen auch noch schwere Regenwolken am Horizont auf. Todo bemerkte dies zuerst und unterbrach seine Erzählungen.
"Sieh doch Ferdi! Es ziehen Wolken auf. Das sieht nach einem Unwetter aus. Wir sollten umkehren!" Sein Freund war aber von dieser Idee nicht angetan.
"Nu, das finde ich nicht, Todo! Diese bisschen Wolken werden schon vorbeiziehen. Lass uns unsre Fahrt noch ein wenig fortsetzen. Es ist doch so schön, oder nicht?" Todo war zwar nicht ganz wohl zumute, doch wollte er nicht wieder als Angsthase dastehen.
"Na gut, wie du willst. Fahren wir noch ein wenig." Zufrieden lenkte Ferdi das Gefährt weiter Richtung Westen. Sie erzählten sich als Ablenkung ein paar Witze. Unmerklich erreichte das Floß die Mündung zum Brandywein.

Plötzlich war es mit der Beschaulichkeit vorbei, was auch der sonst wagemutige Ferdi zu seiner eigenen Beunruhigung feststellen musste. Die Strömung nahm augenblicklich zu und riss das Gefährt mit sich. Auch die Regenwolken hatten sich über ihren Köpfen bedrohlich zusammengezogen. Der Wind frischte auf und erste Regentropfen fielen. Mehr und mehr entglitt ihnen die Kontrolle über das Boot. Es gelang ihm nicht mehr es zu manövrieren. Wenig später begann es in Strömen zu Regen. Auch ein erstes Donnergrollen am Himmel war zu vernehmen. Todo wurde mulmig zumute. Ein fürchterliches Unwetter entbrannte. Von einer Minute zu Anderen verloren die Hobbits endgültig die Kontrolle über das Floß und wurde zu beider Entsetzen nun zu einem Spielball des Wassers. Auch Ferdi konnte nicht länger aufrecht stehen, wenn er nicht in die reißende Flut mitgerissen werden wollte. Während das Gefährt immer heftiger durchgeschüttelt wurde, klammerten sich die beiden Freunde krampfhaft an den Holzbalken fest. Doch dies war alles andere als einfach, denn das Holz war inzwischen durchnässt und rutschig. Im grellen Licht der aufleuchtenden Blitze am Himmel sah Ferdi das von Angst gezeichnete Gesicht seines Freundes. Ihm selbst erging es kaum besser. Welch Torheit hatte ihn bloß geritten, nicht auf die Warnung Todos gehört zu haben. Dieser Gedanke ging ihm durch den Kopf, während um sie herum die Hölle tobte. Keiner der Beiden hatte noch viel Hoffnung mit dem Leben davon zu kommen. In diesem Moment der Todesangst tauchte vor Todos geistigem Auge das lächelnde Gesicht seines Vaters auf, der sich irgendwo da draußen in der Welt aufhielt. Es war ein aufmunterndes Lächeln, das Todo Mut machte. Es verschwand und er sah wieder das Gemisch aus Regen und aufpeitschendem Wasser um sich herum. Doch er beschloss nicht so ohne weiteres aufzugeben. Plötzlich geriet das Floß in einen Wasserstrudel und begann in rasender Geschwindigkeit sich um sich selbst zu drehen. Die beiden Hobbits hatten kaum noch Kraft sich länger festzuhalten. 'So sah wohl das Ende aus.', dachten sich Beide und ergaben sich ihrem Schicksal. Im selben Moment kam das Floß wieder zur Ruhe, wurde aber von einer Welle gepackt und gegen einen kleinen Felsen geschleudert. Im selben Augenblick wurde es den Hobbits schwarz um die Augen.

Als Ferdi später wieder zu sich kam und die Augen öffnete, hatte das Unwetter nachgelassen. Er richtete sich mühsam auf und ließ zunächst einen Blick über seinen Körper wandern. Zu seiner Verwunderung stellte er fest, dass noch alles an den richtigen Stellen saß. Allerdings hatte er unzählige Prellungen erlitten, die nicht minder schmerzten. Dann fiel ihm sofort sein Freund ein. Was war mit ihm geschehen. Blitzartig sah er sich um und blickte auf die zerstreut herumliegenden Überreste des Bootes. Und dazwischen lag zu seinem Erschrecken sein regungsloser Kumpel. Trotz der Schmerzen quälte er sich auf die Beine und lief hinüber. Sofort kniete sich Ferdi nieder und rüttelte Todo an den Schultern. Trotz mehrmaliger Versuche kam kein Leben in den daliegenden Körper des Freundes. Unter Kraftanstrengung wälzte er diesen auf den Rücken. Er stellte dabei fest, dass sein Freund nicht mehr atmete. Ferdi geriet nicht in Panik, sondern begann sofort mit beiden Händen leichten Druck auf dessen Brustkorb auszuüben. Er wiederholte den Vorgang mehrmals.
"Komm kleiner Hobbit! Gib nicht auf und atme bitte wieder!", flüsterte Ferdi dabei flehentlich. Schließlich, einem Wunder gleich, begann sich Todos Brustkorb tatsächlich wieder zu heben und zu senken. Leben kehrte in den kleinen Hobbit zurück, der begleitet von einem heftigen Husten einen Schwall Wasser ausspie. Langsam öffnete dieser die Augen und sah seinen Freund über sich gebeugt. In dessen Augen standen nun Freudentränen, was Todo zu einem ersten Lächeln veranlasste.
"Wer ist denn hier nun die Memme? Du oder ich?", flüsterte er Ferdi zu.
"In diesem Fall bin ich es nun wohl!", erwiderte Ferdi erleichtert. Nach einer Weile setzte auch Todo sich auf und ließ seinen Blick umherschweifen. Dabei entdeckte er die Überreste des Floßes um sich herum liegen.
"Das ist wohl alles was von unsrem Floß übrig geblieben ist. Schade eigentlich, denn inzwischen hab ich sogar etwas Freude an Bootsfahrten bekommen." Beide froren ein wenig in der durchnässten Kleidung. Dann musste er auch noch heftig niesen. "Oh je. Wir werden uns sicher eine böse Erkältung hier draußen holen", bemerkte Todo bibbernd.

Wo sie sich befanden, wussten sie nicht. Glücklicherweise hörte es nach einer kurzen Zeit auf zu regnen. Trotzdem blieb ihnen wohl nichts Anderes übrig, als die Nacht an diesem ungastlichen Ort zu verbringen. Da sie über keinerlei Decken oder Ähnliches verfügten, kauerten sie sich eng aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Schließlich übermannte sie der Schlaf.

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XIX. Wölfe im Auenland

Mitten in der Nacht wurde Todo plötzlich von sonderbaren Lauten geweckt. Während sein Freund offenbar noch schlief, richtete er sich neugierig auf und lauschte angestrengt. Zunächst blieb es still und die Laute wiederholten sich nicht. So wollte er sich gerade wieder hinlegen, als ein fürchterliches Geheul erklang. Also hatte sich Todo doch nicht verhört und blickte angestrengt in die Dunkelheit. Abermals erklang ein furchtbares Heulen, diesmal aber lauter als zuvor. Dem Klang nach musste es sich um einen Wolf handeln. Allerdings hatte es eine Ewigkeit keine Wölfe mehr im Auenland gegeben. Während Todo sich umblickte, sah er plötzlich einen schwarzen kompakte Schatten dicht über dem Boden um sie herumschleichen. Dieser stießen ein bedrohliches Knurren aus, was Todo zusammenzucken ließ.

Daraufhin rüttelte er seinen Freund wach, der zuerst verärgert reagierte. Als Todo ihm aber dann seine Beobachtung mitteilte, war auch dieser plötzlich hellwach. Beide sahen wie mehrere kleine gelbe Punkte in der Schwärze wie Lampen aufleuchtenden und die Freunde fixierten. Während sie sich noch Gedanken darüber machten, woher das Tier kam könnte, sah Ferdi einen schwarzen Schatten auf sich zu fliegen. Er spürte plötzlich einen heftigen Schlag, der seinen Oberkörper traf und ihn umwarf. Er fiel auf den Rücken und sah dicht über seinem Gesicht plötzlich zwei gelbe Augen, die ihn gefährlich anstarrten. Ein Maul mit dolchartigen Zähnen besetzt, entblößte sich. Ihm trieb es den Angstschweiß auf die Haut. Während das Maul des Tieres plötzlich nach ihm schnappte, drückte er instinktiv seinen Kopf zur Seite. Gleichzeitig krallten sich seine Hände in das dichte Fell des Wesens und versuchte es so von sich weg zu drücken. Doch es misslang, denn die Bestie war stärker als er angenommen hatte. Übelriechender Geifer drang dem Tier aus dem Maul und tropfte auf Ferdis Wangen. Der Hobbit löste seine Hände von den Flanken des Tieres und packte mit ihnen dessen Schädel. Die Bestie schlug daraufhin mit seiner, mit Krallen besetzter Pfote, nach ihm und traf seine Schulter. Ein heißer Schmerz durchflutete den Kämpfer und er spürte warmes Blut seinen Arm hinab rinnen. Ferdi ließ ein leisen Schrei von sich, was den Blutrausch des Tieres noch zu verstärken schien. Dessen Kopf kam dem Gesicht des Hobbit abermals gefährlich nah, bereit zu zubeißen.

Sein Freund wusste zunächst nicht wie er Ferdi helfen konnte. Keiner von Beiden trug eine Waffe mit sich, womit sie sich hätten verteidigen können. Andererseits verstand er sich seit Kindertagen auf den Steinwurf. Während Ferdi mühsam mit dem Angreifer rang, suchte sich Todo rasch ein paar faustgroße Steine zusammen. Dann fixierte er mit dem Stein den Kopf der Bestie und warf. Das Geschoss traf mit einem dumpfen Schlag sein Ziel. Mit einem wütenden Geheul, ließ der Wolf von Ferdi ab. Der Verwundetet hingegen rang nach Luft und quälte sich mühsam auf die Beine. Er schwankte fürchterlich und wäre wohl gestürzt, wenn der Kumpel nicht sofort zu ihm geeilt wäre. Ihr Blick fiel auf den Wolf, der regungslos am Boden lag. Sie hatten ihn erledigt. Doch die Gefahr war längst noch nicht gebannt. Todo besah sich derweil Ferdis Schulter und erfasste mit einem Blick dessen Verletzung. Sie sah Besorgnis erregend aus, doch war jetzt keine Zeit zum Ausruhen. Eines der Tiere hatten sie erledigt, aber weitere Viecher lauerten in der unmittelbaren Umgebung.
"Kannst du gehen, Ferdi?", fragte Ferdi besorgt.
"Ich werde es versuchen!", erwiderte Ferdi ächzend. Derweil mussten die anderen Tiere den Tod ihres Artgenossen gewittert haben, da man plötzlich ein vielfaches schauerliches Geheul vernehmen konnte. Die beiden Freunde mussten sich beeilen und liefen so schnell wie möglich auf die Ausläufer des Gebirges zu. Trotz der Verletzung versuchte Ferdi mit seinem Kameraden Schritt zu halten.

Schließlich erreichten sie die vor ihnen aufragenden Felsen. Erschöpft kletterten sie ihn hoch und ließen sie sich auf ihm nieder, während unten die Meute der Tiere unter ihnen sich sammelte. Hier waren die beiden Freunde zunächst sicher und hofften, dass ihre Verfolger bald die Lust verließen sie zu jagen. Ferdi saß derweil zusammen gekauert da. Seine Atmung klang erschwert und mühsam. Seine erlittene Wunde an der Schulter blutete noch immer und schmerzte sehr. Zeitweise vernahm Todo auch das leise Stöhnen seines Freundes. Dies veranlasste ihn etwas zu unternehmen, um die Blutungen zu stoppen. Leider hatte er nichts um die Wunde zu reinigen. Kurz entschlossen riss er ein großes Stück Stoff aus seinem Hemd heraus und verband damit notdürftig die Wunde. Er ließ sich nach getaner Arbeit neben seinem Freund nieder und beobachtete die Umgebung. Ihre Verfolger verschwanden nicht so schnell wie zuerst erhofft, sondern belauerten sie auch weiterhin.

Plötzlich entdeckte Todo in der Nähe eine kleine schwarze Öffnung im Felsen, unweit von ihnen entfernt. Es weckte sein Interesse und er stand auf, um sich die Sache näher anzusehen. Er ließ Ferdi zwar ungern allein, doch wollte er wissen wohin diese Öffnung führte. Als er dicht vor ihr stand, stellte er fest dass es sich bei der Öffnung um einen Höhlenzugang handelte. Sie war nicht groß, doch allemal breit genug für einen Hobbit. Er krabbelte ein Stück hinein, konnte aber nichts außer absoluter Finsternis erkennen. Zudem nahm er einen seltsamen Geruch wahr, der aus dem Innern strömte. Irgendwie roch es nach Verbrannten. Er kroch aus der Öffnung und kehrte zurück zu Ferdi, der sich die Hand an die verletzte Schulter hielt.
"Hör zu! Ich habe ganz in der Nähe einen kleinen Zugang gefunden." Sein Freund hob den Kopf und blickte Todo mit schmerzverzerrtem Gesicht an.
"Na denn geh ruhig. Ich bleibe hier!" Todo schüttelte missbilligend den Kopf.
"Ich werde dich doch nicht hier zurücklassen. Du kommst natürlich mit." Der Verletzte wollte widersprechen, doch sein Freund ließ ihn nicht dazu kommen. Todo half ihm auf die Beine, obwohl es diesem schwer fiel sich auf den Füßen zu halten. Gemeinsam bewegten sie sich auf die kleine Öffnung zu. Etwas zögerlich krochen beide hinein. Was sie wohl drinnen erwartete...

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XX. Tar Esrildurs Zusammenkunft

Inzwischen war König Esrildur von seiner Reise ins Auenland in die Hauptstadt seines Reiches zurückgekehrt. In den folgenden Monaten trafen neuerlichen Nachrichten vom Aufmarsch feindlicher Truppen an den Grenzen von Gondor ein. Zudem erfuhr er über neue unheimliche Vorgänge in Dun Maroth. Beide Entwicklungen erfüllten den alten König mit Sorge. So schritt er denn nachdenklich den Gang zwischen den Statuen seiner Ahnen auf und ab. Sie schmückten den noch immer glanzvollen Thronsaal im höchstgelegenen Gebäude der Stadt aus. Während der alte König die Halle durchquerte, waren nur die Geräusche seine Schritte zu vernehmen. Ansonsten war es außergewöhnlich still. Während er ging, war sein Blick Rat suchend den steinernen Gesichtern der Ahnen zugewandt. Als könnten sie ihm eine Antwort auf seine dringlichste Frage geben. Eine Antwort auf die Frage, wie er der neuerlichen Bedrohung aus dem Süden erfolgreich begegnen konnte. Zwar besaß Esrildur noch immer einen der Sehenden Steine, den einst Elessar in seinen Besitz gebracht hatte, doch fürchtete er sich davor, diesen einzusetzen. Zu sehr hatte der Blick in den Palantír die Wahrnehmung seiner früheren Besitzer getrübt und sie zu falschen Trugschlüssen verleitet. Nein, diesen Fehler wollte er nicht eingehen und hoffte stattdessen Antworten oder Lösungen in der eilends einberufenen Zusammenkunft zu finden. Als er sich der breiten eisernen Tür der Halle näherte, wurde diese plötzlich aufgezogen. Ein Mann seiner Turmwache trat ein und verneigte sich ehrfürchtig vor dem König.
"Mein König, verzeiht die Störung! Aber die Statthalter und ihre Heermeister sind eingetroffen." Esrildur begleitete seinen Soldat nach draußen. So eben erschienen im Torbogen zum Vorplatz tatsächlich mehrere Reiter, die teils in Rüstung aber auch in prächtigen bunten Gewändern gekleidet waren. Die Reiter stoppten ihre Pferde und stiegen langsam ab.

Die eingetroffenen Personen und ihre Begleiter waren dem König wohl vertraut und bekannt. Es waren nämlich die Statthalter aus allen Teilen des Königreiches, sowie ihre Heerführer. Da waren Balthasir aus Dol Amroth, Perilas aus Pelagir, Meledin aus Dun Maroth und Teclinéth aus Umbar. Einer allerdings war nicht unter ihnen, nämlich Talith, sein Statthalter. Dieser befand sich derzeit im persönlichen Auftrag des Königs in Aceloth, den Vorposten in Süd Ithilien. Zu seiner Freude war auch sein Sohn Esrilmir gekommen. Er schritt vorne weg auf seinen Vater und König zu. Dann blieb er dicht vor Esrildur stehen und küsste die Hand seines Vaters.
"Sei gegrüßt, Vater! Mit Freude bin ich Eurer Einladung gefolgt." Dann schwand das Lächeln etwas und seine Miene wurde ernst. "Die Anderen ich haben ebenfalls von den schlechten Neuigkeiten gehört. Und sei gewiss, dass sie und ich ebenso besorgt sind wie Ihr es seid." Der König nickte leicht.
"Darum habe ich diese Zusammenkunft einberufen. Die Zeit eilt, denn der neue Feind bedroht unsere Grenzen und ist stärker als zuvor geworden." Die übrigen Stadthalter blickten sich nach diesen Worten des Königs gegenseitig besorgt an. "Doch hier ist nicht der Ort diese Dinge zu besprechen, also folgt mir bitte!"

Während Esrildur vorne weg schritt, entging den übrigen Anwesenden nicht die leicht gebeugte Haltung des Regenten. Hatte sein Gang früher heroisch und stolz gewirkt, so war dieser mit dem Alter und der zunehmenden Belastung durch sein Amt gewichen. Als alle den Thronsaal betreten hatten, fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss. Inmitten der Halle waren mehre Stühle aufgebaut, in denen die Statthalter auf Bitten Esrildurs Platz nahmen. Neben ihnen postierten sich die Heerführer. Esrilmir ließ sich auf einen der vorderen Plätze nieder.
Zugleich nahm der König auf seinem Thron Platz und blickte einmal in die Runde der Getreuen, bevor er das Wort ergriff.
"Seid willkommen, meine Getreuen! Ihr möchtet sicher erfahren, warum ich euch einberufen habe. Wie ihr sicher gehört habt, ist an unseren Grenzen ein neuer Gegner aufmarschiert. Und er bedroht ernsthaft den Frieden, den meine Väter mühsam erkämpft haben." Die anwesenden Männer schwiegen betroffen. "Doch zunächst bitte ich das Stadtoberhaupt von Umbar, Kapitän Teclinéth, zu sprechen. Ich hörte, ihr habt Neuigkeiten." Teclinéth nickte und erhob sich.
"Oh ja, fürwahr, die hab ich, mein König! Vor kurzem hat mich dieser Anführer Aghanir el Drakim aufgesucht. Einen fürwahr seltsamen Mann, muss ich schon bemerken. Er hat mich aufgefordert mich ihm anzuschließen." Dabei rümpfte er die Nase. "Eine Unverschämtheit! Er hat mir als Lohn Land und Gut angeboten, falls ich darauf einginge. Aber seid versichert, ich und meine Korsaren sind euch treu ergeben. Drum habe ich abgelehnt und ihn der Stadt verwiesen. Zu allem Überfluss hat er mir daraufhin auch noch gedroht." Der Kapitän machte eine Sprechpause. Alle erwarteten gespannt Esrildurs Antwort.
"Das ist wirklich ungeheuerlich, was Ihr mir da berichtet. Habt ihr noch Weiteres zu berichten, Kapitän?" Der Mann nickte.
"Das hab ich König! Große Verbände aus Haradrim und Khandrim wurden von unsren Kundschaftern gesichtet. Es müssen Tausende sein. Sie marschieren durch den Harad nordwärts auf eure Grenzen zu." Ein erstauntes Raunen ging durch die Reihen der anwesenden Statthalter. Esrildur bedankte sich bei Teclinéth und bat ihn wieder Platz zu nehmen. Dann blickte er sein Gefolge wissend an.
"Ihr habt sicher auch bemerkt, dass einer unter euch fehlt. Talith, mein Statthalter von Minas Tirith. In diesen Minuten befindet er sich nämlich, auf mein Geheiß, in Süd Ithilien. Ich habe ihm auch die Verantwortung über den Vorposten und meine Truppen dort übertragen, um bei einem eventuellen Angriff unsre Grenzen zu verteidigen. Denn dorthin ist, wie ich jetzt höre, der neuen Feind mit seiner Streitmacht unterwegs." Ein erneutes unruhiges Raunen und Murmeln ging durch die Reihe der Anwesenden, bis schließlich Esrildur die Gäste zur Ruhe aufforderte.

Gerade wollte er in seiner Rede fortfahren, als die Tür plötzlich aufgestoßen wurde und ein weiterer Mann eintrat. Die Anwesenden drehten zunächst erschrocken die Köpfe, blickten dann aber missbilligend dem scheinbaren Störenfried entgegen. Der Ankömmling selbst nahm kaum Notiz von der allgemeinen Verärgerung sondern eilte geradewegs auf König Esrildur zu. Rasch erkannten die Versammelten wer dieser Eindringling war und die allgemeine Empörung schwand. Die Kleidung glich der Kleidung der Menschen aus Bree. Ein Bote also. Esrildur erhob sich und blickte dem Boten verwundert entgegen. Dieser blieb abrupt vor dem König stehen. Zunächst noch etwas um Atem, benötigte er einige Minuten um sich zu erhohlen.
"Verzeiht mir, dass ich hier so unangekündigt erscheine, Herr. Aber ich komme in dringlicher Angelegenheit zu Euch. Herr!" Esrildur und die anderen Anwesenden blickten ihn gespannt an.
"Was ist geschehen? Sprecht!" Zögernd rückte der Bote mit der Sprache heraus.
"Nun Herr, es hat einen Überfall auf das Auenland gegeben. Eine unbekannte Schar von Menschen hat mehrere Orte dort angegriffen und verwüstet. Außerdem wurden mehrere Hobbits von einer Schar Strolchen entführt. Der Thain des Auenlandes bittet euch um Hilfe, mein König."

Esrildur wich die Farbe aus dem Gesicht. Zunächst war in seinen Augen Ungläubigkeit zu lesen, dann wich diese dem Ausdruck von Zorn und Wut. Der König sah daraufhin abwechselnd den Boten und die anwesenden Statthalter an, die ebenfalls blass geworden waren. Anders sein Sohn Esrilmir, der sich abrupt erhob und seinen Vater durchdringend ansah.
"Vater! Ich habe es Dir schon öfters gesagt. Ich bin überzeugt, dass hinter diesen feigen Angriff dieser Schurke Tepeth aus Dunland steckt. Erlaubt mir diesen endlich dingfest zu machen und seiner gerechten Strafe zu zuführen." Tar Esrildur schüttelte zunächst den Kopf.
"Nein, mein Sohn! Ich brauche dich hier in Minas Tirith. Überlass das den Anderen." Esrilmir war nicht gewillt diese Entscheidung ohne Weiteres hinzunehmen.
"Deine eingesetzten Häscher haben den Aufrührer aber bislang nicht fassen können, Vater. Also warum sollten sie das nun tun?". Esrilmir war erzürnt, angesichts der Tatsache, dass sein Vater ihn auf diese Weise an die Leine legen wollte. Das spürten auch die Anwesenden im Raum, die sich jeglicher Bemerkungen enthielten.
"Vater! Du weißt, ich bin nicht nur dein Sohn. Ich bin ebenso Soldat im Dienst meines Landes. Und als solcher hab ich die Pflicht Schaden von unserem Volk und unsren Freunden abzuwenden. Und ich diene Dir mehr, wenn ich endlich die Übeltäter fasse, statt hier in Minas Tirith dem Geschehen tatenlos zu sehen." Der alte Mann gestand sich innerlich ein, dass sein Sohn wohl Recht hatte. Zwar war ihm dabei nicht wohl zumute, aber er wusste auch, dass sein Sohn sich davon nicht abbringen lassen würde. Was sich Esrilmir einmal in den Kopf gesetzt hatte, führte er auch durch. Schwerfällig erhob sich der König von seinem Thron.
"So sei es. Überbringt dem Thain die Nachricht, dass wir Hilfe schicken. Und Du mein Sohn nimm meinen Segen mit auf deiner Reise. Möge deine Fahrt erfolgreich sein." Daraufhin löste der König die Zusammenkunft auf und zog sich in seine Gemächer zurück. Esrilmir machte sich indes mit einer stattlichen Schar an Soldaten auf um Auenlands Volk zur Hilfe eilen. Schweren Herzen stimmte der alte König zu und entließ seinen Sohn. Er hoffte, inbrünstig, dass dessen Fahrt nicht umsonst sein würde.

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Letzte Änderung: 30.06.2019 21:28:19